https://www.faz.net/-gv6-6yr41

Hochtief : Aktie derzeit wenig verlockend

Hochtief baut im Meer - Erfolgsaussichten mit Fragezeichen Bild: dpa

Hochtief-Aktionär zu sein, macht schon längere Zeit keinen Spaß mehr. Am Dienstag lassen Spekulationen um eine abermalige Gewinnwarnung der Tochter Leighton den Kurs abrutschen.

          Hochtief-Aktionäre müssen derzeit hart im Nehmen sein. Erst scheiterte 2011 der Börsengang der Hochtief Concessions und später gab es einen unerfreulichen Übernahmestreit mit dem spanischen Großaktionär ACS.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem aber macht die einstige australische Vorzeige-Tochter Leighton Kummer. Deren Abschreibungen sorgten im Vorjahr für einen Konzernverlust von rund 160 Millionen Euro, der damit deutlich höher ausfiel als noch bei einer Gewinnwarnung im vergangenen November prognostiziert worden war. Dabei brach allein das Ergebnis vor Steuern bei Leighton von 513 Millionen Gewinn auf 285 Millionen Euro Verlust ein.

          Enttäuschte Besserungshoffnung

          Immerhin hieß es dann aus Essen, das sei der Schlussstrich unter ein verkorkstes Jahr. Alle -Bereiche hätten sich im vierten Quartal operativ stark entwickelt und die Auftragseingänge seien prima. Leighton habe eine Reihe von Aufträgen gewonnen und 2012 werde auch Hochtief wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Nun ja, das operative Ergebnis werde etwas niedriger ausfallen als im Rekordjahr 2010.

          Aber mit den drei Wachstumsschwerpunkten Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie der Gestaltung von Metropolen werde man an frühere Erfolge anknüpfen. Die Zusammenarbeit zwischen den Konzerngesellschaften Leighton, der amerikanischen Turner und der Hochtief Europe funktioniere erheblich besser.

          Doch wer dachte, dass das Schlimmste vorüber sei, sieht sich am Dienstag getäuscht und muss zusehen, wie der Aktienkurs einmal mehr abstürzt, diesmal um mehr als 6 Prozent. Grund ist wieder einmal Leighton. Die Aktie der Tochtergesellschaft wurde in Australien vom Handel ausgesetzt. Es werde derzeit geprüft, welche Auswirkungen die aktuellen Zahlen zum ersten Quartal 2012 auf die aktuelle Prognose hätten, teilte das Unternehmen mit. Das Einzige, was Börsianer herauslesen könne, ist eine abermalige Gewinnwarnung. Und alle wüssten, was zur Gewinnwarnung im vergangenen Jahr passiert sei, so ein Händler. Damals war der Kurs von Leighton um 11 Prozent gefallen.

          DZ Bank hoffnungsvoll

          Die Marktteilnehmer sollen am Donnerstag über Änderungen der Prognose von Leighton informiert werden. Details nannte Leighton noch nicht, erklärte aber, dass die Überprüfung auch mit dem Projekt der Straßenanbindung des Flughafens Brisbane zu tun habe, das ein Volumen von 4,1 Milliarden australischen Dollar (rund 3,2 Milliarden Euro) habe. Unter anderem dieses Projekt hatte dem Baukonzern schon vor einem Jahr die Geschäftszahlen verhagelt.

          „Eine negative Überraschung, denn eine Anhebung der Prognose ist reichlich unwahrscheinlich“, sagt DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck. Interessanterweise habe aber der neue Leighton-Vorstandschef Hamish Tyrwhitt zuletzt betont, dass 93 bis 95 Prozent des Projekts in Brisbane fertiggestellt seien und sich die Auswirkungen auf die Bilanz daher in Grenzen halten würden. Allerdings gebe es wohl auch Verzögerungen und steigende Kosten bei der Victorian Desalination Plant, einer Entsalzungsanlage in Melbourne.

          Es könne aber auch sein, dass Leighton sehr vorsichtig geworden sei, nachdem das Unternehmen erst vor zwei Wochen eine Strafe wegen eines Verstoßes gegen Veröffentlichungspflichten bei der ersten Gewinnwarnung bekommen habe. Wahrscheinlich sei eine Kombination aus beiden Erklärungsversuchen, was wohl zu einer lediglich geringfügigen Veränderung der gegenwärtigen Prognose in einer Bandbreite von 25 bis 50 Millionen australischen Dollar führen werde. Hochtief selbst will die Handelsaussetzung nicht kommentieren.

          Sorgen um die Windkraft

          Nach den negativen Erfahrungen der vergangenen Monate sind die Anleger bei Hochtief auch vorsichtig geworden. Zudem gibt es weitere Schwachpunkte im Konzern. Im Energiegeschäft steht der Ausbau der Offshore-Windfarmen in Europa und der Stromnetze im Vordergrund. Mit dem Finanzinvestor Ventizz sollen bis zu sechs Windparks bis zur Baureife entwickelt und dann verkauft werden.

          Doch um die Energiewende in Richtung Hohe See ist es derzeit schlecht bestellt. Mit diesem Ausbau hakt es derzeit gewaltig. Die für den Anschluss an das Stromnetz an Land zuständige Gesellschaft Tennet hat zu wenig Geld. Aber selbst der Verkauf von Windparks mit garantiertem Netzanschluss stößt auf weniger Investoreninteresse als gedacht. Der Zulieferer SIAG Schaaf ging trotz Aufträgen pleite, weil sich das Geschäft weiter verzögerte. Das Windkraftunternehmen Bard will im Sommer die Fertigung von Rotorblättern für Windturbinen in Emden einstellen, weil nach dem ersten kommerziellen Windpark ein Anschlussprojekt fehlt. Das spricht nicht für ein boomendes Geschäft.

          Nicht unbedingt billig

          Nicht so erfolgreich wie gedacht war und ist auch das Flughafengeschäft. Die öffentlichen Miteigentümer waren nicht so kooperativ wie gedacht, das reduziert die Attraktivität des Geschäfts, zudem ist in Sydney und Budapest die wirtschaftliche Lage der Heimatfluggesellschaften schlecht, die gesamtwirtschaftliche Lage dämpft die Begeisterung für Athen. Es gibt Berichte, wonach die Verkaufsverhandlungen mit der französischen Vinci und der chinesischen HNA so gut wie gescheitert seien. Auch der Verkauf der Immobilien-Tochter Aurelis verläuft nicht glatt. Geplante Investitionen beispielsweise in Offshore-Windkraftprojekte müssten daher fremdfinanziert werden. Das stellt zwar wohl kein Problem dar, wirkt sich aber nachteilig auf die Verschuldung aus.

          Ob daher der Kursrücksetzer bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 13 für das laufende und mehr als 11 für das kommende Jahr die Hochtief-Aktie selbst bei einer nur minimalen Prognoseanpassung durch Leighton eine Kaufgelegenheit darstellt, ist zumindest fraglich.
          Zudem hat sich dadurch der Abwärtstrend vertieft, der Ende Februar im Umfeld der Veröffentlichung des Geschäftsberichts eingesetzt hatte. Derzeit droht der Kurs noch weiter in Richtung der Marke von 40 Euro abzurutschen.

          Weitere Themen

          Wie Facebook für Libra werben will

          Geplante Digitalwährung : Wie Facebook für Libra werben will

          Facebook plant mit Libra eine Digitalwährung, die das Bezahlen revolutionieren soll. Die Kritik daran ist groß – besonders in Washington. Nun will der Konzern seinen Skeptikern entgegenkommen. Und zugleich eine Warnung aussprechen.

          Topmeldungen

          Lichtverschmutzung : Der helle Wahnsinn

          Die Nacht verschwindet und mit ihr zahlreiche Tierarten. Dabei wäre es so einfach, das Licht in den Städten zu dimmen, ohne auf Sicherheit zu verzichten. Wie der Wandel gelingen kann, führt die Sternenstadt Fulda vor.

          FAZ Plus Artikel: AKK im Kabinett : Auf dem Marsch ins Kanzleramt

          Wer wie Annegret Kramp-Karrenbauer Regierungschefin werden will, darf sich vor dem Verteidigungsministerium nicht fürchten. Auch in der Politik gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

          Shitstorm des Tages : Ein „Aufstand der Generäle“ als Rohrkrepierer

          Uwe Junge ist rhetorisch kampferprobt. Gegen die neue Verteidigungsministerin fährt der AfD-Politiker und ehemalige Stabsoffizier ganz großes Geschütz auf. Doch der Schuss geht nach hinten los. Übrig bleibt geistiges Brandstiftertum.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.