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Hausse : Sind die Erneuerbaren jetzt ein Kauf?

Erneuerbare Energien: Strom aus Wind und Sonne Bild: Getty Images

Solar- und Windaktien haben zuletzt eine Hausse erlebt. Börsianer schließen nun Korrekturen nicht aus. Doch es gibt auch Kursphantasie.

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          Im vergangenen Jahr schien die Welt der erneuerbaren Energien für Investoren gerade zusammenzubrechen. Damals hieß es in der Branche halb deprimiert, halb entschuldigend: „Die Anleger müssen derzeit starke Nerven haben.“ Leicht gesagt in einem Umfeld, wo Branchenindizes wie der Rennix abermals rund ein Drittel an Wert verloren, nachdem sie schon 2011 um mehr als die Hälfte eingebrochen waren. Wer starke Nerven bewies und Solar- oder Windaktien in seinem Depot beließ oder sogar frisch hinzunahm, wurde in diesem Jahr belohnt. Der F.A.Z.-Index Erneuerbare Energien legte auf Jahressicht rund 115 Prozent zu. Nun war 2013 generell ein Jahr der Aktie, aber die Kurse „grüner“ Dividendenpapiere haben dazu überproportional beigetragen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den letzten Schub besorgten zum Wochenbeginn die Nachrichten um Bosch und Solarworld. Der Stuttgarter Technologiekonzern hatte im vergangenen März angekündigt, nach Milliardenverlusten aus der Photovoltaik auszusteigen. Zugegriffen hat nun ausgerechnet der angeschlagene Bonner Zell- und Modulhersteller: Solarworld übernimmt die Bosch-Fabrik im thüringischen Arnstadt und beschäftigt 800 Mitarbeiter weiter. Und das trotz der Tatsache, dass der schillernde Firmengründer Frank Asbeck im sächsischen Freiberg schon über einen inländischen Fertigungsstandort verfügt - mit allen Kosten- und Konkurrenzproblemen, mit denen sich deutsche Solarfabriken beschäftigen müssen.

          Seit Jahr und Tag am Subventionstropf

          An der Börse kam der Schritt trotzdem gut an. Der Aktienkurs kletterte in der Spitze um rund 7 Prozent, am Nachmittag lagen die Papiere noch mit rund 5 Prozent im Plus bei 0,80 Euro. Auch andere Erneuerbare-Energien-Titel profitierten. Der Kurs des Wechselrichterherstellers SMA Solar gewann rund 1,5 Prozent hinzu.

          Wer bis dato Solar- und Windaktien mied, dürfte sich zwar ärgern, die Hausse verpasst zu haben. Andererseits lud das Umfeld kaum zum Kauf ein. Die vor zwei Jahren gestartete Konsolidierung in der Branche setzt sich fort. Solon, Solar Millennium, Q-Cells, Conergy - die Liste der (auch größeren) Insolvenzanmelder wird von Jahr zu Jahr länger. Den deutschen Unternehmen und selbst manchen chinesischen Konkurrenten macht der Preisverfall in der Branche zu schaffen: Sonnenstromanlagen verbilligten sich binnen weniger Jahre um zwei Drittel.

          Dazu gesellt sich nach der Bundestagswahl und während der Koalitionsverhandlungen ein aus Branchensicht problematischer politischer Aspekt. Erneuerbare-Energien-Unternehmen hängen seit Jahr und Tag am Subventionstropf. Noch immer profitieren sie von der Einspeisevergütung für Grünstrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die aber soll, weil sie den Strompreis für alle stark erhöht, deutlich sinken. Lange herrschte Unsicherheit. Zuletzt gab es zumindest für die Windbranche einen kleinen Anlass zur Freude. Die von Union und SPD versprochene Reform der Energiewende, um die steigenden Stromkosten in den Griff zu bekommen, schrumpft im Zuge der Koalitionsverhandlungen zu einer Sammlung kleinerer Reparaturarbeiten zusammen. Am vergangenen Donnerstag verständigten sich die künftigen Koalitionäre darauf, die besonders teure Förderung von Windanlagen auf hoher See zu verlängern.

          Nachfrage in Asien steigt kräftig

          Börsianer raten freilich davon ab, dass sich Anleger allzu sehr von solchen Kurzfrist-Kriterien abhängig machen. Anleger sollten lieber auf die langfristigen Chancen schauen, und die seien angesichts der in Deutschland angesteuerten Energiewende gut. Aber vor allem im Ausland lockt das Wachstum. In der Solarindustrie etwa steigt vor allem in Asien die Nachfrage kräftig. Marktforscher prognostizieren dreistellige prozentuale Wachstumsraten für die zweite Jahreshälfte. Der Photovoltaik-Zubau alleine in China und Japan soll ein Volumen von 9 Gigawatt erreichen. Das sind 100 Prozent mehr als im ersten Halbjahr. Insgesamt soll der globale Markt der Photovoltaik im laufenden Jahr um 20 Prozent zulegen.

          Das bedeutet nun nicht, schnell in Werte wie Solarworld zu investieren. Das Unternehmen steckt mitten in einer schwierigen Sanierung, und eigentlich müsste sich das Management vor allem darum kümmern, sagt ein Branchenbeobachter. Zudem könnte mancher Anleger nach dem kräftigen Aufschwung 2013 erst einmal dazu tendieren, Gewinne mitzunehmen.

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