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Hochtief : Aktiengebot von ACS reizlos für Hochtiefaktionäre

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Mit Kursgewinnen von bis zu zehn Prozent reagiert die Aktie des Baukonzerns Hochtief auf eine Ad-hoc-Meldung, nach welcher ACS die vollständige Übernahme plane. ACS steht jedoch sowohl operativ als auch finanziell deutlich schlechter da als Hochtief.

          Mit Kursgewinnen von bis zu 10,3 Prozent auf 62,22 Euro reagiert am Donnerstag die Aktie des deutschen Baukonzerns Hochtief auf inzwischen bestätigte Meldungen, nach welchen der spanische Infrastruktur- und Baukonzern Actividades de Construccion y Servicios, kurz ACS, die vollständige Übernahme plane, nachdem er bisher einen Anteil von knapp 30 Prozent hielt. Die spanische Börsenaufsicht hatte schon am Morgen die Papiere von ACS vom Handel ausgesetzt.

          Die spanische Zeitung ABC hatte berichtet, ACS wolle Hochtief komplett schlucken. In der Vergangenheit hatte es am Markt immer wieder Gerüchte gegeben, ACS wolle Hochtief komplett übernehmen. Das spanische Unternehmen teilte schließlich am Donnerstagvormittag in einer kurzen Eingabe an die Börsenaufsicht tatsächlich mit, acht eigene für je fünf Hochtief-Anteile zu bieten.

          ACS steht operativ und finanziell deutlich schlechter da...

          ACS hatte im vergangenen Jahr seinen Anteil an Hochtief durch ein Optionsgeschäft um 4,9 Prozent auf knapp 30 Prozent ausgebaut. Zu dem Zeitpunkt hatte ein Hochtief-Sprecher gesagt, ACS habe nach Ausübung des Calls versichert, keine Übernahme anzustreben. Der spanische Baukonzern war im Jahr 2007 groß bei Hochtief eingestiegen. ACS hatte damals für rund 1,3 Milliarden Euro das 25,08-Prozent-Paket der Münchener Beteiligungsgesellschaft Custodia des Milliardärs August von Finck übernommen

          Zur Finanzierung der Übernahme werde ACS eigene Aktien nutzen und neue ausgeben, berichteten spanische Zeitungung unter Berufung auf unterrichtete Personen aus dem Finanzmarkt schon am fürhen Morgen. Der Kurs der Hochtiefaktie fiel am Markt allerdings nach den ersten euphorischen Reaktionen wieder zurück auf unter 60 Euro. Nach der Veröffentlichung der offiziellen Angebots fiel der Hochtiefkurs noch einmal weiter zurück, schließlich liegt das Angebot für die Aktie auf Basis des ACS-Schlusskurses vom Mittwoch - und damit ohrn Berücksichtigung von möglichen Verwässerungseffekten - nur bei 55,7 Euro je Hochtief-Aktie.

          Der jüngste Kurs liegt zwar immer noch auf dem höchsten Stand seit Mai. Allerdings sind die Papiere auf diesem Niveau mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 18 und 16 auf Basis vergleichsweise optimistischer Gewinnprognosen schon etwas ambitioniert bewertet.

          ... als Hochtief, das bisher im Trend wachsen kann

          Im Unterschied zu ACS, das vor allem auf den derzeit schwachen spanischen Markt konzentriert ist und das aus diesem Grund in den vergangenen Jahren nur eine sehr volatile Seitwärtsbewegung bei Umsatz- und Gewinnentwicklung aufrecht erhalten konnte, zeigen bei Hochtief beide Kurven im längerfristigen Trend nach oben.

          Das lässt sich darauf zurückführen, dass die Aktivitäten des deutschen Unternehmens international breit diversifiziert sind. Auf diese Weise kann es schwache Phasen im amerikanischen und europäischen Geschäft durch starkes Wachstum in Asien und - über die Tochter Leighton - in Australien mehr als ausgleichen. In diesem Sinne ergäbe die Übernahme von Hochtief durch ACS zumindest aus Sicht des spanischen Unternehmens einen gewissen strategischen Sinn.

          Aus Sicht der Hochtief-Aktionäre sieht das jedoch anders aus. Denn bei ACS ist nicht nur die operative Entwicklung im Sinne Wachstums- und Ertragsmöglichkeiten kritisch, sondern das spanische Unternehmen schüttet regelmäßig hohe Dividenden aus, obwohl es stark verschuldet ist. Die Gesamtverbindlichkeiten liegen nach Bloomberginformationen bei elf Milliarden Euro, bei einer Marktkapitalisierung, die knapp darunter liegt und bei einem Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital von 330 Prozent.

          In diesem Sinne ist fraglich, ob sich Hochtiefaktionäre mit ACS-Aktien im gebotenen Tauschverhnältnis zufrieden geben werden. Andererseits ist offen, ob ACS eine Bargeldofferte von mehr als vier Milliarden Euro finanzieren könnte, zumal es in den kommenden beiden Jahren ohnehin einen Refinanzierungsbedarf in Höhe von 5,7 Milliarden Euro hat. So gesehen dürfte ACS entweder eine deutlich interessantere Tauschquote oder einen hohen Baranteil bieten müssen, um Hochtiefaktionäre interessieren zu können.

          ACS kann kaum Bargeld mobilisieren

          Tatsächlich hätte der Deal in vorgeschlagener Form viel Charme für ACS-Aktionäre, während für Hochtiefaktionäre kaum Vorteile ersichtlich seien, erklärt Franz Isselstein von der Radios AG in London. ACS könnte seine Bilanzrelationen verbessern, seinen hohen Verschuldungsgrad reduzieren und seinen Spielraum für die Optimierung der Vermögensstruktur auch nach der Veräußerung der Abertisanteile erweitern. Zudem würde die Abhängigkeit vom inländischen Konzessionsgeschäft reduziert. Das wurde während des spanischen Immobilienbooms von den Kredit gebenden Banken als sicher betrachtet und machte erst die hohe Verschuldung möglich. Nachdem der Boom zur Krise geworden sei, gestalte sich die Zukunft von ACS schwieriger und solle nun durch Akquisitionen (Hochtief habe kaum Schulden) angegangen werden, erklärt er weiter.

          Für Hochtiefaktionäre dagegen liege das Angebot unter dem aktuellen Kurs, während die ACS-Aktie wegen der großen Abhängigkeit vom spanischen Binnenmarkt problematisch sei. Im Fazit sei eine Verbesserung des Angebots zwar wahrscheinlich, allerdings werde ACS kaum Cash in nennenswertem Umfang mobilisieren können, da die Bilanz verbessert werden müsse.

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