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Happy Börsday : Der Dax - ein Quantensprung für die Börse

Seit 25 Jahren ständig in Bewegung: Die Kurve des DAX in der Frankfurter Börse Bild: REUTERS

Der Dax wird 25 Jahre alt. Er hat zur Entwicklung des deutschen Aktienmarktes beigetragen. Terminkontrakte und Zertifikate wurden möglich. Heute gibt es modernere Indizes.

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          Die Geburt des Dax am 1. Juli 1988 hat kaum jemand bemerkt. Nur einige Börsenkenner erahnten, welches Potential in dem neuen Index schlummerte. „Er ist so konzipiert, dass er als Basis für einen sogenannten Aktienindex-Terminkontrakt dienen kann“, lässt Rüdiger von Rosen, damals Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Wertpapierbörsen und später in zahlreichen Funktionen am Finanzplatz Frankfurt tätig, die F.A.Z. im Juni 1988 wissen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Arbeitsgemeinschaft hat gemeinsam mit der Frankfurter Wertpapierbörse den BZ-Index der „Börsenzeitung“ weiterentwickelt und in Dax umbenannt. Damals war die Deutsche Terminbörse in ihrer Entstehung. Institutionellen Großanlegern sollte durch Kauf und Verkauf „dieser Index-Futures“ die Möglichkeit gegeben werden, „neuartige Anlage- und Handelsstrategien“ zu verfolgen. Minütlich sollte der Dax fortan berechnet werden: eine Revolution in einem Börsenumfeld, das noch vielfach von handschriftlichen Berechnungen und weniger von Computern geprägt war.

          1990 erster Partizipationsschein

          Die technische Umsetzung klappte ohne größere Probleme, und die Erfolgsgeschichte des Dax nahm ihren zunächst etwas zögerlichen Lauf. Im Jahr 1990 wagte sich die Dresdner Bank mit einem „Partizipationsschein auf den Deutschen Aktienindex“ an den Markt. Es war das erste Anlagezertifikat in Deutschland. Sie hat damit den Dax als erstes Finanzinstitut für die Anleger handelbar gemacht. Mittlerweile basieren mehr als 100.000 Finanzprodukte auf dem Dax. Auch 1990 gab es den ersten Future auf den Dax, 1991 die erste Dax-Option. Beide Papiere gehören bis heute zu den meistgehandelten Terminkontrakten auf der Welt.

          Der Mehrheit der Deutschen war der Index damit aber noch nicht geläufig. Erst der mit einem umfangreichen Werbefeldzug begleitete Börsengang der Deutschen Telekom im Herbst 1996 holte den Aktienmarkt aus seinem Nischendasein. Der rasante Kursaufschwung bis zum Frühjahr 2000 brachte zumindest öffentlich den Durchbruch für den Dax. Die Kursgewinne der Telekom-Aktie und etlicher Börsenneulinge im „Neuen Markt“ wurden zum allgemeinen Gesprächsthema. Die ARD gründete im November 2000 die Sendung „Börse im Ersten“ vor der Tagesschau und berichtete vom Frankfurter Börsenparkett über das Börsengeschehen und den Dax. Zeitungen gründeten Finanzteile und berichteten fortan regelmäßig über das Börsengeschehen.

          Indikator für Bedeutung einzelner Branchen

          Just zu diesem Zeitpunkt begann die Phase der größten Kursrückschläge am deutschen Aktienmarkt in der Nachkriegsgeschichte. Das Jahr 2002 war das bislang schwächste mit einem Rückgang des Dax um 44 Prozent, im Jahr 2008 betrug das Minus 40 Prozent. Dabei ist der Dax so konzipiert, stets nur die Spitze der deutschen Wirtschaft abzubilden. Unternehmen, die zurückfallen, werden aussortiert. So kommt es, dass nur die Aktien von 13 Unternehmen die 25 Jahre vollständig miterlebt haben.

          Die Entwicklung der Dax-Dauerläufer zeigt die Verschiebungen in der wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Branchen (siehe Grafik). Die Aktien von Automobilherstellern wie Volkswagen und BMW entwickelten sich überdurchschnittlich. Die Vorzugsaktien von Volkswagen (anfangs waren die Stämme im Dax) gewannen durchschnittlich 10,9 Prozent im Jahr an Wert und damit doppelt so viel wie der Dax insgesamt mit Kursgewinnen von 5,4 Prozent im Jahr. Auch die Kursentwicklung von BASF zeichnet die Entwicklung der in Ludwigshafen beheimateten Badischen Anilin- und Sodafabrik zum weltgrößten Chemiekonzern nach: In 25 Jahren ergab sich ein durchschnittlicher Kursanstieg der Aktie um 10 Prozent, insgesamt um fast 1000 Prozent. Hinzu kommen Dividenden. Henkel, Bayer, Siemens und Linde gehören zu den weiteren großen Gewinnern der vergangenen 25 Jahre am deutschen Aktienmarkt.

          Finanzbranche verliert an Bedeutung

          Andere Unternehmen sind erst wegen ihrer außergewöhnlich guten Entwicklungen in den Elite-Index aufgenommen worden: Die Beiersdorf-Aktie gewann in den vergangenen 25 Jahren mehr als 1600 Prozent an Wert, das entspricht einem Jahresdurchschnitt von gut 12 Prozent. Ende 2008 reichte dies für den Dax-Aufstieg. Der Kurs des Salz- und Düngemittelherstellers K+S stieg in den vergangenen 25 Jahren um rund 1300 Prozent und damit um gut 11 Prozent im Jahr. Auch hier erfolgte 2008 die Dax-Aufnahme.

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