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Gastkommentar : So investiert Warren Buffett, wenn günstige Gelegenheiten fehlen

  • -Aktualisiert am

Chancen und Risiken sind momentan an den Finanzmärkten nicht richtig abzuschätzen. Vielleicht wäre es das Beste, abzuwarten und Tee zu drinken, wie Warren Buffet, denkt Chet Currier von Bloomberg News.

          4 Min.

          Warren Buffett sitzt auf einem Berg liquider Mittel. Da sich die bestehenden Probleme für das Investmentmanagement weiter fortsetzen dürften, ist er wahrscheinlich der Beste abzuwarten. Wie er kürzlich öffentlich eingeräumt hat, ist es aber auch für den überall gefeierten Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway derzeit keine einfache Frage, was er mit den Investmentgeldern von rund 100 Milliarden Dollar in den Geldkoffern seines Unternehmens als nächstes unternehmen soll.

          Auch wenn sich die Summen in ihrer Höhe unterscheiden mögen, so offenbart sich doch allen, die derzeit Geld anlegen wollen, mehr oder weniger das gleiche Bild: Zu viel Geld jagt hinter zu wenigen guten Investitionsmöglichkeiten her. „In den letzten Jahren ist es unserer Ansicht nach äußerst schwierig gewesen, deutlich unterbewertete Aktien aufzutreiben. Diese Schwierigkeit wurde noch durch die Tatsache verstärkt, daß das Kapital, das wir anlegen müssen, sprunghaft angewachsen ist“, erklärte der 73jährige Buffett in seinem jährlichen Bericht an die Anteilseigner von Berkshire Hathaway.

          Buffet hält 35 Prozent des Vermögens als Barreserve

          Betrachten wir einmal Berkshire Hathaway - ohne Berücksichtigung der operativen Geschäfte - als eine Alternativmöglichkeit zu einem offenen Fonds oder einem Hedge-Fonds, der für seine Aktionäre ein Investitionsportfolio aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Währungen und Cash-Reserven verwaltet.

          Wäre das Portfolio tatsächlich ein offener Fonds oder eine Fondsgruppe, dann hätten seine 98,6 Milliarden Dollar zum Ende des ersten Quartals 2004 Berkshire Hathaway zur achtgrößten Fondsgesellschaft in den Vereinigten Staaten erhoben. Nach Daten der Beratungsgesellschaft Financial Research in Boston käme das Unternehmen gleich hinter der T. Rowe Price Group und unmittelbar vor Oppenheimer Funds.

          Am 31. März 2004 bestand der „Berkshire-Fonds“ zu 35 Prozent aus Barreserven - im Vergleich zu den heutigen Fonds-Standards eine kolossale Menge. Das Unternehmen verzeichnete eine Erhöhung der Bankguthaben und sonstigen liquiden Mittel - im Allgemeinen sind damit kurzfristige Geldmarktpapiere gemeint - von 31,3 Milliarden Dollar Ende des vergangenen Jahres auf 34,7 Milliarden Dollar.

          Renditen zu gering oder zu hohes Risiko

          Wenn dieses Geld in Anleihen investiert wäre, würde es derzeit eine Rendite von etwa 0,9 Prozent einbringen. So kümmerlich diese Rendite auf den ersten Blick auch aussehen mag, sie hat doch einige andere Anlagealternativen deutlich übertroffen. Die Aktienkurse sind im bisherigen Jahresverlauf gefallen. Das aggregierte Kurs-Gewinn-Verhältnis des Standard & Poor's 500-Aktienindex bleibt mit mehr als 20, basierend auf den Gewinnen der vergangenen zwölf Monate, deutlich über den üblicherweise als gute Kaufgelegenheit anzusehenden Werten. Die entsprechende Dividendenrendite beträgt spärliche 1,7 Prozent.

          Und Anleihen? Nun, da die gestiegenen Zinssätze die Anleihekurse nach unten gedrückt haben, mußten alle von Bloomberg beobachteten offenen Rentenfonds seit Jahresbeginn 2004 bis zur Mitte der vergangenen Woche einen durchschnittlichen Verlust von 1,7 Prozent verbuchen. Etwa genauso hohe Einbußen dürften noch bevorstehen.

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