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Genussmittel : Dividendenrendite macht Altria zu einem defensiven Investment

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Die Rendite ist gesünder Bild: AP

Tabak-Aktien wie Altria haben wegen der Anti-Raucher-Kampagnen keinen leichten Stand. Für Dividendenjäger ist die Aktie des Marlboro-Herstellers aber interessant. Zumal die hohe Ausschüttung Stabilität in schwierigen Zeiten verspricht.

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          Aktien aus den Bereichen Tabak und Alkohol sind nicht nach dem Geschmack eines jeden Anlegers. Vielmehr gibt es etliche Marktteilnehmer, die „lasterhafte“ Werte generell meiden. Doch auch andere Investoren, die diese grundsätzlichen Vorbehalte nicht haben, haben Tabakfirmen zuletzt eher skeptisch begutachtet. Speziell dann, wenn es sich wie bei der Altria Group um Firmen handelt, die in Amerika aktiv sind (das internationale Geschäft wurde 2008 unter dem Namen Philip Morris International abgespalten). Denn dort wurden zuletzt nicht nur die Tabaksteuern erhöht, sondern auch das regulatorische Umfeld gestaltet sich nach wie vor sehr herausfordernd.

          So wurde erst unlängst das härteste Gesetz verabschiedet, das die amerikanische Regierung jemals mit Blick auf die Geschäftspraktiken der Tabakindustrie erlassen hat. Die Zigarettenhersteller werden nun unter die Aufsicht der Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) gestellt, die sich sonst vor allem mit der Sicherheit von Medikamenten und Lebensmitteln beschäftigt.

          Sie kann den Nikotingehalt von Zigaretten regulieren und den Einsatz von Chemikalien verbieten. Bezeichnungen wie „light“ oder „mild“ sollen künftig ganz verboten werden, Zigarettenschachteln müssen deutlich größere Warnhinweise auf gesundheitsschädigende Wirkungen der Produkte bekommen. Auch bei der Werbung bekommt die Branche strenge Grenzen gesetzt: So dürfen zum Beispiel künftig keine Reklametafeln in der Nähe von Schulen oder Kindergärten plaziert werden.

          Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn

          Die FDA hat ihre neuen Kompetenzen jüngst auch bereits genutzt. Wie die Gesundheitsbehörde mitteilte, will sie Zigaretten mit Geschmacksverstärkern wie Kandis oder Gewürznelke verbieten. Die in Amerika sehr beliebten Menthol-Zigaretten sollen dagegen weiter verkauft werden dürfen. Ziel des Verbots sei, vor allem Kinder und Teenager vom Rauchen abzuhalten. Zigaretten mit Geschmacksverstärkern wie Früchten führten zum Rauchen.

          Allerdings wird dieses Verbot die großen amerikanischen Tabakfirmen wie die Altria Group kaum betreffen, da sie keine Zigaretten mit den betroffenen Geschmacksverstärkern anbieten. Aber auch sonst ist es erstaunlich, wie gut es Altria, der Muttergesellschaft von Philip Morris, dem Hersteller der Marke Marlboro gelingt (zum Verständnis: Philip Morris dominiert mehr als 50 Prozent des amerikanischen Zigarettenmarktes, allein auf Marlboro entfiel zuletzt ein Anteil von 42,4 Prozent), mit dem schwierigen Marktumfeld fertig zu werden.

          So schrumpfte im vergangenen Jahr der Absatz von Philip Morris in Amerika zwar um mehr als 3 Prozent, der Umsatz legte aber um 1,5 Prozent zu. Und Analysten gehen derzeit davon aus, dass es dem Unternehmen gelingt, den Gewinn je Aktie in diesem Jahr von 1,65 auf 1,74 Dollar zu steigern. 2010 wird dann sogar 1,85 Dollar für möglich gehalten.

          Beim aktuellen Aktienkurs von 17,71 Dollar errechnet sich daraus für 2010 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn. Diese moderate Bewertung dürfte mit ein Grund sein, warum Analysten das Kursziel für den Titel im Schnitt auf 22,31 Dollar beziffern. Damit weist die Altria-Aktie unter den im S&P 500 Index vertretenen Unternehmen mit die größte Kluft zwischen den Kurszielprognosen und der aktuellen Börsennotiz auf.

          Dividendenrendite bei 7,7 Prozent

          Für die Aktie spricht neben der günstigen Bewertung aber auch die hohe Dividendenrendite. Nachdem die Ausschüttung zuletzt von 1,28 auf 1,36 Dollar erhöht wurde, ergibt sich derzeit eine Dividendenrendite von fast 7,7 Prozent. Und es könnte sogar noch mehr werden. Zumindest ist es das erklärte Ziel des Vorstands, die Ausschüttungsquote von 75 Prozent beizubehalten und die Dividende im Gleichschritt mit den Gewinnen zu erhöhen. In der Vergangenheit wurde diese Zielvorgabe mit schöner Regelmäßigkeit erreicht. Die Dividende wurde in den vergangenen 40 Jahren jedenfalls 42 Mal angehoben.

          Für Dividendenjäger ist die Aktie somit ein gefundenes Fressen. Zumal nicht davon auszugehen ist, dass Zigaretten in Amerika irgendwann komplett verboten werden, weil sonst ein großer Schwarzhandel entstehen würde. Mit das größte Risiko stellt somit für hiesige Anleger eine etwaige deutliche Abwertung des Dollar dar, weil dies in Euro gerechnet zu Währungsverlusten führen würde.

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