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Heidelberger Druck : Kapitalerhöhung dürfte Aktienkurs belasten

Heidelberger: Zu viel Stillstand Bild: dpa

Der angeschlagene Druckmaschinenbauer Heidelberger plant eine massive Kapitalerhöhung. Das dürfte den jüngst erst deutlich gestiegenen Kurs neuerlich stark belasten. Weiter heißt es Warten auf die Stabilisierung.

          Das vergangene Jahrzehnt war für Heidelberger Druck nicht einfach. Nach dem Umsatzrekord des Geschäftsjahres 2000/2001 ging es bergab und noch bevor es so recht zu einer Stabilisierung kommen konnte, drückte die Finanzkrise diesen im Geschäftsjahr 2009/2010 unter das 13 Jahre zuvor erreichte Niveau.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf der Gewinnseite lief es nur wenig besser. Nach dem Einbruch im Anschluss an das Platzen der Technologieblase konnte das Unternehmen die Erträge zur Mitte des Jahrzehnts zwar stabilisieren. Aber selbst vom außergewöhnlichen Jahr 1996/1997 abgesehen wurde das Margenniveau der Neunziger Jahre nicht mehr erreicht.

          Hoffen auf die Stabilisierung

          Jetzt hofft Heidelberger Druck auf eine neuerliche Stabilisierung. Zwar ging der Auftragseingang in dem im März abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 um rund 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zurück, doch hatte sich in der zweiten Geschäftsjahreshälfte eine Erholung abgezeichnet, als das Bestellvolumen rund 19 Prozent höher ausfiel als im ersten Halbjahr.

          Für das laufende Geschäftsjahr 2010/11 rechnet das Unternehmen wieder mit einem moderaten Umsatzwachstum, ebenso für das Folgejahr 2011/12. Mittelfristig erwartet das Unternehmen wieder Umsätze von mehr als 3 Milliarden Euro wie zuletzt noch im Geschäftsjahr 2007/2008.

          Im laufenden Geschäftsjahr strebt Heidelberg ein ausgeglichenes operatives Ergebnis an, vorausgesetzt die Konjunkturentwicklung bleibt stabil. Die betriebliche Marge soll mittelfristig auf mehr als 5 Prozent und die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) auf rund 15 Prozent steigen.

          Massiver Verschuldungsanstieg

          Allerdings würden die anhaltend hohen Finanzierungskosten das Finanzergebnis weiter stark belasten und so erwartet Heidelberger auch im laufenden Geschäftsjahr nochmals einen deutlichen Jahresfehlbetrag.

          Die Finanzen des Unternehmens sind in der jüngsten Krise stark strapaziert worden. In den neunziger Jahren verfügte das Unternehmen zum teil noch über Nettoliquidität und konnte selbst in der damaligen Krise die Hebelung der Bilanz als Verhältnis von Nettoschulden und operativem Gewinn unter 2 und damit gering halten. Doch in der jüngsten Krise rutschte einerseits der operative Gewinn drastisch zusammen, derweil die Nettoschulden um mehr als die Hälfte stiegen. Im Geschäftsjahr 2008/2009 erreichte der Hebel fast 10, im vergangenen Jahr standen operativ Verluste zu Buche.

          Massive Kapitalerhöhung

          Luft soll nun eine Kapitalerhöhung bringen, aus deren Erlös Schulden abgebaut werden sollen. Insgesamt soll diese mit Bezugsrecht der bestehenden Aktionäre einen Bruttoerlös von rund 420 Millionen Euro bringen. Geplant ist die Ausgabe von bis zu 156 Millionen neuen Stückaktien, was die Zahl der Aktien auf das Dreifache erhöhen würde. Ein Problem wird es wohl nicht geben: Die Großaktionäre Allianz und RWE unterstützten das Vorhaben, so Heidelberger.

          Allerdings verzeichnet die Aktie, deren Kurs seit März erst um zwei Drittel gestiegen war, Kursabschläge von mehr als 7 Prozent. Angesichts des Umfangs der Kapitalerhöhung überrascht das nicht. Zumal die Kapitalerhöhung möglicherweise nicht die letzte Spritze darstellt. Denn die Kapitalerhöhung soll Heidelberger in die Lage versetzen, die Anforderungen an ein Investment Grade zu erfüllen. Künftig könnten also Anleihenemissionen folgen.

          Weniger ursächlich dürfte der neuerliche Ausfall der Dividende sein. Eine Zahlung konnte niemand ernsthaft erwartet haben. Und trotz aller verkündeter Sparerfolge will der Konzern weitere Einsparungen vornehmen, was zeigt, dass jetzt keinesfalls die Erholung mit Verve kommt.

          Primus einer leidenden Branche

          Im Grunde leidet der Konzern unter den Verschiebungen in der Medienlandschaft und der Abnahme der Bedeutung von Druckerzeugnissen. Doch während sich Zeitungen an Apples iPad als Hoffnungsträger klammern können und die Werbewirtschaft sich mehr um die Online-Welt bemüht, fehlt es einem Druckmaschinenbauer an Ausweichmöglichkeiten.

          Positiv ist sicherlich, dass nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Bernhard Schreier der Konzern seine führende Marktstellung hat in der Krise ausbauen können. Wenn dem so ist, so könnte die Aktie nach erfolgreicher Stabilisierung durchaus interessant werden. Allerdings nicht jetzt, wo eine massive Kapitalerhöhung ihren Kurs zunächst einmal verwässern dürfte und Analysten erst im Geschäftsjahr 2012/2013 wieder mit Gewinnen rechnen.

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