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Glücksspiel-Anbieter : Kasino-Aktien profitieren von der Macau-Phantasie

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Wieder ein neues Kasino! Bild: AP

Die Kasino-Branche sieht die wachsende Online-Konkurrenz und flüchtet nach Asien. Macau soll ein zweites Las Vegas werden. Die Aktien gehen durch die Decke - und sind inzwischen sehr teuer geworden.

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          Kasino-Betreiber, sollte man denken, haben nur wenige Sorgen. Die Algorithmen in den Automaten sorgen dafür, daß die Spieler höchstens sich selbst ruinieren, nicht aber das Haus. Doch seit einigen Jahren spürt die Branche Gegenwind. Und der kommt nicht unbedingt von Kämpfern gegen die Glückspielsucht, sondern aus dem Internet.

          Also bleibt den Kasinos nichts anderes übrig, als sich auf das zu konzentrieren, was sie besser können als das Internet: eine andere Welt verkaufen. Klirrende Münzen aus einarmigen Banditen, ein Lichtermeer und Shows - das will online noch nicht so richtig funktionieren.

          Macau als zweites Las Vegas

          In Amerika sind dem Wachstum der Kasinos Grenzen gesetzt, deshalb hofft die Branche jetzt auf den asiatischen Markt - auf Macau. Ähnlich wie Hongkong erhielt das Terrain im Dezember 1999 den Status eines mit weitgehender Autonomie ausgestatteten Sonderverwaltungsgebietes der Volksrepublik China.

          Warten auf Einlaß vor der Eröffnung des Sands-Kasinos (2004)
          Warten auf Einlaß vor der Eröffnung des Sands-Kasinos (2004) : Bild: AP

          Mit dem „Hotel Lisboa“ eröffnete 1970 das erste große Kasino der Stadt. Doch bis vor kurzem konnte nur der einheimische Kasino-König Stanley Ho mit der Spielleidenschaft der Asiaten Geld verdienen - er besaß die entsprechenden Lizenzen. Dieses Monopol fiel 2002. Jetzt arbeiten neben Ho auch Amerikas Kasino-Konzerne daran, Asiens Spieler-Mekka mit Investitionen in Milliardenhöhe in ein zweites Las Vegas zu verwandeln.

          20 Millionen Gäste erwartet

          Immer neue Freizeitparks, Hotel- und Kasino-Resorts schießen wie Pilze aus dem Boden. Neben dem traditionellen Spielerzentrum auf der Halbinsel Macau soll nun auch der mehr als vier Quadratkilometer große Cotai Strip, der zwischen den vorgelagerten Inseln Coloane und Taipa aufgeschüttet wurde, den Tourismus ankurbeln. Der Name ist Programm, der Las Vegas Strip das Vorbild.

          Fast 19 Millionen Besucher und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr zog es 2005 nach Macau, allen voran die Tagesbesucher aus China und dem nur rund 70 Kilometer entfernten Hongkong. In diesem Jahr rechnet das örtliche Fremdenverkehrsbüro in der Stadt am Perlenfluß mit etwa 20 Millionen Gästen. Sie haben die Kasino-Giganten im Visier, die sich mit Hotel-Projekten der Superlative gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Das Hotelangebot von derzeit etwa 9.000 Zimmern soll sich bis 2008 verdoppeln und in den nächsten zehn Jahren mit 53 neuen Hotels auf rund 38.000 Zimmer steigen.

          Sands als Vorreiter

          Auf dem Cotai Strip will die amerikanische Las Vegas Sands Corporation (Isin US5178341070) bis 2007 ein gewaltiges Großprojekt verwirklichen: das fünf Milliarden Dollar teure Vergnügungsviertel „Venetian Macau Casino Resort“.

          Sands ist auf der Halbinsel bereits vertreten. Als Herzstück des Cotai Strip sieht das Unternehmen das 1,8 Milliarden Dollar schwere Luxusresort „Venetian“. Das Vorbild dafür steht in Las Vegas, und wie dort dürfen auch in Macau Nachbauten von Markusplatz, Canal Grande und romantische Gondeln nicht fehlen. Das gesamte Gelände soll künftig sieben Kasino-Hotels mit insgesamt mehr als 10.000 Zimmern umfassen.

          Wynn und MGM ziehen nach

          Wynn Resorts (US9831341071) setzt mit dem „Wynn Macau“ zunächst auf die Halbinsel und wie Sands ebenfalls auf bereits in Las Vegas Bewährtes. Mit einem Investitionsvolumen von 1,1 Milliarden Dollar läßt er gegenüber dem Hotel Lisboa den kleinen Bruder des „Wynn Las Vegas“ errichten. Dieses gilt als bisher teuerstes Hotel der Welt und soll im Herbst seine Pforten öffnen. Auch auf Cotai will sich Wynn bald engagieren. Investitionen in vier Hotels und drei Kasinos hat er bereits signalisiert.

          Da möchte MGM Mirage (US5529531015) natürlich nicht zurückstehen: MGM-Chef Kirk Kerkorian wartet für die zweite Jahreshälfte 2007 mit einem Prestigeobjekt namens MGM Grand Macau auf. Insgesamt investiert MGM Mirage rund eine Milliarde Dollar.

          Aktien sind schon sehr teuer

          Nicht nur die Projekte der Amerikaner sind teuer, sondern auch die Aktien. Betrachtet man die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) auf Basis der für 2006 und 2007 erwarteten Gewinne, kehrt ein wenig Ernüchterung ein: Las Vegas Sands kommt auf 53,6 und 37,5, Wynn Resorts auf 100,4 und 35,9, MGM Mirage auf 23,3 und 19,1.

          Die MGM-Aktie ist also noch am günstigsten, doch das Unternehmen hinkt den Konkurrenten bisher hinterher. Außerdem muß die Aktie - anders als Sands und Wynn - einen wichtigen charttechnischen Widerstand überwinden, bevor sie wieder Luft nach oben hat.

          Trumps Fehltritt

          Die hohe Bewertung der Aktien zeigt, daß bereits viel Phantasie im Kurs steckt. Den Anlegern sollte deshalb das Rückschlagpotential bewußt sein. Trotzdem: Die Trends weisen eindeutig nach oben - und derzeit weist wenig darauf hin, warum sich das bald ändern sollte.

          Außerdem dürfen Anleger nicht blind an eine Erfolgsstory Macau glauben. So hat sich etwa kein geringerer als Donald Trump bei seinem Versuch verspekuliert, Atlantic City zum Las Vegas der Ostküste auszubauen. Seine „Trump Hotels & Casino Resort“-Gruppe mußte im August 2004 Insolvenz anmelden.

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