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Hauptversammlung von Berkshire Hathaway : Warren Buffett trotzt seiner Krankheit

Eis muss sein: Warren Buffett auf der Hauptversammlung seines Unternehmens Berkshire Hathaway. Bild: dapd

Star-Investor Warren Buffett hat Krebs. Trotzdem bekräftigt er den Herrschaftsanspruch in seiner Firma. Er sieht gute Kaufgelegenheiten in Amerika.

          Der an Prostatakrebs erkrankte Investor Warren Buffett hat auf der Hauptversammlung seiner Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway Spekulationen über einen krankheitsbedingten Führungswechsel zurückgewiesen. „Ich fühle mich hervorragend. Ich liebe meine Tätigkeit“, sagte Buffett am Samstag vor Aktionären in Omaha. Angesichts der hohen Überlebensraten für diese Art von Krebs sei die Erkrankung „unrelevant“.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Buffett hatte sein Krebsleiden im vergangenen Monat in einem Brief an die Aktionäre öffentlich gemacht. Die Erkrankung befinde sich in einem frühen Stadium und sei nach Angaben seiner Ärzte weder „lebensbedrohlich“ noch in „bedeutsamer Weise schwächend“, hieß es damals. Der 81 Jahre alte Buffett machte deswegen auch keine offenbaren Abstriche am Programm der Hauptversammlung, für die schätzungsweise mehr als 40.000 Aktionäre nach Omaha gepilgert waren.

          Mehr als 40.000 Aktionäre besuchten die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway.

          Er stellte sich am Samstag gemeinsam mit seinem 88 Jahre alten Geschäftspartner Charlie Munger wie jedes Jahr fünf Stunden lang den Fragen von Aktionären und Analysten. Dazu kam ein Rahmenprogramm mit Fernsehinterviews und Auftritten bei Veranstaltungen von Tochtergesellschaften von Berkshire Hathaway. „Buffett hat nichts von seiner Energie verloren“, sagte eine Person, die bei den Vorbereitungen für das Aktionärstreffen eng mit Buffett zusammengearbeitet hat.

          Der Nachfolger bleibt geheim

          Die Erkrankung hat dennoch die Diskussion um die Nachfolge von Buffett wieder angeheizt, die allein wegen seines fortgeschrittenen Alters seit Jahren geführt wird. Buffett, der mit dem Kauf unterbewerteter Aktien und Unternehmen zum einem der reichten Männer der Welt avancierte, hatte im Februar bekanntgegeben, dass sich der Verwaltungsrat von Berkshire auf einen Nachfolgekandidaten für den Posten des Vorstandsvorsitzenden geeinigt habe. Angaben zur Identität seines Nachfolgers machte Buffett allerdings nicht.

          Der Vorstandschef ist für die rund 80 Tochtergesellschaften verantwortlich, die vom großen Rückversicherer General Re über den Autoversicherer Geico und die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe bis zum Textilhersteller Fruit of the Loom reichen. Dazu verwaltet Buffett ein Wertpapierportfolio von 120 Milliarden Dollar, zu dem Beteiligungen an bekannten Aktiengesellschaften wie dem Getränkehersteller Coca-Cola, dem Computerkonzern IBM oder dem deutschen Rückversicherer Munich Re gehören.

          Microsoft-Gründer Bill Gates ist Mitglied des Berkshire-Verwaltungsrats. Er beteiligte sich am Zeitungswerf-Wettbewerb.

          Anlagen von Buffett werden an der Wall Street und auch von internationalen Investoren stark beachtet. Der Kauf von ganzen Unternehmen, die unter dem Dach von Berkshire eigenständig agieren, hat nach Aussage von Buffett aber Priorität. „Es gibt keinen Mangel an Gelegenheiten in den Vereinigten Staaten“, sagte Buffett, der jüngst den Kauf eines Unternehmens im Wert von 22 Milliarden Dollar erwogen hatte. Buffett hat sich allerdings dagegen entschieden, weil er keine Wertpapiere verkaufen wollte, um die Summe in bar aufzubringen.

          Buffett mühte sich, die latenten Sorgen der Aktionäre um seine Nachfolge auszuräumen. „Mein Nachfolger wird die gleiche Fähigkeit haben“, versicherte Buffett einem Aktionär, der eine Frage zur Kontrolle des Risikos gestellt hatte.Im vergangenen Jahr hatte einer der potentiellen Nachfolgekandidaten, David Sokol, Berkshire nach fragwürdigen Aktiengeschäften verlassen. Buffett, der eigentlich als guter Menschenkenner gilt und auf die charakterliche Integrität seiner Manager Wert legt, hatte sich erst nach anfänglichem Zögern von Sokol distanziert.

          Nach dem Ende der Ära Buffett sollen die drei wichtigsten Posten bei Berkshire nicht mehr wie jetzt von der gleichen Person bekleidet werden. Den Verwaltungsrat von Berkshire soll Buffetts Sohn Howard führen. Für die Verwaltung des Wertpapierportfolios hatte Buffett kürzlich die ehemaligen Hedgefonds-Manager Todd Combs und Ted Weschler an Bord geholt. Combs habe im vergangenen Jahr mit seinen Anlagen den amerikanischen Aktienindex S&P 500 „deutlich“ geschlagen, sagte Buffett.

          Weschler ist noch kein ganzes Jahr dabei. „Sie werden langfristig wunderbar für Berkshire sein“, versprach Buffett. Der Investor selbst hatte zuletzt unter anderem die Beteiligung an der viertgrößten Bank Wells Fargo aufgestockt und für sein privates Portfolio Aktien des Marktführers JP Morgan Chase gekauft.

          „Das amerikanische Bankensystem ist in ausgezeichneter Verfassung“, sagte Buffett. Europäische Banken, denen die Europäische Zentralbank angesichts der Staatsschuldenkrise jüngst langfristige Kredite zu günstigen Konditionen gewährt hatte, befänden sich in einer schlechteren Lage. „Ich hätte auch gerne viel Geld für drei Jahre zu 1 Prozent, aber ich bin nicht in Schwierigkeiten“, sagte Buffett.

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