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Greetings aus New York : Twitter-Turbulenzen

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Die Baumarktkette Home Depot tritt mit einem heiklen Tweet ins Fettnäpfchen und muss sich wortreich entschuldigen. Die Twitter-Euphorie an der Börse ist am zweiten Tag etwas abgekühlt.

          2 Min.

          Mit Twitter ist das manchmal so eine Sache. Als Plattform für Kurznachrichten mit höchstens 140 Zeichen lädt Twitter zu superschneller Kommunikation ein. Das bringt ein erhöhtes Risiko mit sich, unüberlegte Äußerungen in die Online-Welt zu setzen, die einen schnell wieder einholen.

          Ein Aufschrei

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          So ging es jetzt der amerikanischen Baumarktkette Home Depot. Das Unternehmen sorgte mit einem Eintrag auf seiner offiziellen Twitter-Seite für einen Aufschrei und musste Rassismusvorwürfe über sich ergehen lassen. Die Kette wollte mit dem Tweet auf die von ihr gesponserte Football-Veranstaltung „College Game Day“ aufmerksam machen. Getwittert wurde ein Foto mit drei Personen, die auf Eimern herumtrommeln. Es sind zwei Afro-Amerikaner und eine Person, die als Affe verkleidet ist. Der zugehörige Text: „Welcher Trommler ist nicht wie die anderen?“

          Der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten. Home Depot wurde beschuldigt, mit dem Foto und dem Text rassistische Assoziationen zu wecken. Das Unternehmen bemühte sich schnell um Schadensbegrenzung. Der kontroverse Eintrag wurde schnell von der Seite entfernt, und Home Depot twitterte: „Dieses dumme Tweet tut uns zutiefst leid, und wir haben es gelöscht.“ Kurz danach ließ das Unternehmen noch ein weiteres reumütiges Tweet folgen: „Wir haben null Toleranz für etwas, das derart dämlich und beleidigend ist.“ Weiter hieß es, die für das Tweet verantwortliche Agentur sowie die Person, die den Eintrag auf die Seite gestellt haben, seien gefeuert worden. Home Depot ließ außerdem verlauten, man wolle grundsätzlich die Abläufe im Unternehmen mit Blick auf die Präsenz in sozialen Netzwerken durchleuchten. Man wolle herausfinden, wie das passieren konnte, und sicherstellen, dass es nicht wieder passiert.

          Einige empfehlen zu verkaufen

          Auch Twitter selbst blickt auf eine aufregende Woche zurück. Der mit Spannung erwartete Börsengang des Unternehmens ging anders als beim Wettbewerber Facebook im vergangenen Jahr reibungslos über die Bühne. Der Aktienkurs sprang zum Börsendebüt am Donnerstag gegenüber dem Ausgabepreis von 26 Dollar um 73 Prozent auf 44,90 Dollar. Am Freitag kühlte die Euphorie aber schon merklich ab, und der Kurs rutschte um 7 Prozent auf 41,65 Dollar. Das ergibt noch immer einen Börsenwert von fast 23 Milliarden Dollar – eine üppige Summe für ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 317 Millionen Dollar ausgewiesen hat. Angesichts des Kurssprungs zum Börsenstart haben einige Analysten die Twitter-Aktie zum Verkauf empfohlen.

          Die Börse blickt insgesamt auf keine schlechte Woche zurück. Der Dow-Jones-Index legte in der vergangenen Woche um 0,9 Prozent zu und schloss am Freitag auf einem abermaligen historischen Höchststand von 15762 Punkten. Der S&P 500 kletterte im Wochenvergleich um 0,5 Prozent auf 1771 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel dagegen um 0,1 Prozent auf 3919 Punkte.

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