https://www.faz.net/-gv6-nzrd

Holding : Aktie der Otto Stumpf AG zeigt Lebenszeichen

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Lange Jahre hatte man von der Aktie des ehemaligen Pharmagroßhändlers Otto Stumpf wenig gesehen. Im November glänzt sie aber mit einer Kursexplosion, nachdem das Unternehmen einen Großteil seiner Schuldenlast loswerden soll.

          4 Min.

          „Lange war der Frosch sehr krank / jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank“, dichtete einst Wilhelm Busch. Rauchzeichen gibt auch die Aktie der Otto Stumpf AG seit Monatsbeginn von sich, deren eher behäbiger, wenn auch aufwärtsweisender Kursverlauf der vergangenen Jahre Anfang des Monats von einer explosiven Verdoppelung abgelöst wurde.

          Um den ehemaligen Pharmagroßhändler war es nach langen Jahren lautstarken Gezänks zum Ende der neunziger Jahre still geworden. Ihren Anfang nahmen die Ereignisse, als 1993 der schwäbische Unternehmer Adolf Merckle unter dem Dach der Phönix Pharmahandel das größte pharmazeutische Großhandelsunternehmen Deutschlands zu schmieden begann.

          „Aushöhlen, ausplündern

          Der Ärger begann im April 1993 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, als auf Betreiben Merckles drei Apotheker aus dem Aufsichtsrat abberufen wurden, und Merckle und zwei Vertrauensleute dafür nachrückten.

          Diese Umbesetzung forderte erhebliche Kritik vor allem aus dem Kreis der an Stumpf beteiligten Apotheker heraus. Wenige Wochen danach verließ Vorstandssprecher Rudolf D. das schon damals in der Verlustzone herumlaborierende Unternehmen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem neuen Aufsichtsrat über die künftige Unternehmensstruktur.

          Dann begannen sich die Ereignisse innerhalb der Phönix-Gruppe zu überschlagen: Es gab fristlose Entlassungen von Geschäftsführern und Vorwürfe der Werksspionage. Als sich das Modell der Verpachtung der operativen Einheiten an die Phönix abzuzeichnen begann, erhoben freie Aktionäre der Konzerngesellschaften gegen Merckle Vorwürfe , er würde die Firmen „aushöhlen“ und „ausplündern“.

          1994 hatte Stumpf mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren und mußte deshalb eine Verlustanzeige stellen. Es erfolgte zunächst ein Kapitalschnitt, durch den Merckle seinen Einfluß vergrößerte, und schließlich nach heftigem Gezänk auf der Hauptversammlung die Verpachtung der operativen Einheiten an die Phönix.

          Ehemalige Vorstände hinter Gittern

          Doch damit nicht genug: Rudolf D. wurde in den Folgejahren wegen des Verdachts der Untreue angeklagt und zeigte seinerseits Merckle an. 1996 endete der Prozeß gegen D. mit dessen Verurteilung zu sieben Jahren und drei Monaten Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung. Es ging dabei um ungenehmigte Kredite aus dem Firmenvermögen an ihn und zwei weitere, ebenfalls angeklagte Vorstände.

          Merckle wurde hingegen entlastet. Auch für den Vorwurf der Angeklagten an die Adresse Merckles, er habe eine „Thesaurierungspolitik zu Lasten der Kleinaktionäre“ betrieben, fand das Gericht laut Urteilsbegründung keine konkreten Anhalte. Das „Zwielicht“ um Merckle, das im Laufe des Verfahrens von einigen Beobachtern erzeugt worden sei, habe sich als falsch erwiesen.

          Nagen am Schuldenberg

          In den kommenden Jahren fiel Otto Stumpf höchstens noch durch die chronische Misere auf. Das Eigenkapitaldefizit der nunmehr als Immobilien- und Beteiligungsholding fungierenden AG bestand trotz der Kapitalerhöhungen weiter fort. Ab 2001 gab es wenigstens wieder Gewinne, 2003 und 2004 fielen diese aber spärlich aus.

          Indes sind die Gewinne bisweilen weniger aussagekräftig. Im ersten Halbjahr 2006 etwa belief sich der Verlust vor Steuern auf 314.000 Euro, da Phönix nur 21.000 Euro ausgeschüttet hatte. Indes hatte es im zweiten Halbjahr 2005 eine Vorabgewinnausschüttung für das Geschäftsjahr 2006 in Höhe von 506.000 Euro gegeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tesla-Fabrik in Deutschland : Angriff im Heimatmarkt

          Für die deutschen Autohersteller wird der Wettbewerb noch schwieriger, wenn Tesla in Brandenburg eine große Fabrik baut. Ein Selbstläufer ist das Projekt allerdings nicht – Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen.
          Airbus A400M Transportflugzeuge auf dem Vorfeld des Fliegerhorsts Wunstorf

          Probleme beim A400M : Propellerschrauben locker

          Immer wieder kommt es beim Prestigeprojekt A400M zu Problemen. Jetzt verweigert die Bundeswehr die Abnahme von zwei neuen Flugzeugen – wegen Problemen am Propeller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.