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Sinkende Attraktivität : Der Markt für Genussscheine trocknet aus

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An der Börse in Stuttgart hat sich die Zahl der gehandelten Genussscheine zwischen 2012 und 2016 mehr als halbiert. Bild: dpa

Vor der Finanzkrise boten Genussscheine die Möglichkeit einer bilanzschonenden Verschuldung. Mit der stärkeren Regulierung der Kapitalmärkte verlieren die Papiere jedoch an Attraktivität.

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          Die Regulierung der Kapitalmärkte und auch negative Schlagzeilen haben dem deutschen Genussscheinmarkt stark zugesetzt. Unternehmen geben fast keine Genussscheine mehr aus, die an der Börse gehandelt werden. Roland Hirschmüller, Leiter des Handels der Baader Bank an der Börse Stuttgart, sagt: „Ab und zu gibt es noch kleinere Privatplazierungen. Publikumswirksame Emissionen hat es in den letzten Jahren leider nicht gegeben.“

          Aktuell sind an der Stuttgarter Börse 24 entsprechende Papiere notiert, die eine Anlageform zwischen Aktie und Anleihe darstellen. Ihre Anzahl nimmt aber stetig ab: Ende 2016 waren es noch 28 gehandelte Genussscheine mit einem Orderbuchumsatz von 212 Millionen Euro und Ende 2012 noch 60 mit einem Umsatz von 247 Millionen Euro. An der Börse in Frankfurt spielen diese Wertpapiere gleichfalls nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

          Basel III hat die Auflagen für Genussscheine verschärft

          „Einen stark negativen Effekt auf das Marktvolumen dürfte insbesondere die immer stärkere Regulierung der Kapitalmärkte haben, da es sich beim Genussschein um ein gesetzlich nicht geregeltes Wertpapier handelt, welches je nach Ausgestaltung der verbrieften Rechte eher einer Aktie oder aber einer Anleihe ähnelt“, wie Michael Köhler, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), erläutert. Wolfgang Kuhn, der Sprecher des Vorstandes der Südwestbank AG, verweist darauf, dass das Papier früher nach deutschem Recht dem Eigenkapital (Aktie) zugerechnet werden konnte und es damit die Möglichkeit einer bilanzschonenden Verschuldung bot.

          Infolge der Finanzkrise und der damit verbundenen Bankenregulierung (Basel III) hätten sich die Auflagen für Genussscheine verschärft, so dass diese nicht länger die genannten Vorzüge böten. Um den Anforderungen der Ratingagenturen gerecht zu werden, bilanzierten kapitalmarktorientierte Unternehmen nach den internationalen Bilanzregeln IFRS. Der Bilanzierungsstandard zählt das Genussscheinkapital jedoch den Angaben zufolge nicht zum Kernkapital, da ein fixierter Rückzahlungstermin zugrunde liegt und das Kapital so nicht langfristig zur Verfügung steht.

          Da diese bilanziellen Vorteile nicht länger zugrunde lägen, seien Unternehmen nicht bereit, einen entsprechenden Zinsaufschlag zu zahlen, so Kuhn. LBBW-Fachmann Köhler fügt hinzu, das Papier sei eine spezielle deutsche Konstruktion, die im Ausland nur schwer erklärbar und vermittelbar sei. In Zeiten globaler Kapitalmärkte machten nationale Sonderformen weniger Sinn. „Aufgrund der veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen spielen eigene Genussscheine für die Commerzbank keine Rolle mehr“, so ein Sprecher.

          Ein Manko bei vielen Papieren ist die geringe Liquidität

          Beim Blick auf die in Stuttgart notierten Papiere fällt auf, dass aber weiterhin noch die ein oder andere Bank solche Papiere nutzt. So die Bayerische Landesbank (Bayern LB) oder die IKB Deutsche Industriebank. Alle Papiere laufen demnächst aus. Weitere Emissionen stammen von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Auch die Stadtwerke Hannover sind mit von der Partie. Sie hatten 1990 entsprechende Papiere in Höhe von 10 Millionen D-Mark ausgegeben.

          Die Laufzeit sei grundsätzlich unbegrenzt, sagt eine Sprecherin. Laut Hirschmüller werden zwei Drittel der Umsätze in Deutschland mit Genussscheinen über die Börse Stuttgart abgewickelt. „In dieser Anlageklasse gibt es nur Parketthandel.“ Ein Manko bei vielen dieser Papiere ist die geringe Liquidität. Daher werden die Scheine zum Teil mit einer hohen Spread-Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs angeboten, oder es werden erst gar keine Briefkurse gestellt.

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          Köhler weist auf folgenden Umstand hin: „Genussscheine haben in der Finanzkrise ihren Nimbus als sichere Kapitalanlage mehr oder weniger verloren, weil die Anleger zum Teil unter ausbleibenden Zinszahlungen und sinkenden Nominalwerten zu leiden hatten. Auch das dürfte für die sinkende Nachfrage nach dieser Anlageklasse mitverantwortlich sein.“ Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Anleger: „Ein Nachteil stellt die erhöhte Risikoposition bei Schieflage oder Insolvenz der zugrundeliegenden Gesellschaft für den Anleger dar. So kann es, im schlimmsten Fall, zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen“, so Bankmanager Kuhn.

          Im Konkurs- oder Liquidationsfall sind die Rückzahlungsansprüche der Genussscheininhaber zumeist gegenüber allen anderen Gläubigern nachrangig. Laut Hirschmüller sind in dem Segment nur noch wenige Vermögensverwalter aktiv. Die Papiere unterliegen wie Aktien oder Anleihen auch dem Wertpapierhandelsgesetz. Das bedeutet, dass der Emittent dem Prospekt der Finanzaufsicht (Bafin) vorlegen muss. Aber: Es wird nicht die Werthaltigkeit oder das Geschäftsmodell geprüft, sondern nur, ob der Prospekt den formellen Voraussetzungen entspricht, wie eine Bafin-Sprecherin berichtet. Vor ein paar Jahren hatte die Pleite von Prokon für Schlagzeilen gesorgt. Seinerzeit verloren die Privatanleger viel Geld.

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