https://www.faz.net/-gv6-77ao5

Hochfrequenzhandel : Mit gebremstem Schaum

  • Aktualisiert am

Der Bundestag hat Regelungen zur Beschränkung des Hochfrequenzhandels gebilligt. Entgegen Forderungen der Opposition ist jedoch keine Mindesthaltedauer vorgesehen.

          2 Min.

          Mit dem Gesetz soll den besonderen Risiken des allein auf Computer gestützten Hochfrequenzhandels an den deutschen Börsen entgegengewirkt werden. Nach den Plänen, mit denen Berlin einer EU-Regelung vorgreift, sollen die Hochfrequenzhändler unter die Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fallen, und es sollen strengere Anforderungen an den Hochfrequenzhandel gestellt werden.

          Mit dem computergestützten Hochfrequenzhandel nutzen Investmentgesellschaften und Hedgefonds Kursunterschiede von Wertpapieren an verschiedenen Börsenplätzen in Sekundenbruchteilen. Nach einer kontroversen Debatte beschloss der Bundestag den Gesetzentwurf mit den Stimmen der Koalition und gegen diejenigen der Opposition und lehnte einen Antrag der SPD ab, der für Orders eine Haltedauer von mindestens 500 Millisekunden forderte.

          Nur die Monitore gewechselt?

          Der Bundesrat kann das Gesetz aber noch blockieren und wird sich voraussichtlich am 22. März damit befassen.Mit ihrer Mehrheit könnten SPD und Grüne den Vermittlungsausschuss anrufen und das Gesetz bis zur Bundestagswahl verzögern.

          Der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling bekräftigte die Kritik der SPD in der Debatte. „Sie fassen nicht die Computer an, sie wechseln die Monitore aus“, sagte er. „Sie wollen den Handel gar nicht durchgreifend beschränken.“

          Störungen verboten

          Die in dem Marktsegment tätigen Wertpapierhändler und Fondsgesellschaften müssen nach dem Plan ihre Handelssysteme so ausgestalten, dass Störungen des Marktes unterbleiben. Nicht auf einen Geschäftsabschluss gerichtete Handelsaktivitäten sollen als Marktmanipulation bestraft werden können.

          Geplant ist auch Börsenbetreibern die Möglichkeit zu geben, von Handelsteilnehmern für die exzessive Nutzung der Systeme eine Gebühr zu verlangen. Auch darf das Verhältnis von Orderanfragen zu Abschlüssen nicht zu weit auseinanderklaffen, und eine Mindestpreisunterschied soll dem Trend zu immer mehr Abschlüssen entgegenwirken.

          „Die Frösche sollen den Sumpf trockenlegen“

          Die genauen Regelungen dazu sollen die Börsen aber selbst festlegen können, was die Opposition heftig kritisiert. „Sind wir denn verrückt, dass der Gesetzgeber die Frösche fragt, wenn der Sumpf trocken gelegt werden soll?“, fragte der finanzpolitische Sprecher der SPD, Lothar Binding. Redner der Koalition verteidigten hingegen die Pläne und warfen der Opposition Verweigerung vor. „Sie beschränken sich aufs Nölen und Rumkritteln“, kritisierte der CDU-Finanzexperte Ralph Brinkhaus.

          Die Bundesregierung schreibt dem Hochfrequenzhandel mögliche verstärkende Wirkungen in der Schuldenkrise zu. Er soll auch zu dem drastischen Kurssturz an der New Yorker Börse am 6. Mai 2010 beigetragen haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abgeordnete im Deutschen Bundestag

          Corona-Kompetenzen : Die Gesetze macht immer noch der Gesetzgeber

          Beim Streit über die Kompetenzen des Bundestages geht es um mehr als nur um Formalitäten. Die Debatte ist auch eine Abrechnung mit der Art, wie die Corona-Politik bisher zustande gekommen ist.
          Schönau am Königssee: Alle Touristen mussten den Landkreis Berchtesgadener Land bis zum Beginn des Lockdowns verlassen. (Archivbild)

          Lockdown am Königssee : Jetzt ist auch für den Tourismus Schluss

          2500 Gäste mussten bis 14 Uhr den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Bergbahnen und Ausflugsschiffe stehen still. Bei den Einheimischen macht sich Wut breit – über all jene, die den Lockdown durch ihr sorgloses Verhalten provoziert haben.
          Ein Kühlschrank mit kostenlosen Lebensmitteln im Stadtteil Brooklyn.

          Lebensmittelversorgung : Von New Yorkern für New Yorker

          In New York stehen auf den Bürgersteigen Kühlschränke mit kostenlosen Lebensmitteln. In Zeiten der Corona-Krise ist die Nachfrage danach immens. Das Konzept ist unkomplizierter als die Tafeln.
          Netflix: Keine besonders guten Zahlen für die Kalfornier

          Weniger Neukunden als erwartet : Corona-Kater für Netflix

          Netflix hat zwar weiter Neukunden während der Corona-Krise gewinnen können, doch die eigene Prognose wurde verfehlt. Auch für die Zukunft plant das kalifornische Unternehmen vorsichtig. Die Aktie sank.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.