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Halb Anleihe, halb Aktie : Wandelanleihen bieten ordentliche Renditen

Im Handelssaal der Frankfurter Börse am 16. Oktober Bild: AP

Die sogenannten Wandelanleihen bieten Anlegern einen besonderen Vorteil: Wenn es gut läuft, sind sie mit den Zwitterpapieren im Aufschwung dabei und im Abschwung fein raus.

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          Es sind seltsame Zeiten für Anleger: Sichere Anleihen wie Bundesanleihen bringen nichts mehr ein, diese Erkenntnis hat sich herumgesprochen. Doch auch mit Aktien lässt sich nicht ohne weiteres Geld verdienen. Zum Ende der vergangenen Woche fiel der Dax erstmals seit Monaten wieder unter die Marke von 9000 Punkten - alle, die erst 2014 eingestiegen sind, haben mit deutschen Aktien also bislang Verluste gemacht. Und die Kursschwankungen, werden wohl andauern: Zu schwach ist die Lage der Konjunktur, zu unkalkulierbar die Krisenherde in aller Welt.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass manche Fondsgesellschaft in solchen Zeiten nun ausgerechnet für ein Wertpapier wirbt, das auf Anhieb nicht ganz leicht zu verstehen ist, erscheint da zunächst wie ein schlechter Scherz: Wandelanleihen - muss man wissen, was das ist? Glaubt man Marc-Alexander Kniess, Manager eines Wandelanleihefonds bei der Fondsgesellschaft DWS, wäre dies jedenfalls nicht schlecht: „Wandelanleihen sind eine eigenständige Vermögensklasse mit besonderem Charme, bestens geeignet für eine unsichere Börsenphase wie derzeit.“ Der normale Anleger aber fragt sich: Ist dies nur Marketinggeschwätz, oder ist es tatsächlich sinnvoll, sich mit den komplizierten Papieren näher zu beschäftigen?

          Klare Antwort: Es lohnt sich. Denn Wandelanleihen locken mit einem Clou. Sie zeichnet aus, dass sie zum einen bis zu einem bestimmten Grad von jedem Anstieg der Börsenkurse profitieren. Und dass sie zum anderen bei einem Absturz der Kurse kaum betroffen sind. Auf eine kurze Formel gebracht, könnte man sagen: im Aufschwung dabei, im Abschwung fein raus - nicht die schlechteste Kombination.

          Konkret geht das so: Wandelanleihen (nicht zu verwechseln mit Aktienanleihen, mit denen der Anleger in der Regel kein gutes Geschäft macht) sind Zwitterpapiere. Ihre Käufer erhalten im Prinzip eine Unternehmensanleihe, verbunden mit der Option, diese gegen eine bestimmte Anzahl Aktien der Firma einzutauschen. Ausüben kann dieses Optionsrecht in der Regel nur der Anleger - das ist der Vorteil, der Wandelanleihen gegenüber anderen komplizierten Wertpapieren wie den sogenannten „CoCo-Bonds“ auszeichnet, die viele Banken zurzeit begeben.

          Auf die richtige Auswahl kommt es an

          Die meisten Profianleger aber wenden dieses Optionsrecht eher selten an. Stattdessen machen sie sich den Umstand zunutze, dass sich der Kurs einer Wandelanleihe stark am Kurs der zugrundeliegenden Aktie orientiert. Als Faustformel gilt: Steigt der Kurs der Aktie um einen Euro, gewinnt der Kurs der Anleihe im Schnitt rund 60 Cent an Wert - der Fondsmanager kann sie dann mit Gewinn verkaufen. Stürzt der Aktienkurs hingegen ab, sind die Auswirkungen auf den Anleihekurs nicht dramatisch: In der Regel vollzieht dieser den Kursrückgang der Aktie nur zu einem Drittel nach. Selbst das muss den Anleger nicht schrecken: Denn er kann die Wandelanleihe auch bis zum Ende der Laufzeit halten. Dann bekommt er wie bei jeder normalen Firmenanleihe regelmäßig einen festen Zinssatz ausgezahlt und bei Fälligkeit seinen vollen Einsatz zurück. Mehr als ein Prozent Zinsen bieten solide Papiere derzeit jedoch nicht.

          So weit die Theorie. Damit das Spiel in der Praxis aufgeht, kommt es auf die richtige Auswahl an. Trotz der Besonderheiten der Wandelanleihen ist der Markt nämlich gar nicht so klein: Weltweit stehen Papiere mit einem Volumen von insgesamt 450 Milliarden Dollar aus. Wie bei jeder normalen Anleihe ist es darum an erster Stelle wichtig, auf Firmen zu setzen, die von den Ratingagenturen eine möglichst gute Note erhalten, die also nicht vom Ausfall bedroht sind. Eine Wandelanleihe ohne Zinskupon, wie sie jüngst der Pharmakonzern Fresenius begeben hat, sollte es jedoch auch nicht sein.

          Zweitens ist es dann entscheidend, Wandelanleihen von Firmen zu kaufen, deren Aktienkurs eine gute Entwicklung verspricht. DWS-Experte Kniess sieht unter anderem im IT-Bereich gute Chancen: Er hat Wandelanleihen des Prozessorherstellers Intel und der Softwarefirma Citrix im Portfolio.

          Da Wandelanleihen meist in Stückelungen von 100.000 Euro auf den Markt kommen, empfiehlt sich für Privatanleger der Kauf von Fonds. Die Wertentwicklung, die gute Fonds im Schnitt der vergangenen fünf Jahre erzielt haben, kann sich sehen lassen: Sie betrug rund sechs Prozent im Jahr.

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