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Getränke : Foster's steht vor einem Neuanfang

  • Aktualisiert am

Foster's, bleibe bei Deinen Bieren Bild: REUTERS

Für einen Milliardenbetrag kaufte der australische Bierkonzern Fosters sich 2005 ins amerikanische Weingeschäft ein. Ein überteuerter Fehlschlag, wie sich herausstellt. Konzernchef O'Hoy tritt zurück.

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          An Gewinnwarnungen hat man sich in den vergangenen Monaten gewöhnen müssen. In der Nacht zum Dienstag gab es dann gleich deren drei. Dabei sind wieder einmal die Kreditkrise und der hohe Ölpreis die Hauptursachen.

          Im Falle des australischen Wein- und Bierkonzerns Foster's trifft das letztere nicht unbedingt zu. Wohl aber macht auch die Kreditkrise, besser gesagt, die damit zusammenhängende Zurückhaltung der amerikanischen Verbraucher den Australiern einen Strich durch die Rechnung.

          Zu viel Chardonnay

          Bei konstanten Wechselkursen werde für das im Juni endende Geschäftsjahr 2007/2008 nur noch mit einem Gewinn-Zuwachs pro Aktie zwischen fünf und sieben Prozent gerechnet. Bislang rechnete der Konzern mit einem Plus von zehn Prozent.

          Dabei ist es nicht so sehr das auch hierzulande bekannte Bier, das dem Konzern Schwierigkeiten macht, sondern vielmehr der Wein. Für rund 3,7 Milliarden australische Dollar hatte das Unternehmen im Jahr 2005 sich mit Southcorp Wines in das Amerika-Geschäft eingekauft.

          Jetzt geht es der Sparte schlecht. Die Wirtschaftsflaute in den Vereinigten Staaten macht den Australiern ebenso Schwierigkeiten wie die Stärke des australischen Dollar und eine generelle Abkehr der amerikanischen Verbraucher von australischem Wein. Bereits vor rund drei Wochen hatte Foster's den südaustralischen Winzer geraten, ihre Anbaupolitik zu überdenken.

          Der Markt für den dort bevorzugt angebauten Chardonnay sei seit einigen Jahren rückläufig, mittlerweile gebe es ein Überangebot. Noch nicht einmal die Bewässerungskosten seien amortisierbar, sagte der Vorsitzende des Winzerverbandes Chris Byrne dem Nachrichtensender ABC.

          Konzernchef tritt zurück

          Foster's wird nun eine Anschreibung auf seine überschüssigen Lagerbestände von 70 Millionen australischen Dollar vornehmen (rund 43 Millionen Euro). Dass es sich aber nicht um ein kurzfristiges Phänomen zu handeln scheint, zeigen zwei andere, drastischere Maßnahmen. Erstens wird man auf die Weinsparte 600 bis 700 Millionen australische Dollar abschreiben - und zweitens ist der Vorstandsvorsitzende Trevor O'Hoy zurückgetreten.

          O'Hoy hatte 2004 die Konzernspitze übernommen und war damit maßgeblich für den Zukauf von Southcorp verantwortlich. Die Integration sei nicht so gut wie erwartet verlaufen, räumte Verwaltungsratschef David Crawford ein. Zudem müsse man zugeben, dass man seinerzeit für die Weinsparte schlicht zuviel bezahlt habe. Nun schließt man auch den Verkauf nicht mehr aus. Die Biersparte laufe dagegen weiter gut.

          Der Wechsel an der Konzernspitze und die Umstrukturierung des Unternehmens hatte 2004 Schwung in den Aktienkurs gebracht. In der zweiten Jahreshälfte 2006 hatte der Verkauf verschiedener Auslandstöchter in Vietnam, Indien, Frankreich oder China Übernahmespekulationen entfacht, die den Aktienkurs dann schließlich auf 7,14 australische Dollar trieben.

          Fehlgeschlagene Umstrukturierung

          Doch bereits im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/2007 verfehlte Foster's die Erwartungen. Schon damals musste O'Hoy einräumen, dass die Synergien der Übernahme von Southcorp durch Mehrkosten für neue Verpackungsanlagen und Logistikeinrichtungen teilweise aufgezehrt worden waren.

          Jetzt zeigt sich endgültig, dass die Restrukturierungsstrategie, in deren Zuge sich das Unternehmen von Weingütern und Brauereien getrennt hatte, nicht aufgegangen ist. Zugute kommt dem Aktienkurs am Dienstag, dass dieser bereits Anfang des Jahres nach Geschäftszahlen, die deutliche Wechselkursbelastungen zeigten und auch sonst nicht wie erhofft ausgefallen waren, deutlich abgerutscht ist.

          Somit legte der Aktienkurs am Dienstag sogar um 2,6 Prozent auf 5,53 australische Dollar zu. Die Ankündigung, die Akquisition zu überdenken und die Trennung von O'Hoy dürfte den Anlegern etwas Mut gegeben haben. Auf Basis der Analystenprognosen ist die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 14,1 für das laufende und 13,25 für das kommende Jahr derzeit wohl angemessen bewertet, waren die Experten doch bereits pessimistischer als das Unternehmen selbst.

          Nichtsdestoweniger stellt sich die Frage nach strategischen Alternativen. Ins Spiel kommen dürften auch angesichts der laufenden Konsolidierung in der Branche nunmehr wieder Übernahmespekulationen, die den Kurs auch schon in der Vergangenheit beflügelt hatten. Was das Investment versüßen könnte ist eine Dividendenrendite, die sich mit fünf Prozent nicht unattraktiv ausnimmt. Nichtsdestoweniger bleibt das Investment spekulativ, hat der Konzern doch in den vergangenen Jahren offenbar viel Energie auf eine Restrukturierung verschwendet, die allenfalls begrenzt Früchte getragen hat.

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