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Marktbericht : Griechenland verstört den Anleihemarkt

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Kurse griechischer Staatsanleihen fallen, der Eurokurs gibt nach. Die Aktienmärkte sehen das indes positiv.

          2 Min.

          An den Anleihemärkten in der südeuropäischen Europeripherie sind die Renditen am Montag deutlich gestiegen. Als Grund nannten Händler eine wachsende Besorgnis, dass es nicht mehr zu einer einvernehmlichen Behandlung der Krise in Griechenland kommen werde. Daher stiegen die Renditen griechischer Staatsanleihen besonders deutlich. Zweijährige griechische Staatsanleihen rentierten im Nachmittagshandel mit annähernd 24 Prozent. Das ist ein Niveau, das einem Staatsbankrott eine hohe Wahrscheinlichkeit einräumt. Die Handelsumsätze mit griechischen Staatsanleihen sind allerdings nur gering und begünstigen hohe kurzfristige Ausschläge von Kursen und Renditen.

          Von der Unsicherheit über Griechenland wurde auch der Handel mit Staatsanleihen in Italien, Spanien und Portugal beeinflusst. Allerdings blieben die Renditeaufschläge mit rund 15 Basispunkten für die marktführenden zehnjährigen Staatsanleihen noch im Rahmen. Zehnjährige italienische Staatsanleihen rentierten im Nachmittagshandel mit 1,90 Prozent. Die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf diese Staatsanleihen legten ebenfalls etwas zu. Von Panik sei im Handel mit diesen Papieren nichts zu spüren gewesen, hieß es.

          Der Kurs des Euro fiel um etwa einen Cent auf zuletzt 1,1355 Dollar. Im Vormittagshandel hatte der Euro noch bei 1,1450 Dollar notiert. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem am Freitag enttäuschende amerikanische Konjunkturdaten den Euro im Vergleich zum Dollar nach oben getrieben hatten. Am Montag belasteten schwache Daten vom amerikanischen Häusermarkt den Dollar aber kaum.

          Nach wie vor warten viele Anleger auf nennenswerte Fortschritte im Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Europartnern. Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern haben in den vergangenen Tagen laut Informationen der Deutschen Presse Agentur zwar zu einer Annäherung im Bereich Steuern geführt. Es gebe aber noch viele offene Themen vor allem im Bereich Rentenreform und Arbeitsmarkt, hieß es. Der Eurokurs profitierte von den Nachrichten nicht.

          Schwächelnder Euro

          Am Devisenmarkt waren diejenigen, die auf eine nahende Zinserhöhung in Amerika wetteten, wieder in der Überzahl. Die Zinswende komme auf jeden Fall noch in diesem Jahr, betonte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. „Die Fed will Handlungsspielraum zurückgewinnen.“ Devisenstratege Adam Myers von der Credit Agricole tippte ebenfalls auf eine baldige Straffung derGeldpolitik. Amerikas Konjunktur werde bald wieder anziehen.

          Der schwächelnde Euro gab unterdessen den Aktien Rückenwind. Zusätzlichen Auftrieb gab ein Anstieg des Dow Jones auf ein Rekordhoch. Nach einem freundlichen Start und einer zwischenzeitlichen Schwächephase stieg der Dax damit am Montag um 1,3 Prozent auf 11.593 Punkte. Der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index stieg um 1,1 Prozent auf 2344 Zähler.

          RWE verzeichneten ein Minus von 1,5 Prozent. Wie bereits am Freitag bekanntgeworden war, müssen die Essener einen dreistelligen Millionenbetrag an Gewerbesteuer nachzahlen. Wacker Chemie verloren nach einer Senkung der Einstufung durch Merrill Lynch um zwei Stufen 5,9 Prozent.

          Dagegen honorierten die Anleger Aussagen von Osram-Chef Olaf Berlien, wonach der Lichtspezialist die Abspaltung des traditionellen Beleuchtungsgeschäfts schnell vorantreiben wolle. Der Bereich solle in den kommenden zwölf Monaten selbstständig sein, sagte Berlien der „Süddeutschen Zeitung“. Damit habe das Unternehmen seinen Zeitplan konkretisiert und das komme am Markt gut an, sagte ein Börsianer. Die Osram-Anteilsscheine verteuerten sich um 1,7 Prozent.

          Nach dem hohen Kursverlust der vergangenen Woche gewannen VW 3,1 Prozent auf 220,35 Euro. Deutsche-Bank-Analyst Tim Rokossa hatte das Kursziel für den Autobauer um 50 Euro auf 280 Euro angehoben und seine Kaufempfehlung bestätigt.  „Volkswagen gehörte in der vergangenen Woche zu den größten Verlierern im Dax, nun beginnt die Aufholjagd“, sagte ein Börsianer am Morgen.

          Die VW-Anteilsscheine hatten binnen Wochenfrist bis zum vergangenen Freitag rund sieben Prozent an Wert verloren. Den rückläufigen Absatzzahlen des Konzerns für April habe der Markt am Montag hingegen kaum Beachtung geschenkt, sagte der Marktbeobachter.

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