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Hoffnung auf Konjunkturerholung : Technologieaktien sind Lieblinge der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Deutlich besser als der Standardwerteindex S&P 500: der Nasdaq im Januar Bild: F.A.Z.

Die hohen Kursgewinne der Technologieaktien im Januar deuten auf eine wachsende Risikobereitschaft der Anleger hin. Dazu profitieren sie von der Hoffnung auf eine Konjunkturerholung.

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          Die im vergangenen Jahr gestrauchelten Technologieaktien entwickeln sich in diesem Jahr zu Lieblingen der Anleger an der Wall Street. Der technologielastige Composite-Index der elektronischen Börse Nasdaq hat seit Anfang des Jahres bereits um 8 Prozent zugelegt, nachdem er das vergangene Jahr mit Verlusten von knapp 2 Prozent beendet hatte. Das Nasdaq-Barometer entwickelt sich in diesem Jahr damit bislang deutlich besser als der Standardwerteindex S&P 500, der in der gleichen Zeit um knapp 5 Prozent gestiegen ist.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Es sieht so aus, als ob es ihr Jahr wird oder zumindest ihr Monat“, sagt Michael Vogelzang, Anlage-Chef des Vermögensverwalters Boston Advisors. Auch andere Fachleute rechnen mit einer überdurchschnittlichen Entwicklung von Technologieaktien. Unternehmen beginnen nach dem Wirtschaftsabschwung vor zwei Jahren wieder mehr in Technologie zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Analystin Kim Caughey Forrest von der Fondsgesellschaft Fort Pitt Capital erwartet steigende Aktienkurse wegen wachsender Nachfrage amerikanischer Firmen aus Schwellenländern wie China und auch aus verschuldeten europäischen Staaten. Die Analystin weist darauf hin, dass chinesische Banken angesichts der rapide wachsenden Mittelschicht im Land viel Geld für Produkte des Technologiekonzerns IBM ausgegeben haben, um dem Bedarf an Dienstleistungen gerecht zu werden.

          Schwankungsanfällig und risikoreich

          Zu den großen Themen in der Branche gehört das Cloud Computing, die Auslagerung von technologischen Dienstleistungen in externe Rechenzentren. Diese Entwicklung läuft allerdings schon mehrere Jahre, und Unternehmen haben nicht erst in diesem Jahr damit begonnen, verstärkt in Technologie zu investieren. Dennoch hat mit Ausnahme von Konzernen wie IBM, dem Softwarehersteller Microsoft oder dem Computerhersteller Apple, deren Aktienkurse schon im vergangenen Jahr prozentual zweistellig gestiegen waren, die Renaissance der Technologiewerte an der Börse erst jetzt begonnen. Nach Ansicht von Jack Ablin, der bei der Privatbank Harris die Anlagen verantwortet, ist das eine Folge des neu gewonnenen Risikoappetits von Investoren. „Investoren sind endlich bereit, ihre spekulativen Muskeln in einem Markt spielen zu lassen, der nicht wie im vergangenen Jahr auseinanderfällt“, sagt Ablin.

          Die durch die europäischen Staatsschuldenkrise und Sorgen um eine schleppende Konjunkturentwicklung bedingten starken Kursschwankungen im zweiten Halbjahr 2011 hatten Anleger in defensive Werte getrieben. Technologieaktien gelten als schwankungsanfällig und risikoreicher. Die Favoriten des vergangenen Jahres, konjunkturunabhängige Stromversorger oder Pharmaaktien, gehören in diesem Jahr zu den Schlusslichtern. Ein weiterer Grund für die Kurssprünge von Technologieaktien ist die sich aufhellende konjunkturelle Lage in Amerika, die unter anderem den Aktienkurs des größten Online-Einzelhändlers Amazon beflügelte.

          Neue Maßstäbe

          Die Kurse an der Nasdaq stiegen auch trotz eines nicht eindeutig positiven vierten Quartals für Technologiewerte. Der Aktienkurs von Microsoft legte in diesem Jahr schon um mehr als 13 Prozent zu, obwohl der Konzern unter dem schwachen Geschäft seines Betriebssystems Windows für Personalcomputer litt. Anleger teilen aber offenbar die Hoffnungen des Konzerns auf eine erfolgreiche Neuauflage dieses Produkts im Herbst. IBM erhöhte trotz rückläufigen Wachstums im Quartal die eigenen Prognosen für das laufende Jahr. Der Halbleiterkonzern Texas Instruments sprach von einem Aufschwung im Chipmarkt.

          Neue Maßstäbe hat Apple mit einem Quartalsnettogewinn von mehr als 13 Milliarden Dollar gesetzt, der aus der hohen Nachfrage nach dem Multimedia-Handy iPhone und dem Tabletcomputer iPad resultiert. Apple übertraf mit dem Gewinn den gesamten Quartalsumsatz des Internetunternehmens Google, das als einer der wenigen Technologiewerte die Erwartungen der Analysten enttäuschte und an der Börse dafür abgestraft wurde. Zu den Top-Aktien der Technologiebranche gehört auch das an der New Yorker Börse gehandelte Karriere-Netzwerk Linkedin, das vom Interesse der Anleger an sozialen Netzwerken profitierte.

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