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Hurrikan „Sandy“ : Amerikanische Börsen bleiben auch am Dienstag geschlossen

  • -Aktualisiert am

Wall Street vor dem Sturm Bild: dapd

Hurrikan „Sandy“ führt an der New Yorker Börse zur ersten außerplanmäßigen Aussetzung des Handels seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Auch am Dienstag werden die amerikanischen Aktien- und Optionsmärkte geschlossen bleiben.

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          Der Wirbelsturm „Sandy“ bringt das Herz der amerikanischen Wirtschaft zum Stillstand. Wegen des schweren Hurrikans, der nach Prognosen von Meteorologen möglicherweise schon am Montagnachmittag auf New York treffen soll, blieben die amerikanischen Aktien- und Optionsmärkte am Montag geschlossen.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Angesichts der erwarteten Stärke des Sturms wurde der Börsenhandel auch für Dienstag ausgesetzt. „Wir werden gemeinsam mit der Branche die nächsten Schritte beschließen, damit der Handel so schnell wieder aufgenommen werden kann, wie die Lage es zulässt“, hieß es in einer Mitteilung der New York Stock Exchange (Nyse), des größten amerikanischen Aktienmarkts.

          Zum ersten Mal seit dem 11. September 2001

          Die Börsenbetreiber hatten die Entscheidung am Sonntagabend zusammen mit den zuständigen Aufsichtsbehörden gefällt. Die Unternehmen machten sich wegen des drohenden Wetterunbills Sorgen um die Funktionsfähigkeit der Märkte sowie um die Sicherheit ihrer Angestellten.

          Es ist das erste Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dass die amerikanischen Börsen außerplanmäßig geschlossen bleiben. Damals wurde der Handel vier Tage lang unterbrochen. Wegen des Wetters schließen die Börsen nur selten. Ein Schneesturm hatte im Januar 1996 für verkürzten Handel an der Nyse gesorgt. Wegen eines Wirbelsturms blieb die Nyse zuletzt im September 1985 einen Tag lang geschlossen.

          Der Börsenkonzern Nyse Euronext, der Betreiber der Nyse, wollte zunächst nur den Parketthandel an der Wall Street aussetzen, aber weiter elektronisch handeln. Die Manager der Börse entschieden sich schließlich aber für eine komplette Schließung. Marktteilnehmer waren besorgt, dass im Fall einer zeitweiligen Börseneröffnung nicht genug Zeit bleiben würde, um Handelsaufträge umzuleiten.

          Nasdaq und Terminmärkte ebenfalls dicht

          Neben der Nyse ist auch die elektronische Börse Nasdaq, der zweitgrößte amerikanische Aktienmarkt, von der Schließung betroffen. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals etwas gegeben hat, das so schwere Auswirkungen haben soll“, sagte Stephen Ehrlich, der Vorstandsvorsitzende des New Yorker Wertpapierhauses Lightspeed dem „Wall Street Journal“. Die Angestellten von Lightspeed arbeiteten am Montag von zu Hause aus. Die Gesellschaft wollte ihr Büro in Chicago nutzen, um Anrufe von Kunden entgegenzunehmen.

          Der Terminmarktbetreiber CME Group in Chicago wird wegen der Schließung der New Yorker Kassamärkte Nyse und Nasdaq den Handel mit Aktienindex-Terminkontrakten und Optionen suspendieren. Auch an der New Yorker Terminbörse Nymex, die zur CME gehört, wurde am Montag nicht gehandelt. Das Gebäude der Börse, an der unter anderem Erdöl-Kontrakte gehandelt werden, liegt an der Südspitze von Manhattan unweit vom Hudson. Damit liegt es in einer designierten Evakuierungszone der Stadt. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte die Evakuierung von niedrig gelegenen Stadtvierteln mit bis zu 400.000 Bewohnern verfügt, die von Überflutungen bedroht sind. Der öffentliche Nahverkehr wurde unterbrochen, und Schulen blieben ebenfalls geschlossen.

          Auch die aktuelle Bilanzsaison an der Wall Street wird vom Hurrikan beeinträchtigt. Der große Pharmakonzern Pfizer, dessen Hauptverwaltung in New York liegt, hat wegen des Sturms die geplante Veröffentlichung seiner Quartalsergebnisse verschoben. Statt am Dienstag wird Pfizer die Zahlen nun am Donnerstag vorlegen.

          Wegen des Hurrikans sind zudem mehr als 6800 inneramerikanische und transatlantische Flüge gestrichen worden. Die Gesellschaften British Airways, Virgin Atlantic und Air France hatten schon am Sonntag damit begonnen, Flüge nach New York und andere Städte der amerikanischen Ostküste abzusagen. Auch Verbindungen nach Deutschland sind betroffen. Nach der Erwartung von Fachleuten könnten sich die Sturmschäden auf mehr als 3 Milliarden Dollar belaufen. Meteorologen befürchten, dass der Hurrikan im Nordosten der Vereinigten Staaten auf einen Wintersturm stoßen könnte. Die Kombination dieser Wetterfronten könnte dann zum schwersten Unwetter seit 1991 führen. Damals kamen wegen des Hurrikans „Bob“ an der amerikanischen Ostküste vier Menschen ums Leben.

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