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Hauptversammlung Berkshire Hathaway : Buffett stellt sich seinen Kritikern

Will die richtigen Antworten finden: Starinvestor Warren Buffett Bild: AP

Starinvestor Warren Buffett lädt mit Doug Kass einen seiner schärfsten Kritiker zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway ein - um Nachfragen zu garantieren. Über jeder Diskussion schwebt die Frage nach Buffetts Nachfolger.

          Für Doug Kass war es wie eine Reise in die Höhle des Löwen. Der berühmte Investor Warren Buffett hatte den Hedgefonds-Manager aus dem sonnigen Palm Beach aus ungewöhnlichem Grund zur Hauptversammlung seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway ins verregnete Omaha eingeladen. Kass sollte auf dem Aktionärstreffen von Berkshire besonders bohrende Fragen garantieren. Als einer der schärfsten Kritiker von Berkshire ist er dafür prädestiniert. Kass wettet auf fallende Aktienkurse des mit einem Börsenwert von 268 Milliarden Dollar fünftgrößten Unternehmens der Welt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der 64 Jahre alte Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Seabreeze Partners Management begegnet Buffett mit großem Respekt. Aber er spricht in der vollbesetzten Century-Link-Sportarena von Omaha am Samstag inmitten Zehntausender Buffett-Fans gleich mehrfach die vielleicht größte Verwundbarkeit von Berkshire an - die Frage der Nachfolge für den 82 Jahre alten Staranleger. Buffett ist in Personalunion Vorstandsvorsitzender (CEO), Verwaltungsratsvorsitzender (Chairman) und Chefanleger für das 88 Milliarden Dollar schwere Wertpapierportfolio von Berkshire. Diese drei Aufgaben sollen getrennt werden, wenn Buffett sterben oder nicht mehr Herr seiner Sinne sein sollte. Über die Personalie des CEO wird an der Wall Street seit Jahren kräftig spekuliert - am häufigsten fällt der Name von Ajit Jain, der das wichtige Rückversicherungsgeschäft von Berkshire verantwortet. Der Verwaltungsrat von Berkshire hat sich auf einen Kandidaten festgelegt. Aber diese Information ist eines der bestgehüteten Geheimnisse in der amerikanischen Geschäftswelt.

          Eine Erfolgsgeschichte mit 80 Tochtergesellschaften

          Chairman - ohne Verantwortung für Geschäftsführung oder Anlageportfolio - soll Buffetts ältester Sohn Howard werden, ein 58 Jahre alter Landwirt, der sich eigentlich viel lieber im Führerhaus eines Mähdreschers aufhält als im Sitzungssaal eines Unternehmens. Howard sitzt als einziges Mitglied der Familie im Verwaltungsrat von Berkshire. Kritiker Kass hält ihn für einen Risikofaktor. „Abgesehen vom Zufall der Geburt, in welcher Weise ist Howard die qualifizierteste Person für diese Aufgabe?“, fragt er Vater Warren. Howard habe noch nie ein komplexes Unternehmen wie Berkshire geleitet und auch keine bedeutenden Aktienanlagen getätigt. Zudem sei er noch nie an einer großen Übernahme beteiligt gewesen, wie sie für Berkshire wichtig sind. Buffett bekräftigt, dass sein Sohn gar keine geschäftsführenden Aufgaben wahrnehmen soll. „Er ist da, um die Kultur zu beschützen und das ist eine enorme Verantwortung“, sagt Buffett. „Ich kenne niemanden, der diese Verantwortung mehr spüren wird als mein Sohn Howard.“ Der Verwaltungsrat als oberste Kontrollinstanz kann einen CEO entlassen. In amerikanischen Unternehmen leiten die Vorstandsvorsitzenden wie auch bei Berkshire oft auch den Verwaltungsrat. Die Mischung dieser Funktionen führt nach Ansicht von Buffett dazu, dass mittelmäßige Unternehmenslenker nicht rausgeworfen werden, solange sie beliebt sind und die anderen Mitglieder des Verwaltungsrats bei Laune halten.

          Zuständig für bohrende Nachfragen: Hedgefonds-Manager Doug Kass

          Buffett selbst, einer der reichsten Männer der Welt, ist angesichts der Erfolgsgeschichte von Berkshire über solche Fragen erhaben. In fast fünfzig Jahren an der Spitze hat er aus einer Mehrheitsbeteiligung an einer angeschlagenen Textilfirma ein Konglomerat aus mehr als 80 Tochtergesellschaften geschaffen, zu denen unterschiedlichste Unternehmen wie der Rückversicherer General Re, die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe, der Süßwarenhersteller See’s Candies und der Cowboystiefelproduzent Justin Brands gehören. Das Wertpapierportfolio besteht aus Anteilen an den bekanntesten Namen der New Yorker Börse: American Express, Wells Fargo, Procter & Gamble, Coca-Cola, IBM.

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