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Hintergrund : Das Bruttoinlandsprodukt: Was steckt dahinter?

  • -Aktualisiert am

Das BIP - wichtigste Zahl zur Produktion Bild: dpa

Im Gegensatz zum Euroland weisen die USA das Quartalswachstum des BIP „annualisiert“ aus. Karsten von Blumenthal vom Dit erklärt den Unterschied.

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          Am Mittwoch veröffentlichte das amerikanische Bureau of Economic Analysis (BEA) die erste Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal. Mit real 1,1 Prozent fiel es deutlich geringer aus als das jetzt erneut von 6,1 auf 5,0 Prozent revidierte Wachstum aus dem ersten Quartal.

          Was aber steckt hinter dem Bruttoinlandsprodukt? Wie wird es berechnet und wie steht es um die Vergleichbarkeit des BIP-Wachstums in den USA und in Europa?

          Zahl der Zahlen

          Für die Ökonomen ist das Bruttoinlandsprodukt die Zahl der Zahlen: Sie ist das umfassendste Aggregat zur Darstellung der wirtschaftlichen Leistung einer Volkswirtschaft - nicht umsonst reagieren die Finanzmärkte auch auf diesen Konjunkturindikator. Das BIP ist die Summe aller in einem Quartal im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen, die für den Endverbrauch bestimmt sind. Für die Analyse der kürzerfristigen Entwicklung bietet sich ein Vergleich des aktuellen Quartalswertes mit dem des Vorquartals an (q/q). Das daraus errechnete Quartalswachstum zeigt an, ob die wirtschaftliche Aktivität gestiegen oder geschrumpft ist.

          Ein Vergleich mit dem Vorjahresquartal (j/j) bietet eine etwas längerfristige Perspektive (vgl. Schaubild 1 unten). Für die Analyse sehr langer Zeiträume wird das Wirtschaftswachstum auf Jahresbasis betrachtet. Dazu wird aus den Quartalsdaten des Jahres der Durchschnittswert gebildet. Auf diese Weise kann das jährliche Wachstum verglichen werden.

          Amerikanische und europäische Sichtweisen

          Die Betrachtung der Wachstumszahlen aus den USA und Euroland stiftet im ersten Moment Verwirrung: Im ersten Quartal 2002 betrug das US-Wachstum (vor der jüngsten Revision) 6,1 Prozent, in Euroland nur 0,2 Prozent. Grund dafür sind die unterschiedlichen Berechnungsweisen. Im Gegensatz zum Euroland weisen die Vereinigten Staaten das Quartalswachstum „annualisiert“ aus. Das heißt, das Wachstum wird auf Jahresrate hochgerechnet; es wird so getan, als ob es sich um das Jahreswachstum handelt und nicht um das Quartalswachstum.

          So ergibt sich für das „reine“ US-Wachstum im ersten Quartal (vor der jüngsten Revision) eine Rate von 1,5 Prozent, wohingegen das BIP in Euroland annualisiert mit 0,9 Prozent wuchs. Wer also die aus den USA und dem Euroland kommenden Daten vergleicht, ohne dies im Hinterkopf zu haben, vergleicht Äpfel mit Birnen. Das unten stehende zweite Schaubild verdeutlicht den Unterschied zwischen „reiner“ und annualisierter Wachstumsrate.

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