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Geldanlage : Chinesische Aktien auch an deutschen Börsen

  • Aktualisiert am

Diese Bank gibt es jetzt auch an der Börse Bild: REUTERS

Die Zeichnungsgewinne beim ICBC-Börsengang streichen nur Anleger in Schanghai und Hongkong ein. Doch die Aktie ist wie viele andere aus China auch in Deutschland handelbar. Die Gebühren sind die gleichen wie bei deutschen Titeln.

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          Während in Schanghai und Hongkong die Anleger über hohe Zeichnungsgewinne beim Börsengang der chinesischen Großbank ICBC jubeln, schauen die deutschen Anleger weitgehend in die Röhre. Das müssen sie aber gar nicht. Zwar blieben ihnen die Zeichnungsgewinne verwehrt, doch der Weg für deutsche Anleger zur ICBC-Aktie ist nicht so weit, wie mancher meinen mag. An heimischen Börsenplätzen wie Frankfurt, München, Stuttgart oder Berlin wird die Aktie schon gehandelt. Am Mittag notierte sie bei 37 Euro-Cent. Der Ausgabepreis für die gut 48 Milliarden Aktien der Großbank hatte bei umgerechnet 31 Cent gelegen, der erste Kurs in Hongkong bei 34 Cent.

          An der Berliner Börse sprachen Händler von regem Handel. Auch in Frankfurt wies die Aktie (Isin CN000A0LB420) mit einem Umsatz von mehr als 3 Millionen Euro den weitaus höchsten Umsatz aller chinesischen Aktien aus. Die Konkurrenz lag meist weit abgeschlagen. Die Mehrzahl der Titel wies überhaupt keine Umsätze auf, eine Handvoll anderer Werte kam auf Umsätze von unter 1000 Euro. Insgesamt bietet die Frankfurter Börse 70 chinesische Aktien an.

          Meist bleibt nur der Gang nach Hongkong

          Für den deutschen Kleinanleger ist dies von Vorteil. Er kauft die Aktien zu denselben Gebühren wie eine Aktie von Allianz, BMW oder Thyssen-Krupp. „Wenn die chinesischen Aktien in Deutschland handelbar sind, nehmen wir die gleichen Gebühren wie bei deutschen Aktien auch“, heißt es beispielsweise bei der Nassauischen Sparkasse. Bei den anderen Banken und Sparkassen sieht es ähnlich aus. Beim Kauf sollte der Anleger aber berücksichtigen, daß die Liquidität der Werte nicht sehr hoch ist. Eine einzige Order kann schon den Kurs beeinflussen. Beim Wertpapierauftrag sollte daher stets ein Kauflimit gesetzt werden, damit die Aktie nicht plötzlich zu einem viel höheren Kurs gekauft wird als geplant. Es kann aber auch passieren, daß die Transaktion mangels Liquidität gar nicht zustande kommt.

          Wer etwas liquidere Märkte haben will oder Interesse an besonders ausgefallenen Aktien hat, muß seine Aktien direkt in Hongkong kaufen. Das macht die Sache jedoch teurer, da hier bei den Banken Auslandsgebühren anfallen. An der Börse in Schanghai - wo die ICBC auch gehandelt wird - können die Ausländer kaum aktiv werden. Der sogenannte A-Markt ist für Chinesen reserviert. Der B-Markt ist zwar für Ausländer geöffnet, allerdings kaum liquide. Daher bleibt meist nur der Gang nach Hongkong.

          Banken empfehlen Fonds

          „Wenn ein Kunde zu uns kommt und eine bestimmte chinesische Aktie nachfragt, dann besorgen wir ihm die“, sagt Sven Matthiesen von der Frankfurter Sparkasse. „In den meisten Fällen empfehlen wir jedoch den Kauf von China-Fonds statt Einzelaktien, da durch die breitere Streuung das Risiko für den Kunden überschaubarer ist.“ Dieser Ansicht ist auch Klaus Möller, Leiter der Geschäftspolitik der Volks- und Raiffeisenbanken. „Wer sich langfristig im chinesischen Markt engagieren will, sollte sich nicht einzelne Werte herauspicken, denn diese haben eine sehr hohe Volatilität“, sagt Möller.

          Auch Andre Sadowsky, Aktienstratege für Asien bei der Dresdner Bank, rät zum Kauf von China-Fonds. „Aufgrund von Kapitalverkehrsrestriktionen ist es immer noch schwierig, ein gut diversifiziertes Portfolio aus Einzelwerten zusammenzustellen“, sagt Sadowsky. Zudem werden zahlreiche Titel bislang noch unzureichend von Analysten beobachtet. „Wir haben lediglich die China Mobile und die China Netcom genauer im Blick.“ Generell ist der Stratege für den chinesischen Markt sehr positiv gestimmt. Der Dit China setzt vor allem auf Rohstoffe, Finanzen und Telekommunikation. Dabei sei eine Aktie wie die nun emittierte ICBC durchaus attraktiv. „In international diversifizierten Depots ist es sinnvoll, diesen Standardwert mit hineinzunehmen, um von den großen Chancen zu profitieren“, sagt Sadowsky. Wer an dem chinesischen Boom teilhaben will, ohne gleich einen Einzelwert heraussuchen zu wollen, kann außer über Fonds auch noch mit Zertifikaten partizipieren - so zum Beispiel einem auf den Hang Seng China Enterprise.

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