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Glücksspiel : Bei der William Hill-Aktie läßt das Wettfieber nach

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Entwicklung bei der William Hill-Aktie in britischen Pence Bild:

Nach einer Verdreifachung hat die Aktie des britischen Wettanbieters William Hill den Rückwärtsgang eingelegt. Auch der durch eine Übernahme bedingte Aufstieg zum lokalen Marktführer sorgte bisher nicht für neuen Schwung.

          Die Briten sind bekannt für ihre Wettleidenschaft. Dem Aktienkurs des britischen Wettanbieters William Hill hat dies seit Februar 2003 in der Spitze fast eine Kursverdreifachung beschert. Doch seitdem die Notiz Anfang März ein Rekordhoch von 6,13 Pfund markierte, ist Sand ins Kursgetriebe gekommen. In den vergangenen Wochen hat der Titel deutlich an Wert verloren und das Chartbild deutet dadurch inzwischen die Möglichkeit einer großen Trendumkehr an.

          Am Montag war die Aktie des Wettbürobetreibers mit einem Abschlag von 2,8 Prozent sogar der größte Kursverlierer im FTSE. Und am Dienstag verliert der Titel weitere 1,47 Prozent auf 5,03 Pfund. In Verbindung bringen lassen sich die Kursverluste mit der Einschätzung des Vorstands, der sich mit Blick auf das weitere Geschäft skeptisch zeigte. Außerdem sagte er am Montag die Zahlung einer Sonderdividende im Umfang von 453 Millionen Pfund ab und gab stattdessen die Übernahme der Wettbüros von Stanley Leisure bekannt.

          Zukauf wird an der Börse reserviert aufgenommen

          Durch diesen Zukauf wird die 1934 gegründete William Hill zur Nummer eins auf dem britischen und irischen Markt. Wie in einer Mitteilung ausgeführt wurde, werden 624 Annahmestellen vom Konkurrenten Stanley Leisure für einen Preis von 504 Millionen Pfund (737 Millionen Euro) übernommen. Die Zahl der Hill-Filialen steigt durch die Übernahme von 1.600 auf 2.224. Der bisherige Branchenprimus, die zur Hilton-Gruppe gehörende Kette Ladbrokes mit 2.000 Annahmestellen, wird damit auf Platz zwei verdrängt.

          Trotz des damit verbundenen Aufstiegs zum Marktführer sind die Analysten, wie die Kursverluste zeigen, nicht rundum zufrieden mit dem Geschäft. So reagierte Paul Leyland, Analyst bei Seymour Pierce, mit einer Rückstufung der Aktie von „Halten“ auf „Verkaufen“ und kommentierte diese Entscheidung wie folgt: „Stanley hat für einen sich unterdurchschnittlich entwickelnden und qualitativ wenig hochwertigen Geschäftsbereich einen sehr guten Preis erzielt.“

          Charttechnik mahnt zu einer abwartenden Haltung

          Nicht zuletzt dank Kosteneinsparungen gehen die Verantwortlichen bei William Hill aber davon aus, daß die zugekauften Aktivitäten ab 2006 einen positiven Gewinnbeitrag leisten werden. Stimmt diese Annahme, würde sich die relativ günstige Bewertung der Aktie, die auf eine Marktkapitalisierung von rund zwei Milliarden Pfund kommt, noch weiter verbessern. Derzeit ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2005 geschätzten Gewinne auf gut zwölf zu veranschlagen, und ist damit gut vertretbar.

          Das ändert aber nichts an der zuletzt eingetrübten Charttechnik. Durch die jüngsten Kursverluste wurde der langfristige Aufwärtstrend bereits verletzt und sollte der Titel nun auch noch die nächste wichtige Unterstützungszone unterschreiten, die sich zwischen fünf und 4,80 Pfund befindet, dann würde die Lage charttechnisch noch kritischer werden. Wegen dieser Konstellation sollten an William Hill interessierte Anleger vor einem Einstieg erst einmal eine Klärung der brisanten Chartlage abwarten.

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