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Modekonzern in der Krise : Hugo Boss leidet unter den eigenen Rabatten

  • -Aktualisiert am

Schaulaufen: Kunden passieren einen Laden von Hugo Boss in Hongkong. Bild: Bloomberg

Gerade noch war der Modekonzern ein Anwärter auf den Dax. Heute ist die Aktie nur noch halb so viel wert wie vor einem Jahr. Der Konzern steuert gegen, doch die Fachleute sind sich uneins, wohin das führt.

          Vor nicht allzu langer Zeit ist der Modekonzern Hugo Boss AG noch als Aufsteiger für den Dax gehandelt worden. Doch der Ruhm vergangener Tage verblasst an der Börse schnell. Der Bekleidungshersteller mit Sitz im schwäbischen Metzingen präsentierte am Dienstag seine Quartalszahlen. Vor allem die schwache Nachfrage in Amerika und China sowie Sanierungskosten sorgten zum Auftakt des Jahres für einen herben Gewinnrückgang. Das im M-Dax notierte Papier drehte nach einem anfänglichen Verlust dann doch noch ins Plus, legte um 2,57 Prozent auf 57,54 Euro zu. Als ein Grund wurden die Aussagen des Managements genannt, wie der Misere begegnet werden soll. Aber: Vor einem Jahr notierte der Anteilsschein noch bei 113,90 Euro.

          Hugo Boss hatte den Aktienmarkt im Februar mit einer Gewinnwarnung schockiert. Daraufhin war der Kurs in der Spitze um fast 30 Prozent abgerutscht, bevor sich die Aktie zwischenzeitlich wieder um fast ein Viertel erholte. Das Unternehmen ist der schwächste Wert im M-Dax im laufenden Jahr. Im Zuge der Turbulenzen ging zuerst der Vorstandsvorsitzende Claus-Dietrich Lahrs von Bord sowie wenig später Markenvorstand Christoph Auhagen. Nun ist Finanzvorstand Mark Langer der Verantwortliche, bis ein Nachfolger von Lahrs gefunden worden ist.

          Er hofft nach dem schlechten Start in das neue Jahr auf anziehende Geschäfte im zweiten Halbjahr und bekräftigt daher seine Prognose. „Wir haben in den vergangenen Wochen viel in Bewegung gesetzt“, sagte Langer. Die Ergebnisse des ersten Quartals unterstrichen aber auch, dass man noch viel Arbeit vor sich habe. Kurzfristig stünden die Stabilisierung des Geschäfts in Nordamerika und die Verbesserung der Kosteneffizienz im Vordergrund. Im Zeitraum Januar bis März ging der Umsatz um 4 Prozent auf 643 Millionen Euro zurück, der operative Gewinn (Ebit) um 48 Prozent auf 54 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben noch 38,5 (Vorjahr: 75,6) Millionen Euro übrig. Für das laufende rechnet Langer bei stagnierenden Erlösen mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. 2015 war das Ebitda um 1 Prozent auf 594 Millionen Euro gestiegen, deutlich weniger als in Aussicht gestellt. Der Umsatz erreichte 2,8 Milliarden Euro.

          Mit Rabattschlachten gegen schwache Nachfrage

          Das Unternehmen muss seit dem vergangenen Jahr vor allem in den Vereinigten Staaten und China mit Rabattschlachten gegen die schwächelnde Nachfrage ankämpfen. Außerdem hat es zudem hohe Kosten für den Ausbau der eigenen Filialen zu verkraften. Finanzvorstand Langer strich als Konsequenz daraus die Kosten und Investitionspläne ein. Läden werden geschlossen, der Rückzug aus dem Großhandelsgeschäft in Amerika wird vorangetrieben. Der Anbieter betreibt rund 130 Läden in China, von denen aber nicht alle profitabel sind. Der Konzern wird vermutlich 20 davon schließen, noch einmal so viele Geschäfte könnten in anderen Regionen dicht gemacht werden.

          Von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten sagen, das Papier habe durchaus Potential. Die Hälfte der Fachleute empfahlen es weiterhin zum Kauf. Das Kursziel der Analysten reicht von 47 bis 82 Euro. Die Investmentbank Equinet beließ das Unternehmen nach den Zahlen bei seinem Kursziel von 77 Euro und empfahl weiterhin den Kauf des Papiers. Analyst Mark Josefson hob den Umstand hervor, dass der Bekleidungshersteller den Ausblick bestätigte und in der zweiten Jahreshälfte weiter mit einer deutlichen Geschäftsverbesserung rechne. LBBW-Analyst Thomas Hofmann merkte mit Blick auf den Jahresauftakt kritisch an: „Die bisherigen Wachstumshoffnungen haben sich auch nicht gut entwickelt. Bei der Damenmode sind Rückgänge zu verzeichnen und auch der Onlinehandel legte nur minimal zu.“ Eine generelle Schwierigkeit der Luxusgüterhersteller sei die eingeschränkte Kauflust chinesischer Konsumenten.

          Herber Verlust: Im Zeitraum Januar bis März ging der Umsatz um 4 Prozent auf 643 Millionen Euro zurück.

          Das Bankhaus Lampe stufte die Aktien bereits vor Veröffentlichung der Quartalszahlen von „Halten“ auf „Verkaufen“ herab und senkte das Kursziel auf 49 Euro. Analyst Peter Steiner machte sich vor allem um die künftige Entwicklung in Nordamerika Sorgen. Dort stocke die Nachfrage nach Premiummode, aufstrebende Konkurrenten eroberten Marktanteile und Hugo Boss biete zu viel Ware im hochpreisigen Segment an. Zudem fehle es an Innovationen bei der Marke Boss. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser sieht weiterhin einen günstigen Zeitpunkt für einen Einstieg und empfiehlt unverändert „Kaufen“ mit einem Kursziel von 66 Euro. Vom zweiten Quartal an sollte sich die schwache operative Dynamik aber schrittweise verbessern. Zudem bleibe die Aktie günstig.

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