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Halbleiter : Aktie von Intel bietet nur wenige Reize

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Bild: FAZ.NET

Die Aktie von Intel ist gegenwärtig zwar vernünftig bewertet. Allerdings hat das Unternehmen im vergangenen Jahr die hohen Gewinnerwartungen enttäuscht und der Ausblick ist eher verhalten. Charttechnisch läuft das Papier seitwärts.

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          Wo ist er hin, der allgemeine Optimismus, der die internationalen Börsen noch vor wenigen Monaten auf dem Durchmarsch auf immer neue Kurshöhen sah? Inzwischen dürften sich die Märkte eher zu Bärenmärkten gewandelt haben, als weiter auf dem Weg nach oben sein.

          Das dürfte kaum verwundern, denn die Krise in der amerikanischen Immobilienwirtschaft zieht immer weitere Kreise. Die Konsequenzen sind letztlich noch nicht absehbar. Tatsache aber ist, dass es in den Vereinigten Staaten ausgeprägte rezessive Tendenzen gibt und sich diese zunehmend auch weltweit bremsend bemerkbar machen.

          Intel hat die hohen Erwartungen des Marktes enttäuscht

          In diesem Rahmen passen auch die Umsatz- und Ergebniszahlen von Intel. Der weltgrößte Chiphersteller hat trotz eines kräftigem Gewinnplus' die Markterwartungen enttäuscht, was den Kurs der Aktien auf Talfahrt schickte. Nachbörslich ging es am Dienstag mit der Aktie in den Vereinigten Staaten um bis 14,4 Prozent nach unten auf bis zu 19,43 Dollar, nachdem die Aktie im schwachen regulären Handel schon 1,7 Prozent auf 22,69 Dollar nachgegeben hatte.

          Das Nettoergebnis stieg in dem vom Weihnachtsgeschäft angetriebenen vierten Quartal zwar um 51 Prozent auf 2,27 Milliarden Dollar oder 38 Cent je Aktie, wie der Konzern am Dienstagabend mitteilte. Der Umsatz wuchs um 10,5 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar und lag damit aber am unteren Ende der Firmenerwartungen. Auch beim Gewinn blieb das Unternehmen hinter den hohen Erwartungen zurück, denn Analysten hatten mit einem Gewinn vor Sonderposten von 40 Cent je Aktie und einem Umsatz von 10,8 Milliarden Dollar gerechnet.

          Der entscheidende Grund für die Kursverluste dürfte jedoch der Ausblick auf das erste Quartal des laufenden Jahres sein. Da geht das Unternehmen davon aus, lediglich einen Umsatz von 9,4 Milliarden Dollar erzielen zu können. Der Markt hatte bisher Erlöse in Höhe von 10,1 Milliarden Dollar erwartet. Dies Prognose lässt bei manchem Marktteilnehmer die Befürchtung aufkommen, selbst so robuste Technologieunternehmen wie Intel könnten sich nicht gegen die abnehmende Wirtschaftsdynamik weltweit und gegen steigende Kreditkosten wehren.

          Vorsichtiger Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr

          Intel-Finanzchefin Stacy Smith gab sich zwar optimistisch und bezeichnete die Nachfrage im vierten Quartal als stark. Anzeichen für eine Rezession in den Vereinigten Staaten seien in diesen drei Monaten nicht zu erkennen gewesen. Für das laufende Geschäft gab er sich aber zurückhaltend. „Wir sind etwas vorsichtig angesichts dessen, was wir in der amerikanischen Wirtschaft sehen“, sagte Smith.

          Branchenexperten zeigten sich von dem Konzernergebnis etwas überrascht. Weil Intel weltweit wirtschaftlich von besonderer Bedeutung sei, werde dies wohl negative Auswirkungen auf die Märkte haben, sagte Bennett Gaeger von Stifel Nicolaus der Nachrichtenagentur Reuters. Ashok Kumar von CRT Capital Group erklärte, das Unternehmen sei im Wettbewerb weiterhin gut positioniert. Schwächen seien daher wohl auf die Konjunktur zurückzuführen. Intel hat 2007 Marktanteile von seinem Erzrivalen Advanced Micro Devices (AMD) zurückerobert, vor allem bei Computerservern.

          Tatsächlich scheint die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 15,4 und 13,7 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das nächste Geschäftsjahr und mit einer Dividendenrendite von 2,25 Prozent recht vernünftig bewertet zu sein. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Bewertung nicht etwas relativiert werden könnte angesichts des eher verhaltenen Ausblicks. Charttechnisch bietet das Papier wenig Phantasie, da es zumindest in Euro seitwärts läuft.

          Intel erzielte im Jahr 2006 zwar knapp 80 Prozent seiner Erlöse in Europa und Asien. Aus diesem Grund sollte das Unternehmen eigentlich vom schwachen Dollar positiv und der schwächelnden amerikanischen Konjunktur nur bedingt negativ beeinflussen lassen, sollte man meinen. Allerdings dürfte man genauer hinblicken müssen. So verkauft Intel selbst einen großen Teil seiner Produkte nach Asien, weil dort die großen Hersteller für elektronische Geräte sitzen. Diese verkaufen ihre Produkte jedoch weltweit. So würde sich eine schwächer werdende Weltwirtschaft indirekt auch bei Intel bemerkbar machen.

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