https://www.faz.net/-gv6-nua8

Halbleiter : Gute Broadcom-Ergebnisse lassen Anleger hohe Bewertung vergessen

  • Aktualisiert am

Broadcom-Chef Scott McGregor: Erfolg macht angriffslustig Bild: Broadcom

Teuer ist die Broadcom-Aktie schon am Donnerstag gewesen. Doch nachdem das Unternehmen außergewöhnlich gute Ergebnisse für das vierte Quartal vorgelegt hat, ist das alles vergessen. nachbörslich ist die Notiz um über 20 Prozent gestiegen.

          3 Min.

          Nach den schwachen Unternehmenszahlen, die eine Reihe wichtiger Technologiefirmen in der vergangenen Woche vorlegten, galten die Zahlen von SAP und Microsoft in dieser Woche als Matchbälle für das Spiel an den Börsen. Beide wurden verwandelt und so sind die Aktienmärkte wieder fidel.

          Wie fidel, zeigte sich gestern nachbörslich in den Vereinigten Staaten an der Aktie des Chipproduzenten Broadcom, die um sage und schreibe 22,8 Prozent auf 72,10 Dollar in die Höhe schoß. Zuvor hatte Broadcom bekannt gegeben, daß der Gewinn im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um nahezu das Dreifache auf 194,8 Millionen oder 0,50 Dollar je Aktie gestiegen sei. Erwartet hatten Analysten 0,44 Dollar je Aktie.

          Ipod-Boom treibt auch Broadcom-Ergebnisse

          Broadcom stellt unter anderem die Chips für Apples Musikplayer Ipod her. Just die Nachfrage nach diesen Chips war es, gemeinsam mit der Nachfrage nach Ohrhörern für Mobiltelefone, die den Gewinnsprung ermöglichten. Die Umsätze kletterten um 52 Prozent auf 820,6 Millionen Dollar.

          Klein, aber ertragsstark: Broadcom-Chips

          Im Gesamtjahr betrugen die Nettoumsätze 2,671 Milliarden Dollar und lagen damit 11,3 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums. Der Reingewinn stieg um 88 Prozent auf 411,7 Millionen Dollar oder 1,10 Dollar je Aktie. Broadcom setzt damit eine erfolgreiche Erholung fort, nachdem der Gewinn 2001 um ein Drittel von 612 auf 404 Millionen Dollar eingebrochen war. Seit diesem Krisenjahr hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt.

          Finanzchef William Ruehle gab sich für das kommende erste Quartal weiter optimistisch. Die Nachfrage nach Konsumgütern, die mit Broadcom-Chips ausgerüstet werden, werde dazu führen, daß die Umsätze die Analystenprognosen um 100 Millionen Dollar übertreffen würden. Ruehle erwartet um gegenüber dem Vorjahreszeitraum 59 Prozent höhere Erlöse von 865 bis 875 Millionen Dollar gegenüber einem Durchschnittswert der Analystenprognosen von 759 Millionen Dollar.

          Firmenchef McGregor bläst zum Angriff auf die Konkurrenz

          Broadcom-Chef Scott McGregor sagte, man habe im vierten Quartal ein starkes Wachstum bei mobilen Multimediageräten, Satellitenempfängern, Gigabyte-Switches, DSL-Modems und Bluetooth-Chips verzeichnet. Gegenüber Konkurrenten wie Texas Instruments und Intel produziert Broadcom für Marktsegmente, in denen sich - zumindest derzeit - höhere Preise erzielen lassen als bei der Verwendung in Prozessoren.

          Broadcom produziert Chips nicht nur für den Ipod, sondern auch für erfolgreiche Mobiltelefone wie das Motorola Razr oder das Palm-Smartphone Treo. Weiterhin sind die Broadcom-Produkte in Set-Top-Boxen für Kabel- und Satellitenfernsehen zu finden. Durch die Integration von Video-Rekordern verdient Broadcom derzeit 45 Dollar je Box. Früher waren dies lediglich 15 Dollar gewesen.

          Zwei bis sechs Dollar erlöst das Unternehmen mit jedem Bluetooth-Chip der Mobiltelephone mit kabellosen Headsets verbindet. McGregor will jetzt weiter in den Telefonbereich expandieren und den direkten Konkurrenzkampf mit Texas Instruments und Qualcomm aufnehmen. Die Geräte der dritten Generation könnten Daten schneller verarbeiten als früher und würden „bedeutende Erlöse“ in der zweiten Jahreshälfte generieren, sagt McGregor. „Wir sind relativ neu im bereich der Mobiltelefone. Wir sind in dieses Marktsegment gegangen, um zu gewinnen und wollen einer der Größten werden.“'

          Überzogene Bewertung spielt derzeit offenbar keine Rolle

          „Viele Unternehmen setzen auf ein oder zwei Wachstumstreiber. Wir haben ein Dutzend oder mehr davon“, sagte der Firmenchef in einer Telefonkonferenz mit stolzgeschwellter Brust. „Das Wachstum hat eine breite Basis“, sagt Richard Whittington, Analyst bei Caris & Co. „Sie könnten ganz leicht eine ganze Zeitlang über 30 Prozent im Schnitt wachsen.“ Broadcom kündigte am Donnerstag einen Aktiensplit an. Aus zwei Aktien werden dabei drei.

          Bei allem Enthusiasmus für das Unternehmen ging der Kurssprung am Donnerstag unter Bewertungsgesichtspunkten zu weit. Lagen die geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) nach dem Schluß des regulären Handels mit 33,7 für das laufende und 28,4 für das kommende Jahr bereits hoch, sind sie auf Basis des nachbörslichen Schlußkurses mit 41,3 und 34,9 einfach überzogen. Selbst wenn man dabei berücksichtigt, daß Broadcom 30 Prozent mehr verdienen kann, sind die KGV mit 31,8 und 26,8 immer noch zu hoch.

          Den Anlegern scheint dies indes seit Mitte 2003 vergleichsweise gleichgültig zu sein. Von einem deutlichen Rücksetzer im Sommer 2004 abgesehen, liegt die Aktie im Aufwärtstrend und notiert auf einem 59-Monats-Hoch. Indes ist unwahrscheinlich, daß sie so schnell auf ein Allzeithoch laufen kann. Im August 2000 schloß das Papier noch bei 273,625 Dollar. Im November begann sie dann brutal abzustürzen und schloß im darauffolgenden April bei 21,37 Dollar.

          Sturmerprobt sind die Broadcom-Aktionäre also. Sollte ein Ergebniseinbruch wie im Jahr 2001 kommen, so dürfte auch wieder ein ähnlicher Sturm über die Kursnotiz fegen. Momentan sieht es aber eher danach aus, als ob das einfach keine Rolle spielte.

          Weitere Themen

          Eon nimmt Innogy von der Börse

          Noch in dieser Woche : Eon nimmt Innogy von der Börse

          Der Energiekonzern hat bei der Übernahme des ehemaligen Konkurrenten Innogy das letzte Kapitel eingeleitet. Der Energieversorger geht im großen Eon-Konzern auf.

          Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 Dollar

          Höchster Stand seit Februar : Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 Dollar

          Viele Anleger hätten nach dem Bitcoin-„Halving“ mit weiter fallenden Kursen gerechnet. Die Anti-Rassismus-Proteste in den Vereinigten Staaten könnten amerikanische Investoren aber auf Kryptowährungen ausweichen lassen, schreibt ein Analyst.

          Topmeldungen

          Unruhen in Amerika : In mehreren Städten Polizisten angeschossen

          Die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus schlagen an manchen Orten um: In St. Louis im Bundessaat Missouri sind mehrere Polizeibeamte unter Beschuss geraten. Auch in Las Vegas wurden Polizisten von Kugeln getroffen.
          Mehr Normalität als anderswo: Freizeitvergnügen in einem Park in Stockholm

          Schwedens Corona-Kampf : Noch Sonderweg oder schon Holzweg?

          Das tut weh: Überall werden die Corona-Beschränkungen gelockert, aber für Touristen aus Schweden bleiben die Grenzen geschlossen. Die Zweifel wachsen, ob das Land am Ende besser aus der Krise herauskommt als die Nachbarn.

          Neue Häuser : Nicht auf den Leim gegangen

          Mehrfamilienhäuser aus Holz gibt es schon einige. Die Baugemeinschaft von „MaxAcht“ in Stuttgart hat die Ansprüche noch ein bisschen höher geschraubt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.