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Holzwerkstoffe : Pfleiderer schreckt feindlich gesinnte Investoren ab

  • Aktualisiert am

Hans H. Overdiek, Vorstandsvorsitzender von Pfleiderer Bild: Archiv

Der Holzverarbeiter Pfleiderer pocht auf seine Eigenständigkeit. Zwar bestätigte Unternehmenschef Hans Overdiek Gespräche mit Finanzinvestoren. Gegen eine feindliche Übernahme will er sich jedoch wehren und notfalls zurücktreten.

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          Pfleiderer liefert gerade eine noch etwas hölzerne, aber bald vielleicht filmreife Story. Erst bricht der Kurs nach und nach ein, obwohl das Management doch gerade an einer rosigen Zukunft mit einem neuen, größeren Konzernprofil bastelt. Versteht die Börse nicht, wie toll das wird? Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der Kurseinbruch natürlich die Akteure im Unternehmen ein wenig nervös werden lässt. Schließlich verschlechtern sich durch solcherlei nicht nur die Finanzierungsbedingungen.

          Der Finanzvorstand wird gefeuert

          Wie es dann oft so kommt: Der Kursverfall bringt Übernahmeinteressenten auf den Plan. Mit denen redet der Finanzvorstand, was ja eigentlich auch seine Aufgabe ist. Offenbar in diesem Fall aber zunächst ein wenig zu heimlich. Und das finden der Chef des Vorstandes und Vorsitzende des Aufsichtsrates gar nicht gut. Sie entziehen ihrem Finanzchef kurzerhand das Vertrauen und werfen ihn kurzerhand raus.

          Sämtliche Aufwärtstrends seit 2003 sind gebrochen. Der Chart wirkt angeschlagen, der aktuelle Abwärtstrend ist noch intakt. Bis zu den Hochs wird es ein weiter Weg zurück

          Das klingt dann offiziell am Montag dieser Woche so: „Derrick G. Noe, Finanzvorstand der Pfleiderer AG, Neumarkt, scheidet nach heute erfolgter Beschlussfassung des Aufsichtsrats der im MDAX notierten Pfleiderer AG mit Wirkung zum 14.01.2008 aus dem Vorstand der Pfleiderer AG aus.“

          Heimlich mit Investoren geredet

          Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Noe und den anderen Vorständen und dem Aufsichtsrat sei nicht mehr möglich gewesen, nachdem Noe Gespräche mit einem Finanzinvestor initiiert habe, beschreibt Vorstandschef Hans Overdiek dies - ohne Details zu nennen. Aber hinter vorgehaltener Hand wird offenbar weitergereicht, dass Noe Gespräche mit Finanzinvestoren ohne Wissen des Vorstands und des Aufsichtsrats geführt habe.

          Nun ist der Finanzvorstand zwar weg, doch was tun mit den Finanzinvestoren? Die beäugen den Hersteller von Holzwerkstoffen offenbar immer noch sehr interessiert, wie das Unternehmen am Mittwoch sogar offiziell zugibt. Im Wortlaut: Die Pfleiderer AG teilt mit, dass sie konkret von Finanzinvestoren angesprochen worden ist, die an einem Einstieg in das Unternehmen interessiert sind. Die Pfleiderer AG bestätigt, mit verschiedenen Finanzinvestoren diesbezüglich Gespräche geführt zu haben.“

          Finanzinvestoren wollen Pfleiderer übernehmen

          Das allein sollte der Aktie doch eigentlich gut tun, vor allem wenn es mit dem Satz verbunden wird: „Der Vorstand der Pfleiderer AG kann sich grundsätzlich weitere finanzstarke Kerninvestoren neben der Familie Pfleiderer vorstellen und hat dies Finanzinvestoren auch mitgeteilt.“ Doch der Haken an der Geschichte kommt dann im nächsten Satz: „Einer der Finanzinvestoren hat dem Vorstand der Pfleiderer AG mitgeteilt, dass er über die Unterbreitung eines Übernahmeangebots nachdenkt.“

          Genau daran sind die Großaktionäre von Pfleiderer nicht interessiert. Und das machte Vorstandschef Hans Overdiek am Donnerstag dann auch höchstpersönlich in einer Telefonkonferenz klar.

          Vorstandschef will gegen feindliche Aufkäufer kämpfen

          Finanzstarke Anteilseigner seien für ein Unternehmen immer gut, um wachsen zu können, sagte er. Allerdings steht er einem Buy-out oder einer Komplettübernahme durch einen Investor kritisch gegenüber. Dies könne das Unternehmenswachstum behindern, sagte Overdiek. Er ziehe die Unabhängigkeit von Pfleiderer vor. Zudem habe auch die Pfleiderer-Familie signalisiert, ihren etwa Elf-Prozent-Anteil nicht verkaufen zu wollen. 20 Prozent der Aktien sind zudem im Besitz von Privatanlegern, rund 70 Prozent in der Hand institutioneller Investoren.

          Und Vorstandschef Overdiek zeigte sich kämpferisch: Gegen eine feindliche Übernahme werde sich das Pfleiderer-Management wehren. Sollte es dennoch zu einer feindlichen Übernahme kommen, dann werde er als Unternehmenschef zurücktreten, drohte er zugleich. Was sicherlich ein harter Schlag wäre, weil Overdiek der Konstrukteur und Motor der neuen Pfleiderer AG ist. Trotz seines schweren Unfalls im vergangenen Jahr und seines wochenlangen Ausfalles sprüht er offenbar wieder nur so vor Energie und Tatendrang.

          Aktien verlieren wieder

          Kein Wunder also, dass die Aktien nach den Äußerungen von Overdiek erst mal im Tagesverlauf wieder verlor und zwar um zeitweise mehr als sieben Prozent auf 12,75 Euro. Im Tageshoch waren sie vor der Telefonkonferenz bis auf 14,75 Euro geklettert.

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