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Großbank : Die Wall Street glaubt wieder an Goldman

  • -Aktualisiert am

Von Goldman führt der Weg viele Manager in die amerikanische Regierung. Bild: Reuters

Der Aktienkurs von Goldman-Sachs ist seit der Präsidentenwahl um mehr als 30 Prozent gestiegen. Die Anleger sehen rosige Aussichten. Und die Regierung wird mal wieder mit ehemaligen Goldman-Partnern besetzt.

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          Als Donald Trump noch Wahlkampf machte, schien Goldman Sachs eines seiner beliebtesten Angriffsziele. Der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton warf er zu enge Beziehungen zu der Wall-Street-Bank vor, die ihr für Reden üppige Honorare gezahlt hatte. Die gleichen Vorwürfe machte er seinem innerparteilichen Wettbewerber Ted Cruz in den Vorwahlen der Republikaner. Er versuchte Cruz, dessen Frau für Goldman arbeitet, zu diskreditierten, weil der Texaner seinen Senatswahlkampf mithilfe eines Goldman-Kredits finanziert hatte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Seit Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen hat, redet und handelt er anders. Schlüsselpositionen wie das Finanzministerium und der Vorsitz des Nationalen Wirtschaftsrats sollen mit ehemaligen Goldman-Partnern besetzt werden. Als Finanzminister auserkoren hat Trump Steven Mnuchin, der 17 Jahre bei Goldman gearbeitet, die Bank aber schon vor Jahren verlassen hatte. Trumps zukünftiger Wirtschaftsberater Gary Cohn war in den vergangenen Jahren die Nummer zwei bei Goldman und galt als Kronprinz des Vorstandsvorsitzenden Lloyd Blankfein.

          Goldman beflügelt auch den Dow Jones

          Der Aktienkurs von Goldman Sachs ist seit der Wahl um 32 Prozent gestiegen. Beflügelt wurde der Kurs vom allgemeinen Optimismus für Bankaktien. Anleger hoffen im Zuge einer stärker wachsenden amerikanischen Wirtschaft auf steigende Zinserträge und höheres Kreditvolumen. Dazu honorieren sie die Aussicht auf lockerere Regularien für Finanzinstitutionen unter der Regierung Trump. Das könnte insbesondere Goldman helfen, deren einst sehr lukrativer Eigenhandel mit Wertpapieren in Folge des 2010 verabschiedeten Dodd-Frank-Finanzmarktreformgesetzes eingeschränkt wurde.

          Mit einem Aktienkurs von rund 240 Dollar hat Goldman das höchste Gewicht im Dow Jones, dem populären Index 30 wichtiger Standardwerte, und trug damit stark zu dessen jüngstem Höhenflug bei. Im Gegensatz zu den meisten anderen Aktienindizes wird das Gewicht der einzelnen Komponenten im Dow Jones nicht vom jeweiligen Börsenwert oder vom Gesamtwert der frei handelbaren Aktien bestimmt. Beim Dow sind die Aktienkurse entscheidend für die Entwicklung.

          GOLDMAN SACHS

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          Dass Goldman-Banker von der Wall Street nach Washington wechseln, hat Tradition. Schon die Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush machten hochrangige Goldman-Manager zu Finanzministern. Das leistet immer wieder Verschwörungstheorien Vorschub. Zuletzt war wieder öfter von „Government Sachs“ die Rede, ein Wortspiel mit dem englischen Wort für Regierung und dem Namen der Bank.

          Konjunktur stützt das Kapitalmarktgeschäft

          Anleger setzen nun vor allem darauf, dass Goldman stark von der Wirtschaftspolitik profitieren wird. „Wir rechnen damit, dass Trump im Jahr 2017 die Wirtschaft ankurbelt und die Regulierung nachlässt“, sagt Analyst Ken Leon von der Gesellschaft CFRA Research. Das werde das Investmentbanking beflügeln, also das Geschäft mit der Beratung bei Fusionen und Übernahmen und der Emission von Aktien, wo Goldman eine starke Marktposition besitzt. Die Analysten der Deutschen Bank haben die Aktien von Goldman kürzlich mit dem gleichen Argument auf die Liste ihrer Kaufempfehlungen gesetzt. „Eine stärkere Konjunktur sollte viele Bereiche des Kapitalmarktgeschäfts stützen, darunter Fusionsberatung, Aktienemissionen sowie den Handel mit Aktien und Anleihen“, schrieben die Analysten. Alle diese Bereiche seien Stärken von Goldman Sachs. Das Kursziel setzten die Deutsche-Bank-Analysten auf 255 Dollar, was angesichts des schon stark gestiegenen Aktienkurses ein nur noch mäßiges Kurspotential von weniger als 10 Prozent unterstellt.

          Auch Jackie Reeves, Anlagestrategin beim Wertpapierhaus Bell Rock Capital, glaubt, dass Goldman von allgemein weiter steigenden Aktienkursen an den amerikanischen Börsen profitieren kann. „Es gibt einen Trend zu Finanztiteln und insbesondere zu Goldman, weil die Aktivitäten an den Kapitalmärkten zunehmen. Es gibt mehr Fusionen und der Märkt für Börsengänge sieht für 2017 auch besser aus“, sagte Reeves, die Goldman-Aktien hält, in einem Fernsehinterview. Den Angang von Gary Cohn könne Goldman ebenfalls verkraften.

          Überraschend: der neue Finanzchef

          Nachfolger Cohns als Leiter des operativen Tagesgeschäfts bei Goldman werden der 54 Jahre alte David Solomon, der bislang das Investmentbanking leitete, und der zwei Jahre jüngere Harvey Schwartz, der Finanzchef war. Beide sind damit die aussichtsreichsten Kandidaten für eine Nachfolge des seit 2006 amtierenden Blankfein, der 62 Jahre alt ist, aber keine Anstalten macht, aufzuhören. Als Überraschung galt die Beförderung von Martin Chavez zum neuen Finanzvorstand. Chavez war bislang für Informationstechnologie bei Goldman verantwortlich. Die Rolle des Finanzchefs gilt als potentielles Sprungbrett für höhere Weihen. Das unterstreicht die immens gewachsene Bedeutung von Technologie in der Finanzbranche. Blankfein hatte Goldman im vergangenen Jahr als „Technologieunternehmen“ bezeichnet.

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