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Goldminenaktien : Übernahmephantasie als Kurstreiber

Bild: F.A.Z.

Unter Goldminen läuft eine Übernahmewelle. Einige mittelgroße Minengesellschaften könnten ins Visier der Branchenriesen geraten, Spekulationen haben Konjunktur.

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          In der Goldminenbranche läuft, von der Öffentlichkeit wenig bemerkt, eine regelrechte Übernahmewelle. Rund 300 Übernahmen im Wert von annähernd 30 Milliarden Dollar hat es im bisherigen Jahresverlauf bereits gegeben. Die meisten Zusammenschlüsse betreffen kleine und wenig bedeutende Explorationsunternehmen.

          Doch der Wunsch, die eigenen Reserven durch den Kauf von Konkurrenten aufzustocken, treibt auch die großen Minenkonzerne um. Hier rückt Westafrika immer mehr ins Blickfeld.

          Zukäufe in Westafrika

          Ein Beispiel dafür ist die australische Gesellschaft Newcrest Mining, die außer in ihrem Heimatland noch in Indonesien tätig ist. Sie kaufte für 7,4 Milliarden Dollar den australischen Wettbewerber Lihir Gold, zu dessen Ressourcen eine Mine in der Elfenbeinküste mit einer jährlichen Förderung von 155.000 Unzen Gold gehört. Aus dem Zusammenschluss ist der fünftgrößte Goldförderer der Welt geworden, aber zufrieden ist Ian Smith, der Vorstandsvorsitzende von Newcrest, noch nicht. Er sucht weitere Übernahmeziele in Afrika und Asien, weil dort „großartige Möglichkeiten“ vorhanden seien.

          Zugeschlagen hat in Westafrika auch die kanadische Kinross. Sie erwarb im Sommer für rund 7 Milliarden Dollar das Unternehmen Red Back Mining, das Minenprojekte in Ghana und Mauretanien betreibt. Zusammen mit Red Back steigt Kinross zum viertgrößten Goldförderer der Welt auf.

          Viel Interesse an Perseus

          Eine zweistellige Milliardensumme haben zusammen zahlreiche mittlere und kleinere australische Minengesellschaften in Projekte in Westafrika investiert. Hier entstehen Unternehmen, die zu Übernahmezielen werden können. Genannt wird in diesem Zusammenhang immer wieder die in Perth ansässige Perseus Mining, zuletzt in einer Studie der Royal Bank of Scotland. Das kanadische Wertpapierhaus Dundee Securities sieht bis zum Sommer des kommenden Jahres ein Kurspotential von rund 35 Prozent für die Aktie von Perseus, auch für den Fall, dass kein Übernahmeangebot vorgelegt wird.

          Perseus unterhält zwei Explorationsprojekte in Ghana und in der Elfenbeinküste und will im kommenden Jahr mit der Förderung in Ghana beginnen. Für das Jahr 2013 strebt das Unternehmen eine jährliche Produktion von 400 000 Unzen im Jahr an. Der aktuelle Börsenwert beträgt rund 850 Millionen Euro; weit mehr als 50 Prozent des Kapitals werden von Großanlegern gehalten.

          Zur Finanzierung der Projekte hat Perseus eine künftige Förderung von 270 000 Unzen zu einem festen Preis bereits verkauft. Eine solche Praxis ist in der Minenbranche durchaus verbreitet, weil die Banken die Vorwärtsverkäufe als Kreditsicherheit betrachten. Unter der Annahme eines weiter steigenden Goldpreises beschränkt dieser Terminverkauf aber auch den Gewinn von Perseus.

          Auch andere Explorateure im Fokus

          Terminverkäufe über 290.000 Unzen aus einer künftigen Förderung hat auch die in Australien beheimatete Adamus Resources zur Finanzierung ihrer Projekte abschließen müssen. Adamus will im Frühjahr 2011 die Produktion in einer Mine in Ghana mit einer Förderung von 90.000 Unzen im Jahr aufnehmen. Daneben besitzt das Unternehmen weitere Liegenschaften, auf denen nach Gold gebohrt werden soll.

          Das Unternehmen kommt auf einen Marktwert von rund 180 Millionen Euro; zu den wichtigsten Aktionären zählt die australische Bank Macquarie. Der Kurs von Adamus hat während der vergangenen Wochen wegen einer zusätzlichen Kapitalerhöhung einen Rückschlag erlitten.

          Eine kanadische Gesellschaft, die sich in Westafrika betätigt, heißt Avion Gold. Sie hält die Mehrheit an zwei Projekten in Mali und hat zudem Liegenschaften in Burkina Faso erworben. Das Ziel des Unternehmens besteht darin, ab dem Jahr 2012 rund 200.000 Unzen Gold im Jahr zu fördern. Der Börsenwert beträgt rund 200 Millionen Euro.

          Teures Vorzeigeunternehmen

          Das Vorzeigeunternehmen der Region bleibt allerdings Randgold Resources, ein mittelgroßes Förderunternehmen mit einem exzellenten Ruf. Die Aktie erlebt im Moment eine heftige Konsolidierung, die nach dem überaus kräftigen Kursanstieg der vergangenen Jahre allerdings nicht völlig unerwartet kommt. Der Börsenwert des in mehreren afrikanischen Ländern tätigen Unternehmens beträgt rund 6 Milliarden Euro.

          Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von annähernd 22 ist die Aktie zwar immer noch hoch, aber nicht mehr so astronomisch hoch bewertet wie noch vor wenigen Monaten. Vermutlich ist Randgold auf dem aktuellen Kursniveau noch zu teuer für eine Übernahme durch einen Branchenriesen, da dieser zweifellos noch einen kräftigen Aufschlag bieten müsste. Sollte der Kurs von Randgold aber noch weiter fallen, würde das Unternehmen wohl zu einem Übernahmeziel werden.

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