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Handhelds : iPhone und Blackberry machen Palm zu schaffen

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Hat nach den jüngsten Zahlen weniger zu lachen: Palm-Chef Ed Colligan Bild: AP

Palm war mal ein ganz tolles Unternehmen. Es erfand eine neue Gattung von Computern. Heute enttäuscht die Firma ein ums andere Mal - auch ihre Aktionäre.

          Palm war mal ein ganz tolles Unternehmen. Es erfand eine neue Gattung von Computern. An der Börse wurden für die Firma 500 Dollar und mehr bezahlt. Heute ist der Erfinder des Palm-Organizers und des Treo-Telefons nur noch ein Schatten seiner selbst. Das hat das Unternehmen am Mittwoch abend mit seinen jüngsten Geschäftsdaten erneut unter Beweis gestellt.

          Der Taschencomputerhersteller legte enttäuschende vorläufige Umsatzzahlen vor und schickte damit den Aktienkurs nachbörslich auf Talfahrt. Der Konzern, der vorvergangenen März das zehnjährige Firmenjubiläum und das seines einstigen Supererfolgs „Palm Pilot“ feierte, erwartet für das Ende August abgelaufene erste Quartal einen Umsatz zwischen 359 Millionen und 361 Millionen Dollar. Analysten hatten zuletzt mit rund 363 Millionen Dollar gerechnet.

          Neue tolle Produkte - Fehlanzeige

          Das klingt nicht dramatisch, und doch brach der Palm-Kurs nachbörslich um bis zu 6,9 Prozent auf 14,70 Dollar ein. Tatsächlich fehlt den Anlegern die Phantasie, die ein solches Unternehmen dringend braucht. Neue tolle Produkte oder Designs - Fehlanzeige. Seit rund drei Jahren bietet das Unternehmen mit dem Modell Treo ein weitgehend unverändertes Mobiltelefon an. Kein Wunder, wenn innovative Produkte wie iPhone und Blackberry dem Unternehmen schwer zu schaffen machen.

          iPhone und Blackberry machen dem Treo zu schaffen

          Und wenn Palm mal innovativ wird, endet die Sache im Desaster. Ein neuer Minilaptop namens Foleo sollte die Wende einläuten. Es war im Juni präsentiert worden und sollte noch in diesem Jahr zum Preis von 499 Dollar in die Geschäfte kommen. Doch Anfang September zog Vorstandschef Ed Colligan die Notbremse und stoppte den Foleo nur wenige Tage vor dem Marktstart in Amerika.

          „Das Management realisiert seine Dummheit“

          Marktexperten und Technikfreaks konnten dem Produkt, das eigentlich eine ganz neue Gattung repräsentieren sollte, wenig abgewinnen. Es besaß Tastatur und Bildschirm, aber keine Festplatte, war also nur eingeschränkt als Zusatzgerät zu gebrauchen. „Es ist gut, dass das Palm-Management aufgewacht ist und seine Dummheit realisiert“, kommentierte ein Kritiker gnadenlos. Der Rückzieher auf den letzten Drücker kostet das Unternehmen rund zehn Millionen Dollar.

          Den einstweiligen Rückzug - der Foleo soll zu einem späteren Zeitpunkt weiterentwickelt auf den Markt kommen - sahen einige Beobachter als ersten strategischen Eingriff des neuen Großaktionärs. Im Juni beteiligte sich die Beteiligungsgesellschaft Elevation Partners mit 25 Prozent an Palm. Gleichzeitig zogen mit dem ehemaligen Hardware-Chef Jon Rubinstein und Finanzchef Fred Anderson zwei ehemalige Apple-Manager in den Verwaltungsrat. Sie sollen dafür sorgen, dass Palm nicht gegenüber Konkurrenzprodukten von Research in Motion, Apple, Motorola oder Nokia zurückfällt.

          Jetzt soll es das Treo 500 richten

          Diese Gefahr aber ist akuter denn je. Die Absätze des Treos liegen unter den Erwartungen, wie Palm einräumen muss. Im Quartal wurden 690.000 Treos verkauft, zuvor waren es noch 750.000 gewesen. Der Umsatz mit den Geräten belief sich auf 302 Millionen Dollar, Experten hatten 310 Millionen erwartet. „Man sieht den Einfluss des iPhones“, konstatiert Lawrence Harris von Oppenheimer & Co. Der Analyst betont auch, Palm brauche mehr attraktive neue Designs, um mit Blackberry und iPhone mithalten zu können.

          Die Hoffnungen liegen jetzt auf dem neuen Treo 500. Das Gerät wurde vor gut einer Woche europaweit präsentiert, wird von Oktober an über den Mobilfunkbetreiber Vodafone vertrieben und soll unter dem Namen Centro demnächst wohl auch in Amerika verkauft werden. Es ist kleiner und billiger als die bisherigen Palm-Geräte. Beobachter loben, es sei mit seinem flachen Design und den runden Ecken mehr auf Lifestyle ausgerichtet als bisherige Modelle.

          Höhere Umsätze gefordert

          Trotzdem ist noch nicht ausgemacht, ob es bei den Kunden auch wirklich ankommt. Das aber wäre dringend nötig, denn mit ihm sollte Palm seine Umsätze kräftig steigern können, verlangen Analysten wie Harris. Erst dann erwägt er, die Palm-Aktie von „neutral“ auf „kaufen“ hochzustufen.

          Bislang gab es freilich wenig Grund, für Palm optimistisch zu sein. Die Aktien standen selten auf der Gewinnerseite, sie kamen offensichtlich viel zu teuer an die Börse. Ging das Papier bereinigt um Aktiensplits am ersten Börsentag mit 950 Dollar aus dem Handel, fiel die Notiz bis April 2003 auf ein Allzeittief von 4,54 Dollar.

          Der Chart schreckt ab

          Auch der Kurschart schreckt eher ab. Auf Jahresfrist betrachtet weist der Langfristtrend (200 Tage) bedrohlich nach unten, und auch in der Fünf-Jahres-Sicht begibt sich Palm auf eine uninspirierte Berg-und-Tal-Fahrt. Im Vergleich zum technologieorientierten Nasdaq-Index war die Entwicklung der Aktie zuletzt klar unterdurchschnittlich. Dazu kommen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 22,5 (2007) und 37,2 (2008), die den Titel alles andere als billig erscheinen lassen.

          Anleger müssen also schon echte Fans sein, um an der Börse bei Palm zuzuschlagen. Aber Vorsicht: Aus enttäuschten Liebhabern werden manchmal erbitterte Feinde.

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