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Technische Analyse : Banken schaffen Trendwende nach oben

  • -Aktualisiert am

Wann schafft die Deutsche Bank die Trendwende? Bild: dpa

Dem Euro Stoxx Bankenindex ist die Wende gelungen. Das hat zwei wünschenswerte Effekte für Bank-Aktien.

          3 Min.

          Alle HSV-Fans müssen jetzt tapfer sein: Eine Wende ist nicht in Sicht. Der letzte verbliebene Bundesliga-Dino wird auch in den kommenden Monaten an die letzten beiden Spielzeiten anknüpfen. Auf jeden Fall ist dies weit wahrscheinlicher als seine Auferstehung aus Ruinen. Die Begründung: der Trend. Der zeigt seit Jahr und Tag steil gen Süden, und immer wenn man meinte, hoffen zu dürfen, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, geschah genau dies: Es kam schlimmer. Wenig könnte die Natur eines Trends besser illustrieren als dieses Beispiels aus der Welt des Fußballs.

          Trends sind deshalb so stabil, weil es für sie in den allermeisten Fällen richtig gute Gründe gibt und es urgewaltige Anstrengungen braucht, um diese Gründe aus dem Weg zu räumen. Betrachtet man den HSV als ein Unternehmen, das zumindest grundsätzlich die Absicht hegt, erfolgreich zu sein, dann muss es bei den Hamburgern genau dort extrem im Argen liegen, wo auch bei klassischen Unternehmen der Schuh drückt, wenn es den Bach runtergeht:

          Tiefgreifende Fehlentscheidungen in rauher Zahl. Um diese zu korrigieren, braucht es Können, Willen, Durchsetzungskraft und Strukturreformen. Dinge, die es nicht an jede Ecke zu kaufen gibt und die selbst dann, wenn sie vorhanden sind, das Ruder nicht von heute auf morgen herumreißen können. Der HSV ist da so etwas wie die Deutsche Bank: Eigentlich ein unerschütterliches Urgestein. Aber irgendwann wird es selbst dem zu viel.

          Kommen wir nach dieser Einleitung nicht unbedingt zur Deutschen Bank, sondern mehr zu ihrem überlagernden Branchenindex, dem Euro Stoxx Banken. Diesem Index ist gelungen, wovon der HSV bislang nur träumen kann: Er hat die Wende geschafft! Nach einem der schlimmsten Abwärtstrends der jüngeren Börsengeschichte überhaupt mit Verlusten von im Tief rund 85 Prozent ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass die europäischen Banken genau diesen Trend hinter sich gelassen und einen neuen Aufwärtstrend begonnen haben, maximal. Ohne mich in sehr technischen Fachtermini verzetteln zu wollen:

          Fast alles, was die technische Analyse auffahren kann, spricht nun für einen langfristig angelegten Vorzeichenwechsel bei diesem Branchenindex. Ich rechne damit, dass der Euro Stoxx Banken im Laufe der nächsten 12 bis 24 Monate in der Spitze auf Werte um 150 Punkte ansteigen wird. Erst jetzt sehr unwahrscheinlich gewordene Kurse um 75 Punkte würden diese Einschätzung gefährden.

          Natürlich ist dies eine Prognose. Von Gewissheit, dass die Dinge genau so kommen werden, kann keine Rede sein. Aber wenn es so kommt, die Wahrscheinlichkeit dafür liegt entsprechend meinen Erfahrungen bei wenigstens 70 Prozent, dann hätte dies zwei sehr schätzenswerte „Nebenwirkungen“. Zum einen dürfte der Gedanke, dass die eingangs erwähnte Deutsche oder eine andere Bank doch noch die Grätsche macht und eine systemische Krise epischen Ausmaßes auslöst, nebensächlich bis überflüssig geworden sein.

          Es gibt einen zentralen Krisenherd weniger

          Auch Staatshilfen für lahmende Banken werden wahrscheinlich kein Thema mehr sein. Zum anderen kann und darf mit den Aktien der Banken wieder gerechnet werden. Sie werden nun in der Lage sein, ihren Beitrag zu einem weiteren Anstieg der europäischen und deutschen Indizes leisten. Das gilt mit Abstrichen auch für die der Deutschen Bank. Mehr wird man sich derzeit nicht wünschen können.

          Und dennoch muss die Kirche im Dorf bleiben. So wie der HSV selbst nach einer derzeit nicht absehbaren dauerhaften Wende zum Besseren nicht gleich wieder Meister werden wird, so wird sich auch die Deutsche Bank und ihre „Geschwister“ im Euro Stoxx Banken wie auch der Index selbst sich nicht gleich wieder zu Gipfelstürmen aufmachen. Bis zu den Vor-Lehman-Hochs ist es ein weiter Weg. Sie werden wohl nicht mehr zu Zeiten, die wir überblicken können, erreicht werden.

          Bild: F.A.Z.

          Aber immerhin - das kann gar nicht genug betont werden: Die Gefahr ist wahrscheinlich gebannt. Die Wende geschafft. Es gibt einen zentralen Krisenherd weniger. Das kann und wird auch dem Dax nur guttun können. Ich sehe mein in der Woche nach dem Brexit-Votum erstmals genanntes Kursziel von 11.200 Punkten weniger gefährdet denn je (analytisches Stop-Loss: 10.280 Punkte). Es dürfte bald erreicht werden.

          Zurück zum HSV: Fans werden mir vielleicht entgegenhalten, dass auch beim HSV möglich sein sollte, was zuletzt der Eintracht aus Frankfurt und den Hoffenheimern gelang: noch einen Trainerwechsel, und schon läuft es wieder. Möglich ist das allemal - aber eben nicht wahrscheinlich.

          Denn dieser Gedanke lässt eine weitere grundlegende Idee eines Abwärtstrends außer Acht: Je länger er anhielt und je tiefer der Fall war, umso überragender müssen die Argumente für eine Wende sein. Auch wenn die Fans dies wohl anders erlebt haben: So gesehen, waren die Hessen und die Nordbadener nur in einer Mini- und der HSV war und ist in einer Riesenkrise. Es muss wohl noch einiges passieren, bis er dem Beispiel der Banken folgen kann.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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