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Haltefrist läuft Mitte August ab : Facebook stehen stürmische Zeiten bevor

Zu den größten Herausforderungen des sozialen Netzwerkes zählt, dass immer mehr Facebook-Mitglieder die Seite auf Handys nutzen, hier aber bislang noch kaum Werbung gezeigt wird Bild: dapd

Gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar im Mai hat die Facebook-Aktie 45 Prozent an Wert eingebüßt. Nun könnte der Kurs weiter unter Druck geraten: Im August läuft die Haltefrist ab, die es vielen Altaktionären erlaubt, sich von ihren Anteilen zu trennen.

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          Das soziale Netzwerk Facebook schafft es nicht, die schlechte Stimmung an der Börse zu seinen Gunsten zu wenden, und muss sich auf weitere Turbulenzen einstellen. Seit der Vorlage mäßiger Quartalszahlen vor rund anderthalb Wochen hat die Facebook-Aktie dramatisch an Wert verloren. Das baldige Ablaufen einer Sperrfrist, das vielen Altaktionären die Trennung von ihren Anteilen erlauben wird, könnte den Aktienkurs noch weiter unter Druck bringen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Am Freitag hatte es an der Wall Street zunächst noch nach einem Comeback für Facebook ausgesehen, als der Aktienkurs zwischenzeitlich um mehr als 10 Prozent zulegte. Bis zum Handelsschluss verpuffte aber ein großer Teil der Kursgewinne wieder, und die Aktie notierte am Ende bei 21,09 Dollar rund 5 Prozent im Plus. Zuvor hatte die Aktie sechs Tage in Folge Kursverluste hinnehmen müssen, am Donnerstag wurde sie kurzzeitig für weniger als 20 Dollar gehandelt. Gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar beim Börsengang im Mai hat die Aktie 45 Prozent an Wert eingebüßt.

          Groupon und Zynga an Wert eingebüßt

          Weitere Kursrückgänge könnte es nach Einschätzung von Analysten geben, wenn das Aktienangebot nach Ablaufen der Sperrfrist steigt. Dies haben in jüngster Zeit schon andere Internetunternehmen zu spüren bekommen. Das Rabattportal Groupon erlitt im Juni innerhalb eines Tages einen Kursverlust von 9 Prozent, als die Frist endete, beim Online-Spieleanbieter Zynga waren es im Mai 8 Prozent. Die Kurse beider Unternehmen haben seither noch weiter an Wert eingebüßt.

          Facebook brachte im Mai zunächst 421 Millionen Aktien an die Börse. Am 16. August läuft eine Frist ab, nach der 271 Millionen weitere Aktien für den Handel freigegeben werden, in den Monaten danach werden zusätzliche große Pakete verfügbar. Der schon so weit gesunkene Facebook-Aktienkurs könnte zwar viele Altaktionäre davon abhalten, ihre handelbar gewordenen Anteile tatsächlich abzustoßen. Allerdings notierten auch im Falle von Groupon und Zynga die Aktien beim Ablauf der Sperrfrist schon weit unter ihrem Ausgabepreis.

          Vage Aussagen aus der Facebook-Spitze

          Manche Altaktionäre von Facebook scheinen Vertrauen zu verlieren. Das „Wall Street Journal“ meldete in der vergangenen Woche, dass die Fondsgesellschaft Fidelity, die sowohl vor als auch nach dem Börsengang in Facebook investiert hat, sich im Juni von größeren Aktienpaketen getrennt hat. Dem Bericht zufolge ist es für Fidelity unüblich, Aktien in solchem Ausmaß so kurz nach dem Börsengang wieder zu verkaufen.

          An den Finanzmärkten haben sich die Sorgen um die Geschäftsaussichten von Facebook seit der Vorlage des Quartalsberichts gemehrt, obwohl die Zahlen auf Höhe der Vorgaben von Analysten lagen. Viele Analysten vermissten eine konkrete Prognose zum weiteren Geschäftsverlauf und bemängelten die vagen Aussagen der Facebook-Spitze um den Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg. Facebook steigerte seine Umsätze im zweiten Quartal um 32 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar, der Großteil davon entfiel auf Werbung. Im Gesamtjahr 2011 hatte Facebook seine Umsätze noch fast verdoppelt.

          Facebook kann auf der Habenseite auf seine gigantische Zahl von Nutzern verweisen, die viele persönliche Daten preisgeben und auf die entsprechend Werbung zugeschnitten werden kann. Zu den größten Herausforderungen zählt, dass immer mehr Facebook-Mitglieder die Seite auf Handys nutzen, hier aber bislang noch kaum Werbung gezeigt wird.

          Das Management sprach zwar von ersten Erfolgen mit Werbekonzepten für mobile Plattformen, dämpfte aber gleichzeitig die Erwartungen und sagte, man wolle das Nutzererlebnis nicht mit allzu viel Werbung beeinträchtigen. Mehrere Analysten stuften ihre Anlageempfehlung und ihr Kursziel für Facebook nach dem Quartalsbericht herab. Andere empfehlen die Aktie weiter zum Kauf, manche sogar mit Kurszielen von 40 Dollar und mehr.

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