https://www.faz.net/-gv6-qfns

Getränkeindustrie : Berentzen-Aktie auf Konsolidierungskurs

  • Aktualisiert am

Berentzen bemüht sich wieder zu glänzen Bild: dpa

Nach Kursgewinnen von 470 Prozent innerhalb von 12 Monaten ist der Aktienkurs des Spirituosen-Herstellers Berentzen deutlich zurückgekommen. Nach der üppigen Dividendennachzahlung scheint das Interesse geschwunden zu sein.

          Die vergangenen 12 Monate waren für Aktionäre insgesamt eine gute Zeit. Mehr als die Hälfte aller Aktien verzeichneten Kursgewinne und immerhin 92 sogar von mehr als 100 Prozent. Untern den größten Kursgewinner findet sich zwar so manche eher obskure Aktie, doch auch bekannte Unternehmen. Mit dabei ist mit einem Kursgewinn von rund 230 Prozent auch die Vorzugsaktie des Spirituosen-Herstellers Berentzen.

          Das war nicht immer so gewesen. Nach der 1988 erfolgten Fusion mit dem Schnapsbrenner Pabst & Richarz hatten Fehden der Eigentümerfamilien Berentzen, Pabst, Richarz und Wolff für einen steten Niedergang in einem ohnehin schwierigen Markt gesorgt.

          Abstieg seit Mitte der Neunziger

          War der Kurs nach dem Börsengang im Juli 1994 bis zum Mai 1996 noch von knapp 18 auf mehr als 35 Euro gestiegen, so ging es danach dramatisch abwärts. Im Jahr 2003 schien sich der Aktienkurs nach seinem Tief bei nur noch 3 Euro endlich zu fangen und stieg bis zum Juli 2006 noch einmal auf 7,38 Euro. Doch dies war nur ein vorübergehendes Aufbäumen: Anfang 2008 notierte die Aktie wieder bei 3 Euro.

          Denn die operative Entwicklung des Unternehmens verlief schwach, was einerseits Resultat, andererseits auch Ursache der Konflikte unter den Eigentümern war. 1996 setzte Berentzen noch 287 Millionen Euro um. Im Jahr 2000 waren es nur noch knapp mehr als 200 Millionen. 2006 brachte mit knapp 180 Millionen Euro einen Negativrekord, auch danach gelang der Sprung über die Marke von 200 Millionen Euro nicht mehr.

          Auf der Ertragsseite verlief die Entwicklung nicht weniger dramatisch. Hatte man Mitte der neunziger Jahre noch Margen von mehr als 5 Prozent erzielt, schrumpften diese in den Folgejahren auf rund 1 Prozent, zwischen 2004 und 2008 wurde dann nur ein einziges Geschäftsjahr ohne Verlust abgeschlossen.

          Ertragswende bei weiterem Umsatzrückgang

          Der Sommer 2008 brachte dann die Wende, zunächst soweit es die Lenkung der Unternehmensgeschicke betraf. Mit dem Verkauf von mehr als drei Vierteln der nicht börsennotierten Stammaktien an den Finanzinvestor Aurelius lösten die Eignerfamilien ihren Konflikt.

          Zunächst führte dies auch zu einem Kursanstieg der Vorzugsaktien, da aber das freiwillige Übernahmeangebot mit 2,65 Euro unattraktiv ausfiel und die Finanzkrise gleichzeitig auf ihren Höhepunkt zusteuerte, fiel der Kurs schließlich bis März 2009 auf 1,32 Euro.

          Im Sommer 2009 begann der Kurs dann steil zu steigen. Anlass war zunächst die Tatsache, dass das Restrukturierungsprogramm zu greifen begann. Wenngleich der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 10 Prozent auf 86,4 Millionen Euro weiter fiel, schrieb Berentzen schwarze Zahlen und erzielte eine vergleichsweise beachtliche Marge von 2,3 Prozent. Dieser Trend hielt im Gesamtjahr an. Letztlich fiel der Umsatz 2009 um 13 Prozent auf ein neues Tief von 173,7 Millionen Euro, die Marge betrug 2,2 Prozent.

          Kursrückgang nach attraktiver Dividendennachzahlung

          Ein zweiter Faktor aber trieb den Kurs noch mehr. Laut Statuten des Unternehmens wären die stimmrechtslosen Vorzugsaktien bei einem erneuten Ausfall der Dividende in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt worden. Daher entschied sich das Unternehmen die Mindestdividende für drei Jahre von jeweils 13 Cents auszuschütten, was mit einer Summe von knapp 1,9 Millionen Euro in jedem Fall deutlich billiger kam als ein Übernahmeangebot - zumal sich 82 Prozent der Vorzugsaktien in den Händen von Aurelius und 9 Prozent in denen von Jan und Christian Berentzen befinden.

          Damit ergab sich Anfang Februar, bei Vorlage des Geschäftsberichtes, eine Dividendenrendite von mehr als 11 Prozent. Das trieb den Kurs schließlich bis zur Hauptversammlung Mitte Mai bis auf 6,151 Euro nach oben auf ein Drei-Jahres-Hoch. Dividendenjägern brachte dies noch immer eine Rendite von mehr als 6 Prozent ein.

          Seit dem aber ist der Kurs wieder deutlich auf zuletzt 4,995 Euro zurückgekommen. Zwar hatte Berentzen Ende April, ohne Zahlen zu nennen, ein deutlich verbessertes Betriebsergebnis vermeldet, doch war der Umsatz im ersten Quartal abermals auf diesmal nur noch 38,1 Millionen Euro gesunken, da das Unternehmen unrentable Handels- und Zweitmarken abgegeben hat.

          Hoffen auf höhere Ausschüttungsquoten

          Analystenprognosen gibt es für die Aktie nicht. Für den Kurs entscheidend dürfte die Dividendenfähigkeit sein, nachdem die Aktionäre seit 2005 dreimal auf Nachzahlungen warten mussten. Kann Berentzen weiter in den schwarzen Zahlen bleiben, so dürfte wenigstens die Mindestdividende gezahlt werden, da dies lediglich eine Ausschüttung von 624.000 Euro erfordert. Allerdings betrüge die Dividendenrendite dann lediglich 2,6 Prozent.

          Bei einem Gewinn auf Vorjahresniveau ist aber auf eine höhere Ausschüttung zu hoffen, allzumal diese ja vor allem dem Finanzinvestor Aurelius zugute käme. Voraussetzung aber ist vor allem, dass es dem Unternehmen gelingt, den Umsatzrückgang endlich zu stoppen.

          Der Vorstandsvorsitzende Stefan Blascha verbreitete zuletzt Zuversicht: „Unsere Strategie trägt erste Früchte, denn nur mit erhöhter Profitabilität können wir unseren langfristigen Erfolg auf ein sicheres Fundament stellen. Ich bin überzeugt, dass uns dies gelingen wird.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bsirskes Zeit bei Verdi : Immer wieder Frank

          Verdis Vorsitzender Frank Bsirske geht in Rente. 19 Jahre lang leitete er die größte Baustelle der Gewerkschaftsbewegung. Fertig ist sie noch nicht.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.