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Nach Aktiensplit : Deutsche Google-Aktionäre müssen für Gratis-Aktien Steuern zahlen

Logo von Google: Vom Internetriesen gibt es noch keine Stellungnahme Bild: dpa

Googles Aktienteilung ist für deutsche Anleger teuer. Die neuen Aktien gelten als Sachdividende - und sind somit abgeltungsteuerpflichtig. Ein Steuerberater aber macht Hoffnung.

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          „Ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen“, sprach bei Vergil einst der Priester Laokoon angesichts des Trojanischen Pferdes. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt. Ein Trojanisches Pferd hat jetzt der Internetkonzern Google seinen deutschen Anlegern ins Depot gestellt. Der Suchmaschinenbetreiber hatte seine mehr als 1.200 Dollar kostenden Aktien geteilt. Jeder Aktionär erhielt gratis zu seinen existierenden Aktien noch einmal so viele dazu. Der Kurs reduzierte sich auf die Hälfte. So weit also nur eine optische Maßnahme.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für deutsche Anleger ist die Maßnahme aber leider nicht gratis. Denn Google hat nicht dieselben Aktien der Klasse „A“ zugeteilt, sondern Aktien einer neuen Gattung „C“. Die Transaktion wird von den Banken daher als Sachausschüttung eingestuft und damit behandelt wie Dividendenzahlungen. Diese aber sind abgeltungsteuerpflichtig und somit wird diese auch abgeführt. Eine bittere Pille für die Anleger: Der Ertrag des Investments verringert sich damit um mehr als 26 Prozent. Falls auch noch Kirchensteuer gezahlt werden muss, können es fast 29 Prozent werden.

          Die Auffassung, dass es sich um eine Sachdividende handelt, stützt sich dabei auf die Prinzipien, nach denen Anteilsübertragungen auf Anteilseigner steuerlich behandelt werden. Diese wurden erst im Januar durch das Bundesfinanzministerium konkretisiert. Dabei wurden Durchführungsrichtlinien ergänzt, wann es sich um eine steuerpflichtige Abspaltung handelt. Das ist unter anderem der Fall, wenn etwa wie im Falle Google die Identifikationsnummer (ISIN) der ursprünglichen Aktiengattung erhalten bleibt, die der neu eingebuchten Gattung aber neu vergeben wird, ein Aufteilungsverhältnis angegeben, keine Quellensteuer einbehalten und keine Zuzahlung durch den Aktionär geleistet wird.

          Allerdings fällt ein Teil der Schuld für die Steuerbelastung der Aktionäre auch Google zu. Denn Informationen des Emittenten bilden die Grundlage dafür, ob es sich bei dem Vorgang um eine Abspaltung handelt, die als Sachdividende eingestuft wird. Ein Sprecher von Google Deutschland zeigte sich am Dienstag von dem Sachverhalt vollkommen überrascht. Man habe das Problem im Vorfeld gesehen und eine Klärung mit den deutschen Finanzbehörden angestrebt. Indes habe man trotz mehrerer Versuche keinerlei Indikation zur steuerlichen Behandlung bekommen.

          Für Anleger ist der Steuerabzug sehr schmerzhaft. Wer etwa vor zwei Jahren Google-Aktien kaufte, konnte sich trotz der jüngsten deutlichen Kursverluste noch über einen Gewinn von knapp 80 Prozent freuen. Nach dem Steuerabzug sind es wenig mehr als 50 Prozent. Allerdings können Anleger versuchen, sich die gezahlten Steuern beim Finanzamt wieder zurückzuholen.

          Es sei nicht auszuschließen, dass es sich hier womöglich um eine systemwidrige Gesetzeslücke handelt, sagt Klaus D. Hahne, Steuerberater bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Allen & Overy: „Jeder betroffene Anleger kann im Rahmen seiner Steuererklärung dem Finanzamt gegenüber eine andere Rechtsauffassung darlegen und die Erstattung der Steuer verlangen.“

          Google hatte im Zuge des Aktiensplits eine neue Aktienkategorie ohne Stimmrecht eingeführt, um den Einfluss der Gründer Larry Page und Sergey Brin nicht zu gefährden. Diese besitzen Aktien der Klasse B, die ihnen eine Mehrheit garantieren. Die börsengehandelten A-Aktien verbriefen aber ebenfalls Stimmrechte. Da immer mehr davon ausgegeben wurden, geriet die Stimmenmehrheit der Gründer in Gefahr. Der Aktiensplit mit der neuen Kategorie löst dieses Problem – leider zu Lasten der deutschen A-Aktionäre.

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