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Halbleiter : Neue Runde im Preiskampf

  • -Aktualisiert am

Alle drei Monate senkt Intel die Preise für seine Chips und zwingt damit die Konkurrenz mitzuziehen. Intel bleibt zwar unangefochten Branchen-Primus, doch AMD holt auf.

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          Eine Branche außer Atem: Alle drei Monate senkt Marktführer Intel die Preise für PC-Chips. Kunden können sich freuen - werden die PCs dadurch doch rapide billiger. Doch die Konkurrenz stöhnt. Erst im vergangenem Jahr ist es AMD gelungen, mit dem Marktführer technologisch Schritt zu halten und ihm Marktanteile streitig zu machen - der Weltmarktanteil von AMD kletterte auf zuletzt 17 Prozent, der Intel-Anteil ging auf 80 Prozent zurück.

          Jochen Polster, Geschäftsführer von AMD Deutschland, betont im Gespräch mit FAZ.NET, dass es sein Unternehmen geschafft habe, mindestens gleich gute Produkte zu einem niedrigeren Preise auf dem Markt zu platzieren. „Außerdem konnte AMD als erster Hersteller Prozessoren mit einer Taktfrequenz von mehr als 1 GHz auf den Markt bringen“, sagt Polster. Messbarer Erfolg dieser Bemühung seien die Umsätze im vierten Quartal 2000 gewesen - „es war das beste Quartal, dass wir in Europa jemals hatte“, so Polster weiter.

          AMD hatte im Weihnachtsgeschäft mit einer drastischen Preissenkung den Absatz der eigenen Chips entscheidend unterstützt - doch Intel hat am Sonntag eine neue Runde im Preiskampf eingeläutet. „Unsere Produkte werden auch nach der Preissenkung von Intel konkurrenzfähig sein, deshalb werden wir unsere Preise halten,“ sagt Polster. Dagegen gibt Intel keine Informationen über Verkaufszahlen oder Preisgestaltung weiter. Allerdings bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass das vergangene Quartal nicht den Erwartungen entsprochen habe.

          Trübe Aussichten für die Chip-Hersteller

          Die Aussichten für das laufende Quartal bewertet Intel eher verhalten: „Traditionell ist das erste Quartal schwächer als das Jahresendgeschäft“. Im globalen Geschäft gehen Intel-Verantwortliche wie Paul Otellini, General Manager der Intel Architecture Group, sogar von einem Minus von bis zu 15 Prozent aus. Auf einer Analysten-Konferenz in New York berichtete Otellini von großen Lagerbeständen bei PC-Herstellern, die den Abverkauf weiterer Chips behinderten.

          Tatsächlich sind die Verkäufe der PC-Hersteller wie Compaq, Fujitsu-Siemens oder Dell der Flaschenhals im Geschäft von Intel und AMD. Beide Unternehmen haben Sales-Modelle etabliert, die zwischen den großen, global tätigen Herstellern und den kleinen, nationalen PC-Herstellern wie Pyramid in Deutschland unterscheiden. Kleine Assemblierer werden über ein Netz von Großhändlern bedient. Die großen Kunden erhalten ihre Prozessoren jedes Quartal direkt vom Produzenten. Können sie die gelieferten Chips nicht in PCs verbauen und an die Endkunden verkaufen, drücken sie ihre Lagerbestände über Chip-Broker in einen grauen Markt. Für die Beobachter haben Preise und Verfügbarkeit auf diesem Markt eine besondere Bedeutung: Sie gelten als Indikator für ein erfolgreiches oder ein schlechtes Quartal bei Intel und AMD.

          Technologiewechsel steht an

          So musste der Marktführer beobachten, wie schon vor 14 Tagen die Preise für seine Produkte zusammen gebrochen sind: Die Broker handelten in den vergangenen beiden Wochen Intel Produkte zu den Preisen, die der Hersteller erst jetzt bekannt gegeben hat. Bei AMD dagegen ist die Verfügbarkeit bei offiziellen und inoffiziellen Quellen eher schlecht. „Wir sind zwar nicht ausverkauft, müssen aber unsere Kunden auf Lieferzeiten von zwei bis drei Wochen vertrösten“, beschreibt Polster die Situation.

          Die langen Lieferzeiten führt Polster auch auf einen Technologiewechsel zurück, der bei den CPU-Herstellern jetzt ansteht. Mit dem Wechsel in eine wesentlich leistungsfähigere Speichertechnologie, könnte der insgesamt sehr schwache PC-Markt einen großen Schritt nach vorne machen und damit auch für Anleger interessant werden. Bis Mitte Februar kommen die ersten, mit neuer Technologie ausgerüsteten Rechner auf den Markt.

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