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General Motors : Aktienfalle für Gutgläubige

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General Motors will den Absatz weiter anschieben: Arbeiter im Werk Janesville im Bundesstaat Wisconsin Bild: AFP

General Motors war einst ein solider Standardwert an der New Yorker Börse. Heute ist die Aktie ein Spielball der Interessen nicht immer seriöser Anleger geworden. Der Kursanstieg von 4 Prozent ist nicht durch die jüngsten Nachrichten gedeckt.

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          Um gut 4 Prozent auf 20,97 Dollar ist der Aktienkurs von General Motors am Mittwochabend an der New Yorker Börse Nyse gestiegen. Damit war die Aktie Tagesfavorit unter den amerikanischen Standardwerten, die im Dow-Jones-Index gelistet sind.

          Noch kräftiger fiel der Kursanstieg des amerikanischen Autotitels zuvor an den deutschen Handelsplätzen aus: Auf dem Frankfurter Parkett verteuerte sich der Wert um 9,5 Prozent, auf Xetra um 7,3 Prozent, in München um 9,6 Prozent und in Stuttgart sogar um 12,7 Prozent.

          Ein Fall für Aktienkäufer? Weit gefehlt. Einst war General Motors ein Schwergewicht auf dem amerikanischen Aktienmarkt, der - gleichgültig, ob die Geschäfte des Autokonzerns hervorragend oder weniger gut liefen - in praktisch jedes Portefeuille von Anlegern gehörte, die an der Wall Street investieren wollten.

          31 Prozent Kursverlust in einem Jahr

          Heute sind es nicht immer honorige Portfolio-Manager von Versicherern oder Anlagestrategen distinguierter Banken, die den Kurs des angeschlagenen Autokonzerns bewegen. Mitunter mischen auch minder seriöse Anleger in dem Titel mit, die ihren eigenen Schnitt machen wollen, indem sie versuchen, den Aktienkurs in die eine oder andere Richtung zu bewegen. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Aktienkurs um 31 Prozent gestürzt.

          In dieser Hinsicht ist General Motors für Anleger, die nicht jedes Detail in der turbulenten Entwicklung des Konzern einschätzen können, eine Geldanlage mit besonders großem Risiko geworden. Das liegt nicht nur an der fundamentalen Lage, die an sich schon Anlegern Sorgenfalten bereitet: 38,7 Milliarden Dollar Verlust erlitt General Motors im vergangenen Jahr.

          Damit hat sich die Situation gegenüber den Vorjahren nochmals verschlechtert: Knapp 2 Milliarden Dollar betrug der Verlust im Jahr 2006 und 10,4 Milliarden Dollar im Jahr 2005. Auch im laufenden Jahr muss General Motors hohe Belastungen verkraften. So hatte der Konzern im Februar sämtlichen 74.000 Beschäftigten, die in den Vereinigten Staaten in der Fertigung angestellt sind, eine Abfindung angeboten, wenn sie ihre Stelle für eine billigere Arbeitskraft frei machen.

          13 Prozent Absatzrückgang

          Fundamental hat sich die Lage seit Jahresanfang auch nicht gebessert. Im ersten Quartal verkaufte General Motors nur noch rund 283.000 Fahrzeuge und lieferte damit 13 Prozent weniger Autos an die Kunden aus. Beim hartnäckigsten Wettbewerber, Toyota, fiel der Rückgang um 3,4 Prozent auf knapp 218.000 Stück deutlich geringer aus. Nun will General Motors den Absatz mit hohen Bargeld-Anreizen ankurbeln, die, wenn sie erfolgreich sind, den Gewinn in diesem Jahr belasten werden.

          Insofern ist der jüngste Kursanstieg nicht durch die aktuellen Nachrichten des Detroiter Autokonzerns gedeckt, zumal General Motors am Mittwoch noch bekannt gab, dem bankrotten Zulieferer Delphi finanziell unter die Arme zu greifen. Delphi war früher die Teilesparte von General Motors, bevor diese in eine eigene Gesellschaft ausgegründet wurde. Delphi schreibt selbst enorme Verluste - allein im vergangenen Jahr waren es mehr als 3 Milliarden Dollar, und die Aktie des unter Gläubigerschutz stehenden Unternehmens ist auch nur 7 Cent wert.

          1,5 Milliarden Dollar für Delphi

          6,1 Milliarden Dollar muss Delphi bis zum Wochenende auftreiben, um aus dem Konkursverfahren heraus zu kommen. General Motors hat sich verpflichtet, 1,5 Milliarden Dollar Pensionsverpflichtungen zu übernehmen und diesen Betrag möglicherweise sogar noch zu erhöhen. Auch diese Nachricht rechtfertigt keinen Kursanstieg von mehr als 4 Prozent.

          Was die Einschätzung der Aktie von General Motors zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass der Autokonzern in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Anleihen emittiert hat, die im Amerikanischen als Vorzugsaktien bezeichnet werden, im Deutschen aber eher Wandel- oder Optionsanleihen genannt würden.

          Die Analysten halten sich zurück

          Auf jeden Fall beinhalten diese Konstruktionen in irgendeiner Form Aktienkomponenten und sind daher geeignet, den Kurs der Aktie deutlich zu verwässern. So emittierte der Konzern vor drei Jahren ein Papier, das einen Kupon von 7,5 Prozent trägt und im Jahr 2044 fällig wird. Eine Emission zu 7,25 Prozent aus dem Jahr 2002 wird sogar erst im Jahr 2052 zurückgezahlt.

          Entsprechend zurückhaltend fällt das Votum der Aktienexperten aus: Von den gut 3200 Analysten, die weltweit den Titel regelmäßig verfolgen, empfehlen 60 Prozent die Aktie zu halten. Zu einer Kaufempfehlung kann sich gerade einmal ein Viertel durchringen. Das kann durchaus als eine geringe Quote angesehen werden.

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