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Gesundheits-Aktien : Nicht alle Werte haben Perspektive

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Gesundheits-Aktien bieten nicht mehr absolute Sicherheit Bild: dpa

Auch vermeintlich „sichere“ Branchen wie der Gesundheitssektor haben mit dem negativen Sentiment am Markt zu kämpfen.

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          An den Aktienmärkten ist derzeit nichts mehr sicher. Selbst defensive Branchen wie der Gesundheitssektor, die bisher für die meisten Anleger als „sichere Häfen“ galten, verzeichneten in den vergangenen Wochen drastische Kurseinbrüche.

          So brach der Dow Jones Europe Healthcare Stock Index seit Mitte Mai um gut zwölf Prozent ein und notiert am Dienstagabend um 18.00 Uhr bei 258,50 Punkten. Die Gründe für den Kurseinbruch sind zum einen in der allgemein negativen Marktsstimmung zu finden, vor der sich auch defensive Aktien nicht schützen können. Zum anderen sind dafür auch branchen- und unternehmensspezifische Schwächen verantwortlich.

          Anleger misstrauen auch sicherem Hafen

          Der Gesundheitssektor galt bisher als „sicherer Hafen“, weil die Branche sich unabhängig vom Konjunkturverlauf positiv entwickeln konnte. Doch angesichts eines Aktienmarktes, der sich kriegerischen Konflikten, Terrorgefahren und Bilanzskandalen stellen muss, kann das Argument der Unabhängigkeit vom Wirtschaftswachstum nicht mehr so stark greifen.

          Denn falsche Buchungspraktiken haben mittlerweile auch schon die Pharmabranche erreicht. Berichten zufolge soll der US-Pharmakonzern Merck & Co und seine Tochter Merck-Medco angeblich die eigenen Umsätze durch „branchenunübliche“ Berechnungsmethoden künstlich aufgebläht haben. „Natürlich kann man das mit dem Fall Worldcom nicht vergleichen, aber trotzdem untergraben solche Fehlbuchungen das Vertrauen der Anleger“, sagt Karl-Heinz Scheunemann, Analyst von Bank Metzler.

          Blockbuster-Medikamente laufen aus

          Betrachtet man die Pharmabranche insgesamt - deren Unternehmen machen einen großen Teil des Dow Jones Europe Healthcare Stock Index aus - lässt sich die Ursache für die Kursschwäche mit einem so genannten „Produktversagen“ zusammenfassen. Denn durchweg allen großen Pharma-Unternehmen wie Pfizer, Aventis oder Glaxo-Smith-Kline gehen langsam so genannte „Blockbuster-Medikamente“ aus. Das sind die Hauptumsatzträger eines Unternehmens, nämlich Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar.

          Auf der einen Seite können viele dieser Patente in den nächsten Jahren nicht verlängert werden. Auf der anderen kommen in der Produkt-Pipeline kaum neue Medikamente nach, da es unter anderem zu Verzögerungen bei der Zulassung neuer Medikamente durch die zuständigen Aufsichtsbehörden, vor allem in den USA, gekommen ist.

          Zudem drängen Generika-Anbieter auf den Markt. Sie schnappen den großen Unternehmen mit billigen Imitaten ihrer Verkaufsschlager Marktanteile weg. Hatten die Pharmaunternehmen jährliche Wachstumsraten von zehn bis 20 Prozent versprochen, so können diese Versprechen nur noch schwer eingehalten werden. Die Unternehmen verpassen immer öfter die Umsatziele für immer mehr ihrer Produkte.

          Produktversagen schwächt sichere Hafen-Funktion

          Auch damit lässt sich erklären, warum Gesundheitsaktien ihre Funktion als als sicheren Hafen nur noch bedingt wahrnehmen können. „Wachstumsraten, die über der Entwicklung des Gesamtmarktes liegen und die Branche als sicher charakterisierten, sind durch das „Produktversagen“ nun auch von großen Pharma- Unternehmen nicht mehr leicht zu erreichen“, erklärt Scheunemann. Doch einige Unternehmen sind davon weniger betroffen als andere. Dazu gehören Altana, Schering, Stada oder Novartis, so Scheunemann.

          Neben den genannten Problemen, ist die Branche jedoch noch relativ zukunftsträchtig. Denn es gibt noch viele unerforschte Wirkstoffe, die das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der im Schnitt immmer älter und reicher werdenden Bevölkerung in den westlichen Industrienationen steigern können. Und bisher werden gerade mal ein Drittel der 30.000 von Forschern und Ärzten definierten Krankheiten therapiert.

          Fazit: Doch angesichts des jüngsten Schocks durch den Worldcom-Bilanzskandal, des negativen Sentiments und der chronischen Blockbuster-Unterversorgung dürfte auch die einst sichere Gesundheitsbranche nicht vor Kursrückschlägen gefeit sein. Wie in allen anderen Branchen ist auch hier Stock-Picking angesagt sein.

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