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Sprudelnde Gewinne : Alphabet und Amazon auf Allzeithoch

Das Kerngeschäft mit Google hat dem Alphabet-Konzern gute Gewinne zuletzt beschert. Bild: AP

Die beiden amerikanischen Technologiekonzerne legen glänzende Zahlen vor. Ob es mit den Gewinnen so weitergeht?

          Zu Beginn dieser Woche stimmte der amerikanische Internetkonzern Yahoo dem Verkauf an den Telekommunikationsgiganten Verizon zu. Es war eine Kapitulation nach einer langen Leidensgeschichte. Yahoo ist im Kampf um Online-Werbeumsätze gegenüber Wettbewerbern wie Google und Facebook immer mehr ins Hintertreffen geraten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Facebook hat schon zur Wochenmitte mit glänzenden Zahlen untermauert, wie gut das Geschäft läuft, und nun folgte auch Googles Mutterholding Alphabet. Am Donnerstag nach Börsenschluss meldete Alphabet abermals ein stattliches Umsatzwachstum und übertraf mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen von Analysten. Der Aktienkurs legte nachbörslich zeitweise fast 5 Prozent zu und übersprang die Marke von 800 Dollar. Das ist ein Allzeithoch für die Alphabet-Aktie.

          Amazon.com

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          „Wir hatten ein sehr starkes zweites Quartal,“ sagte Sundar Pichai, der Vorstandsvorsitzende des Kerngeschäfts von Google im Alphabet-Konzern, in einer Telefonkonferenz. Bei Google herrsche derzeit eine „tolle Energie.“ Google hat sich im vergangenen Jahr in die Alphabet-Holding verwandelt. In diesem Konzern ist Google nur noch eine von mehreren Tochtergesellschaften, wenngleich die mit Abstand größte. Zu Google gehören dabei neben der gleichnamigen Suchmaschine eine Reihe anderer Produkte wie der Videodienst Youtube und das Betriebssystem Android.

          Neben Google stehen andere Einheiten wie Nest, ein Hersteller internetfähiger Produkte für den Haushalt, das Gesundheitsunternehmen Calico oder Fiber, ein Projekt, mit dem in einer Reihe amerikanischer Städte Internetzugänge bereitgestellt werden. In seinen Quartalsberichten fasst Alphabet alles, was nicht zu Google gehört, unter dem Namen „Other Bets“ zusammen und weist dafür separate Zahlen aus.

          Die guten Zahlen von Alphabet sind allein dem Kerngeschäft von Google zu verdanken, das die defizitären „Other Bets“ subventionieren muss. Insgesamt meldete Alphabet für das zweite Quartal ein Umsatzplus von 21 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar, währungsbereinigt hätte es ein Wachstum von 25 Prozent gegeben. Analysten hatten im Schnitt mit 20,8 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn kletterte um 24 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie lag deutlich über den von Analysten im Schnitt erwarteten 8,04 Dollar.

          Der Umsatz der „Other Bets“ hat sich im vergangenen Jahr von 74 Millionen auf 185 Millionen Dollar mehr als verdoppelt, aber damit stehen diese Aktivitäten für nicht einmal ein Prozent des Konzernumsatzes. Außerdem haben sie einen operativen Verlust von 859 Millionen Dollar angehäuft und damit deutlich mehr als im Vorjahr. Finanzvorstand Ruth Porat erklärte dies unter anderem Investitionen in Fiber. Wie schon in vorangegangenen Quartalen betonte sie, Alphabet lege großen Wert auf Kostenmanagement. Google war früher bekannt dafür, das Geld mit vollen Händen auszugeben, aber Porat hat es seit ihrem Antritt im vergangenen Jahr zur Freude der Wall Street zur Priorität gemacht, die Kosten im Zaum zu halten.

          Rekordgewinn bei Amazon

          Glänzende Zahlen legte am Donnerstag nach Börsenschluss auch der Online-Händler Amazon.com vor. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um 31 Prozent auf 30,4 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit 29,6 Milliarden Dollar gerechnet. Die größere Überraschung war aber der Gewinn. Amazon war früher bekannt dafür, regelmäßig nur minimale Gewinne oder gar Verluste auszuweisen, nun aber wird das Unternehmen immer profitabler. Diesmal sprang der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr von 92 Millionen Dollar auf einen Rekordwert von 857 Millionen Dollar. Das Ergebnis je Aktie von 1,78 Dollar lag weit über den im Schnitt erwarteten 1,11 Dollar.

          ALPHABET INC.CL.A DL-,001

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          Die gestiegene Profitabilität erklärt sich zum großen Teil mit Amazon Web Services (AWS), der Sparte für sogenanntes Cloud Computing. AWS stellt Computerkapazitäten für Unternehmen und Behörden bereit, die ihre Informationstechnik ins Internet, also die Cloud, verlagern wollen. Dieses Geschäft wächst überdurchschnittlich stark, und Amazon konnte den Umsatz um 58 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar ausbauen. Das Betriebsergebnis hat sich auf 718 Millionen Dollar mehr als verdoppelt.

          Ob es mit den Gewinnen so weitergeht, muss sich zeigen. Für das dritte Quartal sagte Amazon erst einmal einen niedrigeren Betriebsgewinn voraus als in den vergangenen drei Monaten. Der Aktienkurs von Amazon notierte nach der Vorlage der Zahlen nachbörslich zunächst leicht im Minus, drehte dann aber ins Plus. Wie Alphabet erreichte dabei auch Amazon ein neues Allzeithoch.

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