https://www.faz.net/-gv6-14fcd

Hochtief Concessions und Scan Energy : Zwei große Börsengänge nach langer Flaute

  • -Aktualisiert am

Hochtief verdient an Flughäfen... Bild: ddp

Viele Anleger haben das Aktienjahr schon zu den Akten gelegt. Mit Hochtief Concessions und Scan Energy bemühen sich nun noch zwei Börsenneulinge um Kapital. Für den Baukonzern war der Start an der Börse jedoch enttäuschend.

          3 Min.

          Nach monatelanger Flaute wollen noch zwei Unternehmen in diesem Jahr den Markt für Börsengänge in Deutschland wiederbeleben. Anlässlich der für den 4. Dezember geplanten Erstnotiz an der Deutschen Börse in Frankfurt plant der Baukonzern Hochtief Aktien seiner Infrastruktursparte Hochtief Concessions für möglichst eine Milliarden Euro zu verkaufen. Das dänische Unternehmen Scan Energy strebt am 9. Dezember erstmals auf das Börsenparkett in Frankfurt.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Wind- und Solarstromerzeuger plant 17,5 Millionen Aktien ausschließlich aus einer Kapitalerhöhung zu verkaufen. Als Bruttoeinnahmen ist ein Ziel von 228 bis 280 Millionen Euro vorgegeben. Daraus lässt sich eine Preisspanne von 13 bis 16 Euro je Aktie ableiten. Die genaue Preisspanne, in der die Scan-Energy-Aktien vor dem Börsengang bis zum 7. Dezember gezeichnet werden können, wird aber in Reaktion auf die Gespräche mit Anlegern in den nächsten Tagen erst noch festgelegt. Die letzte große Aktienneuemission in Frankfurt war im Juni 2008 SMA Solar.

          Hochtief Concessions bei Einstieg Tagesverlierer

          Während Scan Energy seinen Börsengang wie üblich mit einer Pressekonferenz in Frankfurt vorbereitete, gab Hochtief über eine Ad-hoc-Mitteilung von Donnerstagabend hinaus kaum Informationen. Die heiße Phase für den Börsengang der Tochtergesellschaft begann für Hochtief denn auch enttäuschend. Am Freitag, dem ersten Tag der bis zum 3. Dezember geplanten Zeichnungsfrist für bis zu 39 Millionen Aktien von Concessions, gehörte die Aktie des Baukonzerns Hochtief mit Kurseinbußen von mehr als zwei Prozent im M-Dax zu den Tagesverlierern. Dabei gab es nach der Ankündigung der Preisspanne von 25 bis 29 Euro je Aktie (Europas größter Börsengang in diesem Jahr) aus dem Kreis der Analysten mehr Zustimmung zu den Börsenplänen als Kritik. Lediglich ein Vertreter der Bank Unicredit zeigte sich enttäuscht über den aus der Preisspanne ableitbaren Marktwert. Demnach verkauft Hochtief die Aktien von Concessions, gemessen am Nettoinventarwert (NAV) von 1,45 Milliarden Euro, mit einem Abschlag zwischen 6 und 23 Prozent.

          ...Scan Energy an Stromkunden
          ...Scan Energy an Stromkunden : Bild: dpa

          Peter Noé, der Vorstandsvorsitzende von HT Concessions, verwies auf ein deutlich über den allgemeinen Wirtschaftsperspektiven liegendes Wachstumspotential seiner Gesellschaft. Seit Hochtief vor 13 Jahren mit einer Beteiligung am Athener Flughafen in dieses Arbeitsfeld eingestiegen ist, wurden - teils durch Beteiligungen, teils durch Verträge - in Europa, Amerika und Australien mehr als 30 Projekte in Angriff genommen. Gegenwärtig analysiere das Unternehmen mehrere Flughafenprojekte und beteilige sich an 6 ausgeschriebenen Straßenprojekten mit rund 4 Milliarden Euro Gesamtvolumen.

          Aus der mit dem Börsengang verbundenen Kapitalerhöhung um 600 Millionen Euro werden Concessions Mittel zufließen, mit denen nach Angaben von Noé das Wachstum für vier Jahre finanziert werden kann. Hieraus sollen bis zu 25 Millionen Aktien für den Börsengang stammen. Aus dem eigenen Bestand will Hochtief bis zu 9 Millionen Aktien plazieren und 5 Millionen Stück als Zeichnungsreserve bereithalten. Hochtief will auf jeden Fall Mehrheitsaktionär bleiben.

          Börsengang bei Scan Energy eigentlich später geplant

          Die Eigentümer von Scan Energy dagegen werden, von einer kleinen Plazierungsreserve (Greenshoe) abgesehen, die nächsten zwölf Monate überhaupt keine Aktien verkaufen. Der gesamte Emissionserlös soll dem Unternehmen zufließen, das in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro Umsatz machen wird. Am unteren Ende der vermuteten Preisspanne wird das defizitäre und hochverschuldete, noch mindestens drei Jahre in der Investitionsphase befindliche Unternehmen mit 320 Millionen Euro bewertet. Analysten kommen je nach in der Zukunft prognostiziertem Schuldenstand auf einen Unternehmenswert vor der Kapitalerhöhung zwischen 400 und 500 Millionen Euro.

          Wie Unternehmensgründer Karsten Olsen am Freitag in Frankfurt zugab, war der Börsengang ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt geplant. Da aber Scan Energy eine Kreditvereinbarung nicht erfüllen konnte, beharrt die HSH Nordbank auf einer schnellen Rückzahlung des Kredites von 40 Millionen Euro mit Hilfe des Börsenerlöses. Die HSH Nordbank ist auch mit 7 Prozent der Aktien an Scan Energy beteiligt. Die 2003 gegründete Scan Energy kommt mit Windkraft- und Solarstromanlagen derzeit auf ein Bruttoproduktionsvolumen von 514 Megawatt, der Großteil des Stroms wird in Deutschland erzeugt. Der nach 25 Jahren Banktätigkeit im Juli zum Unternehmen gestoßene Henrik Frøsig soll erst im kommenden Jahr offiziell zum Finanzvorstand berufen werden.

          Weitere Themen

          Bauzinsen sinken wieder unter 1 Prozent

          Hausbau : Bauzinsen sinken wieder unter 1 Prozent

          Im ersten Halbjahr sah es so aus, als ob Baufinanzierungen in Deutschland tendenziell wieder etwas teurer werden. Doch die Entwicklung hat sich gedreht. Woran liegt das?

          Topmeldungen

          Lionel Messi war im Jahr 2000 nach Barcelona gekommen – nun verlässt er den Klub.

          Messi verlässt Spanien : Der große Knall

          Der argentinische Superstar verlässt den FC Barcelona, für den er mehr als zwei Jahrzehnte gespielt hat. In Spanien wird nun darüber spekuliert, wohin es Lionel Messi ziehen könnte.

          Waldbrände in der Türkei : Erdogan kennt die Schuldigen

          Die Türkei, sagt Staatspräsident Erdogan, kämpfe gegen die schlimmsten Waldbrände ihrer Geschichte. Kritik an seiner Regierung weist er zurück – und greift an.
          Der Impfschutz kann nach einigen Monaten nachlassen.

          Auffrischungsimpfungen : So wollen die Länder den Corona-Booster zünden

          Weil unklar ist, wie lange sich Geimpfte vor Corona in Sicherheit wiegen können, gibt es bald die dritte Spritze. Impfteams schwärmen wieder aus, die Arztpraxen übernehmen den Rest – doch wie genau soll die dritte Impf-Welle anrollen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.