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Trotz schlechter Zahlen : Twitter-Desaster kein Fanal für Tech-Aktien

Starke Schwankungen: Seit Twitter an der Börse ist geht es mit dem Kurs auf und ab. Bild: dpa

Nachdem die Quartalszahlen öffentlich wurden, ging es mit dem Twitter-Kurs bergab. Die Anleger können sich nicht vorstellen, wie das Unternehmen Gewinn erwirtschaften will – dabei ist es selbst dem Branchen-Primus Facebook am Anfang so ergangen.

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          Ausgerechnet eine Nachricht im sozialen Netzwerk Twitter löste am Dienstagabend einen Kurssturz für die Aktie des noch jungen Unternehmens aus. Um 15.07 Uhr und genau 57 Sekunden Ortszeit twitterte der auf finanzielle Analysten spezialisierte Konzern Selerity die enttäuschenden Quartalsergebnisse von Twitter. Diese werden sonst erst nach Börsenschluss veröffentlicht, um Investoren Zeit für die Bewertung der Zahlen zu geben.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Durch einen Suchalgorithmus stieß Selerity aber schon eine Stunde, bevor die Quartalszahlen veröffentlicht werden sollten, auf die enttäuschenden Ergebnisse und stellte sie ins Internet. Für Twitter war es ein Desaster. Genau 6 Sekunden später, um 15.08 Uhr und 3 Sekunden, fing der Aktienkurs des sozialen Netzwerkes an zu fallen wie ein Stein. Am Tagesende stand für Twitter ein Minus von 18 Prozent, teilweise waren es sogar bis zu 22 Prozent. Das Papier ging dann mit 42,27 Dollar aus dem Handel, am Mittwoch notierte es nur noch knapp über 40 Dollar.

          Doch auch andere Technologiekonzerne wie Facebook waren Kummer gewohnt. Nach dem Gang aufs Parkett im Mai 2012 gab der Kurs der Aktie in den nächsten Monaten um bis zu 50 Prozent nach – er fiel von 38 auf 17 Dollar. Nun notiert er wieder bei 81 Dollar. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Ausgabekurs. Das zeigt: Hohe Kurssprünge und schnelle Einbrüche sind bei neuen Technologieaktien nicht ungewöhnlich.

          Wie will Twitter Geld verdienen?

          Das hängt vor allem mit dem Geschäftsmodell der jungen Unternehmen zusammen. Oftmals machen sie noch keinen Gewinn und befinden sich in einer Phase starken Wachstums. Da braucht es viel Vorstellungskraft, um sich die Gewinnphase vorzustellen. Werden dann die Erwartungen enttäuscht, verkaufen die Investoren nahezu in Panik.

          Als Facebook kein überzeugendes Werbekonzept vorlegen konnte, verließen die Investoren den Konzern in Scharen. Erst als Zahlen zeigten, wie die mobile Werbung geradezu explodierte, legte die Aktie wieder stark zu. Twitter hat ein ähnliches Problem wie Facebook damals: Es konnte noch nicht überzeugend darlegen, wie es demnächst Geld verdienen möchte. Gleichzeitig enttäuschten die Nutzerzahlen.

          Facebook hat sich mittlerweile zu einem Liebling der Börse gemausert. Von 54 von der Finanzagentur Bloomberg verzeichneten Analysten empfehlen 46, das Papier zu kaufen, 7 zu halten und nur einer zu verkaufen. Den Zielkurs innerhalb der nächsten 12 Monate sehen die Analysten bei 96,51 Dollar – gute Zeiten scheinen also bevorzustehen. Und selbst bei Twitter sind die Analysten nicht so negativ, wie man auf den ersten Blick meinen könnte: Von 42 Analysten empfehlen 16 zu kaufen, 24 zu halten und nur 2 zu verkaufen. Der Konsens-Zielkurs liegt bei 48,50 Dollar, was einem Anstieg von 20 Prozent entspräche.

          Verluste werden von Anlegern toleriert

          Doch die Investoren handeln nicht immer rational, selbst wenn die Zahlen gut ausfallen. Der Aktienkurs von Apple etwa verlor etwas, obwohl die Quartalszahlen positiv überraschten. Freilich hat die Aktie seit Jahresbeginn schon fast 20 Prozent gewonnen, und der Kurs bewegt sich in der Nähe seines Rekordstandes. Der Online-Händler Amazon konnte sich dagegen über einen Kurssprung freuen, obwohl er zum wiederholten Mal einen Verlust ausgewiesen hat.

          Wellengang: Besonders die Twitter-Aktien verlieren und gewinnen häufig drastisch an Wert.
          Wellengang: Besonders die Twitter-Aktien verlieren und gewinnen häufig drastisch an Wert. : Bild: F.A.Z.

          Die Börse hat Amazon auch in der Vergangenheit niedrige Gewinne oder Verluste oft durchgehen lassen. Amazon hatte außerdem auch positive Nachrichten. Der Konzern wies erstmals separate Zahlen für seine auf Cloud Computing spezialisierte Sparte Amazon Web Services aus, die sich als profitabler herausstellte als erwartet.

          Auch Google schnitt mit seinen Zahlen etwas schwächer als erhofft ab, dennoch legte der Aktienkurs zu. Ebay wurde trotz Schwächen in seinem Kerngeschäft als Internetmarktplatz ebenfalls mit Kursgewinnen belohnt. Offenbar konzentrierten sich die Finanzmärkte mehr auf die gute Entwicklung der Bezahlsparte Paypal, die in diesem Jahr vom Rest des Konzerns abgespalten werden soll. Die gesamte Entwicklung des Marktes zeigt, dass Technologieaktien derzeit hoch im Kurs stehen. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq erreichte in der vergangenen Woche einen neuen Rekordstand und knackte damit die alte Höchstmarke aus der Zeit der Interneteuphorie im Jahr 2000.

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