https://www.faz.net/-gv6-10bdd

Goldman Sachs : Jetzt steigt Warren Buffett ein

  • -Aktualisiert am

Warren Buffett kommt als Retter in der Not und springt Goldman Sachs bei Bild: Reuters

Der legendäre Investor Warren Buffet ist immer für eine Überraschung gut: Jetzt springt er der in Not geratenen Bank Goldman Sachs mit 5 Milliarden Dollar bei. Das kann ihm mehr als 10 Prozent Rendite bringen - die europäischen Börsen reagieren mit Erleichterung.

          2 Min.

          Warren Buffett ist an der Wall Street Legende für seine immer wieder überraschenden Finanzcoups. „Ich werde hungrig, wenn sich andere in die Hosen machen“, hat er einmal gesagt. Nun hat er mitten in der Finanzkrise für Schlagzeilen gesorgt: Der Investor steigt bei der angeschlagenen Bank Goldman Sachs ein.

          Die Bank hatte sich gerade von ihrem Status als Investmentbank verabschiedet und öffnet sich nun auch Privatkunden. Das hat Buffett wohl sehr wörtlich genommen, obwohl die Bankführung selbst wohl daran gedacht hatte, vermögenden Privatkunden die Verwaltung ihres Geldes abzunehmen.

          Goldman-Aktie legt nachbörslich 8 Prozent zu

          Die Anleger feierten die Nachricht ausgiebig. Im nachbörslichen Aktienhandel an der Wall Street verteuerten sich die Aktien von Goldman Sachs um mehr als 8 Prozent. Auch die Börsen in Fernost reagierten am Morgen erleichtert auf diese Nachricht. An den europäischen Aktienmärkten hellte sich die Stimmung auf. Buffetts Einstieg wird als Signal gewertet, dass nicht nur der amerikanische Staat die Last aus der Finanzkrise tragen muss, sondern dass sich durchaus noch private Investoren finden lassen.

          Der Dax lag am Vormittag 0,1 Prozent im Plus bei 6074 Punkten. Auch der Eurostoxx 50 erhöhte sich leicht auf 3141 Punkte. Spitzenreiter unter den deutschen Standardwerten war die Aktie der Münchener Rück, die 2,3 Prozent höher tendierte. Allerdings wurden die Titel der Commerzbank weiter mit hohen Abschlägen gehandelt. Hier belastet vor allem, dass Vorstandsvorsitzender Martin Blessing trotz der enormen Unwägbarkeiten am Kauf der Dresdner Bank noch festhält.

          Buffett bekommt 10 Prozent Dividende

          Mindestens 5 Milliarden Dollar investiert Buffett in Goldman Sachs. Seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway erwirbt zunächst Vorzugsaktien der Bank. Zusätzlich bekommt Berkshire die Option, binnen fünf Jahren Stammaktien im Gesamtwert von 5 Milliarden Dollar zu erwerben. Der Ausübungspreis für diese Option liegt bei 115 Dollar je Goldman-Aktie, die am Dienstagabend zu 134,75 Dollar gehandelt wurde.

          Für Buffett könnte sich das Geschäft rasch lohnen. Denn die jetzt erworbenen Vorzugsaktien werden mit einer Dividende in Höhe von 10 Prozent verzinst. Einige Beobachter beziffern die Rendite von Buffetts Engagement auf Basis eines Optionsbewertungsmodells sogar auf rund 17 Prozent - amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit werfen derzeit 3,82 Prozent ab. Damit lässt sich die Bank den Einstieg Buffetts eine Menge Geld kosten. Allerdings kann Goldman Sachs die Vorzugsaktien jederzeit mit einem Aufschlag von 10 Prozent zurückkaufen.

          Buffett käme auf 10 Prozent Beteiligung

          Bei Ausübung seiner Option würde Berkshire Hathaway nach Berechnungen des „Wall Street Journal“ auf eine Beteiligung von rund 10 Prozent bei Goldman kommen. Die Bank kündigte ferner an, für weitere 2,5 Milliarden Dollar eigene Stammaktien im Rahmen eines öffentlichen Angebots platzieren zu wollen. Somit verschafft sich Goldman eine Kapitalspritze von insgesamt 7,5 Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro).

          Möglicherweise wird auch eine japanische Bank bei Goldman Sachs einsteigen. So meldet die Nachrichtenagentur Kyodo, die Sumitomo Mitsui Financial Group wolle für mehrere hundert Milliarden Yen in die New Yorker Bank investieren. Laut dem Bericht, der sich auf nicht näher bezeichnete Informanten stützt, würde Sumitomo Mitsui einige Prozent des Goldman-Kapitals erwerben.

          „Ein ziemlich lukrativer Deal“

          Goldman Sachs verloren im vergangenen Jahr 40 Prozent ihres Börsenwerts. Immerhin hat die Bank bisher die Finanzkrise überlebt - im Gegensatz zu Lehman Brothers, die pleite gingen, und zu Bear Stearns und Merrill Lynch, die sich in die Arme anderer Banken retten mussten.

          „Das ist ein Deal, der für die Aktionäre von Berkshire Hathaway ziemlich lukrativ sein wird“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Michael Yoshikami, Präsident und Leiter der Investmentstrategie von YCM Net Advisors. Für die Finanzbranche bedeute Buffetts Einsteig bei Goldman Sachs, „dass die Welt noch nicht dem Untergang geweiht ist“.

          Warren Buffett - eine kauzige Kultfigur

          Der Mann ist Kult - genauso wie die alljährlich in Omaha (Nebraska) abgehaltenen Hauptversammlungen seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Auf 62 Milliarden Dollar schätzt das amerikanische Magazin „Forbes“ das Privatvermögen des 1930 geborenen Finanziers. Damit ist Warren Buffett noch reicher als Bill Gates, der Gründer von Microsoft. Der Vergleich kommt nicht von ungefähr: 85 Prozent seines Vermögens will Buffett nach und nach an fünf Stiftungen verschenken. Den Großteil will er der Bill & Melinda Gates Foundation zukommen lassen, einen kleineren Teil auf die vier Buffett-Familien-Stiftungen verteilen.

          Trotz seines sagenhaften Vermögens, das längst Dimensionen erreicht hat wie so wohl nur in der Fantasiewelt der Comics von Dagobert Duck übertroffen wurde, ist Buffett für seine Bescheidenheit, ja seinen Geiz bekannt. Er lebt zurück gezogen und machte nie mit einem überzogenen Lebenswandel, glamourösen Partys oder überdimensionierten Villen von sich reden.

          Auch sein Anlagestil gilt als grundsolide. Buffett hat sich darauf spezialisiert, Unternehmen an der Börse ausfindig zu machen, deren wahrer - „innerer“ - Wert sich seiner Meinung nach noch nicht im Aktienkurs spiegelt. In diese Werte investiert er und hält seine Beteiligung zum Teil viele Jahre lang. Von kurzfristigen Spekulationen hielt er nie etwas. Gleichzeitig legt er großen Wert auf subjektive Einschätzungen wie die Qualität des Managements.

          1965 hatte er für seinen zuvor gegründeten Investmentpool Buffett Partnership die Firma Berkshire Hathaway gekauft. In der Folge diente diese ihm als Investitionsvehikel, das heute mehr als 60 Unternehmen und viele weitere Beteiligungen besitzt. Grundsätzlich rät Buffet allen Anlegern, nur in möglichst „simple“ Unternehmen zu investieren, deren Geschäft sie verstehen. Auch meinte er einmal: „Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil ihr Kurs steigt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.