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Günstige Bedingungen : Investoren wollen Übernahmen sehen

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Bild: F.A.Z.

Das Jahr 2011 ist ein gutes Jahr für Unternehmensübernahmen, so die Royal Bank of Scotland und die Boston Consulting Group. Sie stufen das Umfeld noch als günstig ein.

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          Unternehmen müssen in dem aktuell günstigen Kapitalmarktumfeld mutiger werden und Übernahmen wagen. Wie Ingrid Hengster, Deutschland-Chefin der Royal Bank of Scotland (RBS), am Montag bei der Vorstellung einer gemeinsam mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) erstellten Studie erklärte, sind die Investoren derzeit auf Wachstum gestimmt. "Für Unternehmen mit starken Wurzeln in den Industrieländern gibt es nur zwei Möglichkeiten für Wachstum: neue Marktanteile im harten Wettbewerb gewinnen oder in Schwellenländer investieren", sagte sie. Ihren Worten zufolge stellt die unterschiedliche Wachstumsdynamik in den Industrie- und Schwellenländern die größte Herausforderung für Unternehmen dar.

          Nach Angaben von Hengster plant jedes sechste Unternehmen dieses Jahr einen Zukauf im Volumen von mindestens 500 Millionen Euro. Hoch sei die Bereitschaft in der Rüstungs- und Luftfahrtbranche mit 67 Prozent sowie unter den Versorgern mit 40 Prozent. Zwei Drittel der Unternehmen nehmen laut Hengster die Schwellenländer ins Visier. Bereits im vierten Quartal 2010 erreichten die Unternehmensübernahmen mit knapp 700 Milliarden Dollar das Niveau aus dem zweiten und dritten Quartal 2006, bevor das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (Mergers & Acquisitions; M&A) im zweiten Quartal 2007 mit 1,3 Billionen Dollar seinen Höhepunkt erklomm. Deutlich gewachsen ist seitdem der Anteil Asiens (ohne Japan).

          Günstige Bedingungen für Übernahmen

          Die Investoren schätzten Investitionen in das Kerngeschäft eines Unternehmens am höchsten ein, berichtete BCG-Partner Frank Plaschke und berief sich dabei auf eine Umfrage. Der Anteil der Anleger, für die organische Investments oberste Priorität haben, sei 2010 auf 73 (Vorjahr: 53) Prozent gestiegen. Dahinter folgen strategische Übernahmen mit 44 (43) Prozent. Die Erhöhung der Dividenden ist für 32 (10) Prozent und Aktienrückkäufe für 22 (13) entscheidend. Dagegen hat die Schuldentilgung mit nur noch 19 (41) Prozent an Bedeutung verloren ebenso wie der Aufbau von Liquiditätsreserven mit 11 (22) Prozent.

          Die Bedingungen für große Übernahmen seien 2011 noch günstig, betonte Hengster. Sie verwies dabei auf konservative Bewertungen an den Aktienmärkten sowie ein günstiges Finanzierungsumfeld. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Stoxx 600, dem Aktienindex für 600 europäische Unternehmen, betrage gegenwärtig im Schnitt 12, der langjährige Durchschnitt liege zwischen 14 und 15, sagte Barbara Boehnlein, Leiterin des deutschen Aktiengeschäfts der RBS.

          Finanzierungsbedingungen noch gut

          Auf die noch guten Finanzierungsbedingungen wies Stefan Behr, der bei der deutschen RBS für Unternehmenskunden zuständig ist, hin. So hätten die syndizierten Kredite, die von mehreren Banken einem Unternehmen in der Regel für bestimmte Investitionsobjekte gewährt werden, im vergangenen Jahr um 57 Prozent auf 3 Billionen Dollar zugenommen. In Europa fiel der Anstieg mit 62 Prozent auf 900 Milliarden Dollar sogar noch höher aus. Behr warnte davor, dass in den kommenden fünf Jahren fast 4 Billionen Dollar an Bankdarlehen refinanziert werden müssten. Die Länderliste an fälligen Finanzierungen führe Großbritannien mit 747 Milliarden Dollar vor Deutschland mit 559 Milliarden Dollar an. Vor allem in diesem und im kommenden Jahr laufe ein Großteil der mittelfristigen Finanzierungen der Boomjahre 2006 und 2007 aus, sagte Behr. Dieser Refinanzierungswelle müssten sich die Finanzvorstände bewusst sein und sie in ihrer Wachstumsstrategie berücksichtigen. Behr erwartet dieses Jahr wieder mehr Emissionen von Unternehmensanleihen, die neben der Refinanzierung vor allem für Übernahmen und zur Ablösung von Bankdarlehen verwendet werden dürften. Auch Kredite würden in den kommenden sechs Monaten angesichts niedriger Zinsen attraktiv bleiben.

          Der jüngsten Investorenumfrage von RBS zufolge setzen die Investoren weiterhin auf Aktien. Laut Boehnlein wollen aktuell 27 Prozent in Aktien der Industrieländer, 18 Prozent in Dividendentitel der Schwellenländer und 17 Prozent in Rohstoffe investieren. "Banken und Investoren sind offen, Investitionen zu unterstützen und Finanzierungen bereitzustellen", sagte Hengster.

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