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Geldanlage : Fußballaktien wieder im Spiel

Schlechte Kapitalanlage mit 22 Beinen: Der BVB und sein Chef Bild: ddp

In ganz Europa sind die Fußballvereine in den vergangenen Jahren an die Börse gestrebt. Auch in Frankreich ist das jetzt erlaubt. Bisher haben aber die meisten Titel die Hoffnungen der Anleger und Fans enttäuscht.

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          Auch in Frankreich dürfen Fußballvereine künftig an die Börse. Die französische Regierung hat ein Gesetz beschlossen, das Sportklubs die Ausgabe von handelbaren Anteilsscheinen erlaubt. Damit dürfte sich die Welle von Börsengängen europäischer Fußballvereine bald fortsetzen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt in Frankreich Olympique Lyonnais, der sportlich und finanziell stärkste Klub Frankreichs. Die Verantwortlichen arbeiteten an einem Börsengang, zu dem es noch vor Jahresende kommen könnte, heißt es in Paris.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In ganz Europa sind die Fußballvereine in den vergangenen Jahren an die Börse gestrebt. Sie folgten damit dem Trend, den Großbritannien seit der Aktiennotierung von Tottenham Hotspurs 1983 gesetzt hat. Nach Angaben des Finanzbriefes Vernimmen.net sind in Europa derzeit 37 Fußballvereine börsennotiert. Den Klubs verschafften die meisten Börsengänge Millioneneinnahmen, den längerfristig orientierten Anlegern dagegen in der Regel nur hohe Verluste.

          Nur glühende Fans als Aktionäre übrig

          Bei lediglich drei Vereinen in Europa liegt die Börsenkapitalisierung nach Angaben von Bloomberg heute über dem Wert der Markteinführung. Dagegen sind traurige Beispiele wie jenes von Borussia Dortmund die Regel. Zu 11 Euro kam die Aktie am 31. Oktober 2000 auf den Markt, heute dümpelt sie unter 2,50 Euro. In Italien hat vor allem Juventus Turin enttäuscht. Beim Börsengang war den Anlegern der Verein noch 400 Millionen Euro wert, heute dagegen sind es nur noch 217 Millionen Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Analysten weisen darauf hin, daß den Vereinen oft ein solides, langfristig ausgerichtetes Finanzmanagement fehlt. Neben schwankenden Ergebnissen auf dem Rasen stört viele Anleger die Unfähigkeit, vom sportlichen Erfolg unabhängige Einnahmen zu erzielen. Der Kauf teurer Spieler wird dann oft zum unbegrenzten Risiko. Am Ende bleiben gelegentlich fast nur die glühenden Fans als Aktionäre übrig, die nicht aus Renditeüberlegungen zugegriffen haben. Die Liquidität der Aktien ist damit entsprechend gering. Institutionelle Anleger gehen daher nur mit spitzen Fingern an die Titel heran, wenn überhaupt.

          Index um 27 Prozent im Minus

          Dies gilt selbst für den größten börsennotierten europäischen Klub, den Londoner Verein Arsenal. Er verfügt zwar über eine aktuelle Marktbewertung von umgerechnet rund 460 Millionen Euro und liegt damit deutlich vor dem Zweitplazierten, dem türkischen Klub Fenerbahçe, doch 56 Prozent liegen in der Hand von drei Großinvestoren. In den vergangenen sechs Monaten wechselten täglich im Durchschnitt nur fünf Arsenal-Aktien den Besitzer.

          Kurzfristig können Fußballaktien indes durchaus Gewinn bringen. Der Bloomberg European Football Club Index stieg seit Jahresbeginn um 13 Prozent, während das europäische Börsenbarometer Dow Jones Stoxx-600 nur 8,3 Prozent gewann. Einzelne Klubs verzeichneten in diesem Jahr mächtige Kurssteigerungen, etwa Manchester City (plus 95 Prozent), der dänische Stadionbetreiber Parken Sport & Entertainment (plus 171 Prozent) oder der AS Roma (plus 41 Prozent). Doch seit seinem Start Anfang 2001 liegt der Index um 27 Prozent im Minus.

          Öffnung in Frankreich nicht ganz freiwillig

          Zwar gibt es in Großbritannien noch mit Abstand die meisten börsennotierten Fußballvereine in Europa, darunter selbst kleine Klubs wie die Londoner Kicker des FC Millwall, aber ihre Zahl schwindet. Große Namen werden zunehmend aufgekauft, allen voran Manchester United im vergangenen Jahr durch den amerikanischen Finanzier Malcom Glacer. Chelsea ging zuvor an den russischen Milliardär Roman Ambramovitch, und derzeit ist der Amerikaner Randy Lerner dabei, Aston Villa zu übernehmen. In diesem Jahr gab es in Europa bereits neun Offerten für börsennotierte Vereine, meldet Bloomberg. Das Volumen abgeschlossener oder geplanten Übernahmen beträgt in diesem Jahr 359 Millionen Euro - ein Höchststand seit Beginn der Statistik 1998.

          Die Öffnung in Frankreich geschieht indes nicht ganz freiwillig. Acht Klubs beschwerten sich schon 2002 bei der Europäischen Kommission gegen das Börsenverbot. Viele Vereine dürften den Schritt in Frankreich jedoch nicht wagen. Allein schon das Zuschaueraufkommen kann mit Ländern wie Großbritannien und Deutschland bei weitem nicht mithalten.

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