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Halbleiter : Infineon-Aktie hat es nach oben schwer

  • Aktualisiert am

Obwohl Infineon draufsteht, ist vor allem Qimonda drin Bild: AP

Einen guten Lauf hatte die Infineon-Aktie in den vergangen Monaten, bis schwache Zahlen vom Halbleitermarkt sie zurückwarfen. Denn die guten Zahlen beruhen vor allem auf dem Erfolg der Tochter von Qimonda. Und hier könnte der Zyklus auf ein neues Tief zulaufen.

          Infineon hat im ersten Quartal 2006/07 das operative Ergebnis deutlich verbessern können. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen legte nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum von 122 Millionen Euro auf plus 216 Millionen Euro deutlich zu. Auch der Umsatz stieg, und zwar um 27 Prozent auf 2,13 Milliarden Euro.

          Entsprechend freundlich präsentiert sich die Aktie am Montag. „Etwas besser als erwartet“, seien die Zahlen, sagen Händler. Zwar liege der Umsatz etwas unter den Prognosen, die Gewinnkennziffern aber mehr oder weniger deutlich darüber. Bis zu 3,4 Prozent auf 11,47 Euro legte die Aktie in einem gut behaupteten Gesamtmarkt am Montag zu.

          Com-Sparte mit weniger Umsatz und mehr Verluste

          Schaut man allerdings die Ergebnisse ein wenig genauer an, so muss die Begeisterung rasch nachlassen. Denn lediglich die ausgegliederte Speicherchip-Tochter Qimonda legte eine einigermaßen zufriedenstellende Entwicklung hin, und diese täuscht ein wenig über die Problemfelder im Konzern hinweg.

          Infineon glaubt an gute Aussichten

          In der Kommunikationssparte leidet das Unternehmen noch unter den Folgen der BenQ-Insolvenz. Dadurch fiel der Umsatz um 29 Prozent auf 236 Millionen Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern weitete sich auf 57 Millionen Euro nach 21 Millionen Euro im Vorjahresquartal aus. Hier hatten Analysten mit einem höheren Umsatz von 253 Millionen Euro, aber auch mit einem höheren Fehlbetrag von 66 Millionen Euro gerechnet, wohingegen für das Unternehmen der Umsatzrückgang „wie erwartet“ ausfiel.

          Darüber hinaus habe im Geschäft mit drahtlosen Kommunikationslösungen wie erwartet „die saisonal schwächere Phase“ begonnen. Der Umsatz im Geschäft mit Breitband-Zugangslösungen blieb im Vergleich zum vorangegangenen Quartal nahezu unverändert.

          BenQ-Sonderlasten erst im zweiten Quartal wirksam

          In der Com-Sparte werden die Auswirkungen der BenQ-Pleite für Infineon auch noch im zweiten Quartal deutlich zu spüren sein. Umsatz und Betriebsergebnis werden in etwa auf dem gleichen Niveau des Vorquartals gesehen. „Der anhaltende Hochlauf der Produktion für neue Kunden bei Mobiltelefon-Plattformen sollte den typischen saisonalen Rückgang im Geschäft mit drahtlosen Kommunikationslösungen kompensieren“, heißt es bei Infineon.

          Die Sonderaufwendungen in Verbindung mit der Restrukturierung des Basisband-Geschäfts nach der BenQ-Insolvenz fallen im zweiten Geschäftsquartal an. Bislang hatte das Unternehmen angekündigt, wegen der BenQ-Pleite Sonderaufwendungen von 30 Millionen Euro im ersten Quartal zu verbuchen. Infineon geht davon aus, dass diese Sonderaufwendungen nun aber „signifikant“ unter dem ursprünglich erwarteten Wert liegen werden.

          Die umgesetzten Kostensenkungen im Geschäft mit Mobilfunk-Plattformen werden voraussichtlich im dritten Quartal zu einer Ebit-Verbesserung führen. Im zweiten Quartal würden bei Umsatz und Ebit vor Sonderaufwendungen „ähnliche Werte wie im ersten Geschäftsquartal“ erwartet.

          AIM-Sparte zeigt sich stabil

          Indes besteht die Hoffnung auf Besserung in dem Problembereich schon länger, ohne dass sie sich bislang auch wirklich eingestellt hätte. So fiel der Umsatz in der Com-Sparte 2006 um rund 14 und 2005 um rund 18 Prozent. Der Betriebsverlust lag 2004 noch bei 44 Millionen Euro und stieg 2005 um das rund Siebenfache. Immerhin ging er 2006 auf 231 Millionen Euro zurück. Erfolgreich zeigt sich Infineon in dieser Sparte aber immer noch nicht. Seit dem Jahr 2000 war die Sparte nicht mehr profitabel.

          Unternehmenschef Wolfgang Ziebart bekräftigte allerdings die Prognose, dass der Bereich bis zum Dezemberquartal die Gewinnschwelle erreichen werde. Man sei zuversichtlich für 2008.

          Die Sparte Automotive, Industrial and Multimarket (AIM) legte zwar im Vergleich zum Vorjahr zu, gegenüber dem Vorquartal verlief das Geschäft allerdings rückläufig. Bei einem unter den Analystenerwartungen liegenden Sparten-Umsatz von 710 Millionen Euro übertraf das Ebit hier mit 55 Millionen Euro die Prognosen. Im Vergleich zum Vorquartal ging der Umsatz der AIM-Sparte um vier Prozent und das Ebit um 14 Prozent zurück.

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