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Halbleiter : Drum prüfe, wer sich bindet

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Chip-Aktien legen Pause ein Bild: dpa

War der Kursaufschwung der Halbleiterbranche auf Sand gebaut? Die jüngsten Unternehmensdaten signalisieren noch keinen effektiven Aufschwung.

          2 Min.

          Frühlingsgefühle im tiefsten Winter durchlebten die Halbleiter-Aktien seit September vergangenen Jahres. Nachdem auch der letzte Analyst den in der Boom-Phase hochgelobten Titeln nichts mehr zutraute, sprangen die Aktien wieder an und legten eine rasante Kurserholung hin, die bei Infineon beispielsweise zu mehr als einer Verdopplung des Aktienkurses geführt hat.

          In diesen Tagen nun müssen die Halbleiter-Unternehmen mit ihren Quartalsberichten offen legen, ob die Kursgewinne nur heiße Luft waren oder aus fundamental berechtigter Fantasie herrührten. Mit Samsung, ASLM, Intel und AMD legten bereits die Großen der Branchen ihre Karten auf den Tisch. „Die jüngsten Zahlen zeigen nur, dass die PC-Branche sich etwas besser entwickelt, als wir es Ende des Jahres noch vermutet haben, während sich der Mobilfunkbereich leicht schlechter zeigt“, fasst Oliver Wojahn, Analyst bei der Berenberg Bank die Quartalsberichte zusammen.

          Stabilisierung auf niedrigem Niveau

          Folglich dürften sich die Produzenten für DRams in den kommenden Tagen an der Börse besser laufen als die Komponenten-Hersteller für den Mobilfunksektor. Ob die Aufschläge bei den Aktien in den vergangenen Monaten übertrieben waren, sei schwer zu prognostizieren. „Klar ist derzeit nur, dass der Aufschwung nicht vor dem zweiten Halbjahr 2002 kommt“, so Wojahn. Wie kräftig und nachhaltig die Erholung ausfalle, darüber werde gerade wöchentlich an der Börse neu spekuliert.

          Zuversichtlich ist der Analyst lediglich, dass sich die katastrophale Talfahrt der Chipbranche im vergangenen Jahr ein Ende gefunden hat. „Wir sehen derzeit eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau“, erklärt der Analyst. Dennoch würde er derzeit nicht mit Pauken und Trompeten in die Branche einsteigen. Auf Sicht der kommenden Wochen laufe dem Investor da sicherlich nichts weg. Ähnlich sehen es die Experten der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB). „Wir erwarten für die nächsten Wochen eine tendenziell negative Entwicklung des Technologiesektors“, erklärt Analyst Kurt Schappelwein.

          Weitere Kalt-Warm-Güsse zu erwarten

          Ihn beunruhigen die Aussagen von Intel und Samsung, die im laufenden Jahr die Investitionen zurückfahren wollen. „Investitionen hängen stark von der Gewinnentwicklung ab. Wenn nun ein Unternehmen die Investitionen reduziert, so lässt dies Rückschlüsse auf dessen Ertragserwartungen zu“, so Schappelwein.

          Es spricht also viel dafür, dass die Halbleiter-Aktien zunächst einmal die Kursgewinne der vergangenen Monate verdauen müssen, wobei die Berichtssaison weiterhin von Kalt-Warm-Güssen geprägt sein dürfte. Denn entgültige Entwarnung und mehr als „das Ende der Talfahrt“ dürfte den Unternehmen nicht zu entlocken sein. Daher sind die Chip-Aktie ebenso wie die Gesamtmärkte derzeit gefangen in einer volatilen Seitwärtsbewegung.

          Sollten die Märkte diese jedoch nach oben verlassen, dann sollten die Chip-Aktien wieder mit neuem Schwung weiter nach oben laufen. Denn mit einem positiven Beta, sprich die Aktie vollzieht die Entwicklungen des Gesamtmarktes überproportional nach, fließt die Liquidität auch in die Chip-Werte, wenn die Bullen das Ruder an der Börse übernehmen. Und dann dürften auch die derzeit wieder auf dem Prüfstand stehenden hohen Bewertungen wieder in den Hintergrund treten.

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