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Hoher Ölpreis : Geld verdienen mit den Ölkonzernen

Als schlauer Anleger kann der hohe Ölpreis Gewinn bringen Bild: AFP

Wer vom steigenden Ölpreis profitieren will, muss Ölaktien kaufen. Zertifikate bringen nichts, da meist ein kleiner Verlust dabei entsteht. Die direkte Investition in die Ölkonzerne bringt den Anleger am dichtesten an den Ölpreis heran.

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          Wie die Besitzer einer Ölheizung mit einem steigenden Ölpreis umgehen, ist ziemlich leicht zu verstehen: Sie lassen den Tankwagen kommen und lagern das Öl im eigenen Tank, bis sie es brauchen. Doch wer keinen Öltank hat, für den ist das schwieriger. Dabei leiden auch andere unter dem hohen Ölpreis, schließlich muss jeder mehr fürs Benzin zahlen, und wenn der Warentransport teurer wird, trifft das auch alle.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da ist es kein Wunder, dass so mancher im Gegenzug mit dem Anstieg des Ölpreises auch gerne Geld verdienen würde. Im Prinzip könnten Anleger das auch leicht machen: heute Öl kaufen, um es später zu höheren Preisen wieder zu verkaufen. Aber die meisten haben keinen Ort, an dem sie ihren Besitz in der Zwischenzeit lagern können.

          Das ist das Problem aller Wertpapiere, die eine Investition in Öl versprechen: seien es Zertifikate, Fonds oder die neuen „Exchange Traded Commodities“, die im Prinzip auch nur Zertifikate unter anderem Namen sind. Für alle gilt: Die Lagerung von echtem Öl wäre viel zu aufwendig und teuer. Deshalb kaufen die Banken vom Geld ihrer Kunden kein richtiges Öl, sondern sie schließen einen Terminkontrakt ab: Sie vereinbaren also mit jemand anderem, dass derjenige in einigen Monaten Öl liefert. Dann haben sie einen Anspruch auf Öl - und wenn der Preis steigt, ist dieser Anspruch immer mehr wert.

          Bild: F.A.Z.

          Öl tauschen mit „Rollverlust“

          Das ist sehr erfreulich - bis der Tag kommt, an dem das Öl geliefert wird. Schon wieder weiß die Bank nicht, wohin damit. Deshalb verkauft sie rechtzeitig ihren Anspruch an jemanden, der das Öl tatsächlich braucht - und vom Erlös kauft sie einen neuen Terminkontrakt. Das Problem daran ist: Der neue Kontrakt hat meistens einen anderen Preis als der alte. Wenn alle Welt davon ausgeht, dass der Ölpreis weiter steigt, wird der neue Terminkontrakt teurer sein als der alte. Das bedeutet: beim Tausch der Kontrakte verliert der Anleger Geld. Das bezeichnen Banken als „Rollverlust“.

          Und das kann ziemlich teuer werden. Ein Vergleich aktueller Zertifikate mit dem Ölpreis zeigt, dass Anleger allein durch Rollverluste in den vergangenen eineinhalb Jahren rund 20 Prozentpunkte an Rendite verloren haben. Banken haben das Problem erkannt und versuchen jetzt, Zertifikate mit kleineren Rollverlusten zu konstruieren: die sogenannten „rolloptimierten Zertifikate“. Doch der Vergleich mit dem Ölpreis und den herkömmlichen Zertifikaten zeigt, dass auch die Rolloptimierung dem Anleger nicht immer einen großen Vorteil bringt.

          Anlegern bleibt also nur, ihr Geld indirekt ins Öl zu stecken. Also in eine Anlage, die vom Ölpreis zumindest profitiert. Denkbar sind zum Beispiel Fremdwährungsanlagen aus Ölländern, in der Hoffnung, dass angesichts eines höheren Ölpreises mehr Geld in die Ölländer fließt und die Währung aufwertet. Der Haken daran ist: Die meisten dieser Länder sind politisch labil. Das ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern auch ein finanzielles. Libyen zum Beispiel sorgt zwar gerade dafür, dass der Ölpreis steigt - doch Libyen selbst hat überhaupt nichts davon, schon allein, weil dort derzeit kaum noch gefördert wird. Wer diese Strategie verfolgen möchte, sollte sich am ehesten nach Norwegen orientieren.

          Investitionen in Ölfirmen sind am dichtesten dran

          Am Ende bleibt Privatanlegern vor allem, ihr Geld in die Ölkonzerne zu stecken. Auch damit ist in Ölkrisen kein Gewinn garantiert, wenn die Ölkrisen auf der Förderseite beginnen. Schließlich leiden auch die Ölkonzerne darunter, wenn weniger Öl gefördert wird und sie weniger verkaufen können. Doch immerhin sind die Anleger auf diese Weise am dichtesten am Ölpreis dran - auch wenn sich die Kurse von Ölfirmen nicht nur entlang des aktuellen Ölpreises entwickeln, sondern auch daran, wie es dem Aktienmarkt gerade geht. Dafür müssen sich Anleger nicht für einzelne Aktien entscheiden, sondern können auch Fonds kaufen.

          Weil es in der Eurozone kaum große Ölkonzerne gibt, holen sich Anleger mit einer Investition in Ölaktien oder Fonds fast immer auch ein Währungsrisiko ins Depot. Beispiel Shell: Deutsche Shell-Aktionäre haben zuletzt darunter gelitten, dass die Aktie vor allem in Großbritannien gehandelt wird. Denn das britische Pfund war schwach, sein Kursverfall hat Aktionäre einiges von ihrer Rendite gekostet. Umgekehrt können Aktionäre allerdings diese Rendite zurückholen, falls das Pfund in den kommenden Wochen so weitersteigt wie zuletzt. Shell gilt darüber hinaus auch unter Analysten als attraktiv. Für das laufende Jahr schätzen sie, dass allein die Dividende den Aktionären fast fünf Prozent Rendite bringen wird.

          Der französische Konzern Total ist bei Analysten ebenfalls beliebt. Seine Aktie ist im Verhältnis zum Gewinn sogar noch ein bisschen günstiger, die Dividendenrendite etwas höher - und die Aktie dürfte sich aus deutscher Sicht etwas stabiler entwickeln, weil sie direkt in Euro notiert ist. Die russische Gazprom empfehlen dagegen nur wenige Analysten. Zwar ist der Konzern günstig - doch das liegt auch daran, dass die Rechtssicherheit in Russland nicht sonderlich groß ist.

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