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Hintergrund : Welche Branchen im Aufschwung am stärksten steigen

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Die österreichische RZB-Bank hat untersucht, wie die einzelnen Branchen auf einen Aufschwung reagieren. Am besten schneidet dabei der Software-Sektor ab. Doch die Studie beinhaltet auch überraschendere Ergebnisse.

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          Wie die steigenden Aktienkurse signalisieren, wird an den Börsen der konjunkturelle Aufschwung gespielt. Aus Sicht der Anleger stellt sich da natürlich die Frage, welche Branchen in Zeiten eines Konjunkturaufschwungs die besten Ertragsaussichten und damit auch die vermeintlich besten Kurschancen haben.

          In einer zu diesem Thema durchgeführten Studie versuchen die Analysten der Raiffeisen Zentralbank darauf eine Antwort zu finden. Als Grundlage für die Beobachtung der einen Aufschwung begleitenden Kursreaktionen wurde als konjunktureller Indikator der ISM-Index verwendet. Dabei werden jeden Monat in Amerika 300 Einkaufsmanager der Fertigwarenindustrie zu Punkten wie der Entwicklung der Auftragslage, Beschäftigung und Einkaufspreisen befragt.

          Nach gängiger Lehre bedeutet dabei ein ISM-Index über 50 ein Expandieren der Industrie, ein Pendeln zwischen 45 und 50 ein Rückgang des Wachstums und ein Fall unter 45 eine Rezession. Als erstes wurde in der Studie nun untersucht, welche Branchen weltweit betrachtet am stärksten profitieren, wenn der ISM-Index von unter 50 auf über 50 steigt und anschließend in Richtung 60 läuft. Das ist aktuell deshalb interessant, weil der Index die Marke von 50 zuletzt im August überschritt.

          Teilweise überraschende Ergebnisse

          Zu den Branchen, die in diesen Phasen gut abscheiden, gehören wie zu erwarten war jene Branchen, die einen hohen Beta-Faktoren aufweisen und somit auf Bewegungen am Gesamtmarkt mit überproportionalen Kursausschlägen reagieren. Dazu zählen die Sektoren Hardware, Finanzdienstleister, Elektronik, Software. Ergänzt wird diese Rangfolge durch den Bereich Telekom, der sich unter Risiko-/Ertragsaspekten sogar am vorteilhaftesten darstellt, wobei diese Branche beim Beta-Faktor zuletzt aber etwas zurückgefallen ist.

          Erstaunlich ist dabei, daß sich zyklische und Hoch-Beta-Branchen erst nach sechs Monaten nach dem Anstieg des ISM-Index durchsetzen. Überraschend ist darüber hinaus, daß auch einige Branchen, wie die Sektoren Öl und Gas, Versorger, Tabak und Bergbau, also Branchen mit einem Beta von unter eins, gut abschneiden. Auffallend ist laut Analyst Thomas Wehinger auch, daß sich am unteren Ende der Rangliste nicht nur die defensiven, sondern auch einige zyklische Werte finden. Am wenigsten profitierten letztlich Luftfahrt, Dienstleistungen und Versicherungen.

          Hardware-Sektor historisch gesehen in einer günstigen Lage

          Noch konkreter auf die aktuelle Lage umgemünzt sind die Ergebnisse bei Berechnung der Branchen-Performance in einem Zeitraum von sechs und zwölf Monaten, nachdem der ISM-Index die Marke von 50 übersprungen hat. Bestätigen sich die auf Basis historischer Daten durchgeführten Berechnungen, dann beziffert die RZB das Aufwärtspotenzial für die fünf besten Branchen wie folgt:

          Hardware plus 14,94 Prozent (hier sind die bekanntesten Vertreter Intel und Infineon), Telekom plus 13,31 Prozent (Deutsche Telekom, Vodafone), Finanzdienstleister plus 12,21 Prozent (Deutsche Börse, Fannie Mae), Elektronik plus 11,65 Prozent (Siemens, Epcos) und Software plus 10,81 Prozent (Microsoft, SAP).

          Den fünf Schlußlichtern der Auswertung drohen sogar leichte Verluste. So verlor der Sektor Forst und Papier in diesen Phasen im Schnitt 0,18 Prozent ((International Paper, Weyershaeuser), Tabak 0,89 Prozent (Altria, BAT), Gesundheitswesen 1,26 Prozent (Baxter, Fresenius), Luftfahrt/Verteidigung 1,48 Prozent (Boeing, Honeywell) und Stromversorger 2,11 Prozent (Eon, Duke Energy).

          Bei allem aufschlußreichen Material das die Studie beinhaltet, weisen die RZB-Analysten aber gleichzeitig darauf hin, daß sich nicht zuletzt wegen dem unterschiedlichen Verlauf von Aufschwungsphasen historische Daten nur bedingt in die Zukunft extrapolieren lassen.

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