https://www.faz.net/-gv6-r0eq

Hypothekenkrise : Neues Desaster bei Merrill Lynch

  • Aktualisiert am

Der Merrill-Bulle wird geschlachtet Bild: AP

Hatten Analysten schon die Zahlen der Investmentbank Merrill Lynch für das dritte Quartal als „Blutbad“ bezeichnet, so trifft das für das vierte Quartal um so mehr zu. Die Nettoeinnahmen wurden zu -ausgaben, die Abschreibungen sind dramatisch und könnten noch nicht zu Ende sein.

          5 Min.

          Egal, ob die Anleger vom Thema Kreditkrise die Nase voll haben und lieber darüber reden möchten, wie sich ihr Wertpapiervermögen stetig vermehrt, es geht nicht unbedingt nach ihrem Willen. Denn die amerikanische Hypotheken- und Finanzkrise geht nicht zu Ende und hält die Märkte im Griff, ob sie nun wollen oder nicht.

          Das wurde an diesem zunächst rosigen Donnerstag deutlich, als der Hypothekenfinanzierer First Horizon und die Investmentbank Merrill Lynch ihre Zahlen für das vierte Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres vorlegten.

          14,1 Milliarden Dollar neue Abschreibungen

          Waren die Zahlen von Merrill Lynch schon für das dritte Quartal desaströs (vgl. ), so fielen sie für das vierte Quartal nicht besser aus. Stand von Juli bis September unter dem Strich ein Minus von 2,3 Milliarden Dollar, so fiel dieser im Schlussquartal im fortgeführten Geschäft mit 9,8 Milliarden Dollar oder 12,01 Dollar je Aktie mehr als viermal so hoch aus.

          Im Vorjahr hatte die Bank noch einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar ausgewiesen, und von Thomson Financial befragte Analysten hatten mit einem weit geringeren Minus von 3,19 Milliarden Dollar oder 4,93 Dollar je Aktie gerechnet.

          Nach bisherigen Abschreibungen im Zusammenhang mit der amerikanischen Immobilienkrise in Höhe von rund acht Milliarden Dollar musste Merrill Lynch im vierten Quartal noch einmal Wertberichtigungen in Höhe von insgesamt 14,1 Milliarden Dollar vornehmen. Für das Gesamtjahr summieren sich die mit der Hypotheken-Krise verbundenen Verluste bei Merrill damit auf 23 Milliarden Dollar.

          Nettoeinnahmen zu -ausgaben

          Die Einnahmen, die mit den Abschreibungen verrechnet werden, lagen im Schlussquartal bei minus 8,2 Milliarden Dollar nach plus 8,4 Milliarden Dollar im Vorjahr. Dies machte auch einen Anstieg des Zinsüberschusses um 44 Prozent auf 1,546 Milliarden Dollar praktisch gegenstandslos.

          Im Gesamtjahr beläuft sich der Verlust damit auf 7,78 Milliarden Dollar. Dies ist der erste Jahresverlust seit 1989, der inflationsbereinigt 350 Millionen Dollar betrug und der zweite seit dem Börsengang 1971.

          Die Tatsache, dass sich die Hypothekenkrise so nachhaltig bei Merrill Lynch niederschlägt, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Bank weit mehr Kredite in den Büchern behielt und weit weniger verkaufte als andre Banken. Zudem hatte man sich mit dem Erwerb des Subprime-Spezialisten Franklin Ende 2006 völlig verkalkuliert. Eine gewisse Note bringt zudem die Tatsache in die Angelegenheit, dass Unternehmensgründer Charles Merrill 1929 seinen Ruf beschädigte, als er Anlegern kurz vor dem großen Börsenkrach zum Verkauf von Aktien riet.

          „Ergebnisse völlig inakzeptabel“

          Die Ergebnisse seien völlig inakzeptabel, sagte der neue Merrill Lynch-Chef John Thain in New York. Er fügte allerdings hinzu, dass das Institut in den letzten Wochen seine Liquidität und die Bilanz deutlich gestärkt habe. Am Dienstag hatte das Unternehmen über den Einstieg dreier ausländischer Investmentfonds für insgesamt 6,6 Milliarden Dollar berichtet. Bereits im Dezember hatte sich Merrill Lynch mit dem Verkauf eigener Aktien eine Kapitalspritze von 6,2 Milliarden Dollar besorgt.

          Die Aktie verliert vorbörslich 3,4 Prozent auf 53,20 Dollar. Analysten bewerteten die Zahlen gemischt. Der Verlust sei höher als vorhergesagt, die Abschreibungen indes in dem Umfang erwartet worden, sagte Peter Boockvar von Miller Tabak & Co in New York. Ob damit alle Unwägbarkeiten aus der Merrill-Bilanz bereinigt seien, lasse sich aber nicht sagen. „Jetzt fangen die Leute erst an, wirklich zu begreifen, wie tiefgreifend diese Krise ist“, sagte Angus Campbell von Capital Spreads in London.

          Hypothekenfinanzierer in Nöten

          Allerdings versuchten die Banken derzeit erfolgreich, Investoren an Bord zu holen. Deshalb sei es eher unwahrscheinlich, dass es Kürzungen bei den Dividenden geben werde, was wiederum positiv für die Anleger sei. Angesichts der Tatsache, dass die Citigroup erst in dieser Woche die Dividende im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent senkte, eine durchaus optimistische Sichtweise.

          Weitere Themen

          Man setzt auf Erholung

          Kapitalmärkte : Man setzt auf Erholung

          Der deutsche Aktienmarkt eröffnet am Donnerstag abermals gut behauptet. Nervös machen etwas die zunehmenden amerikanisch-chinesischen Spannungen - aber nur etwas.

          Topmeldungen

          Noch ist der Rote Platz in Moskau menschenleer, doch ab Juni will die russische Regierung die Corona-Restriktionen lockern.

          Trotz hoher Corona-Zahlen : Russland beginnt mit größeren Lockerungen

          Seit mehr als zwei Monaten gibt es in Moskau – Europas größter Stadt – strenge Ausgangssperren. Obwohl die Corona-Zahlen weiter viel stärker steigen als etwa in Deutschland, dürfen die Menschen zumindest zeitweise auf die Straße gehen, Läden sollen öffnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.