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Gastkommentar : Dow und Nikkei haben wieder zueinander gefunden

  • -Aktualisiert am

Dow Jones und Nikkei liegen auf ähnlichem Niveau. Bei allen Unterschieden - es zeigt an, dass zwei Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft angeschlagen sind.

          Der Dow Jones und der Nikkei haben wieder zueinander gefunden. Als es das letzte Mal passierte, war Japans 81-jähriger Finanzminister Masajuro Shiokawa noch ein flotter Mittdreißiger und ein Jahrzehnt von seinem ersten parlamentarischen Mandat entfernt. Der US-Finanzminister Paul O'Neill indes war ein 22-jähriger Ingenieur bei der Morrison.

          Man schrieb das Jahr 1957, als der Dow Jones Industrieaktienindex zum letzten Mal über dem Nikkei 225 notierte. Heute nun haben die beiden meistbeachteten Aktienindizes der Welt erneut gleichgezogen. Leider handelt es sich hierbei jedoch keineswegs um ein glückliches Zusammentreffen, sondern ist eher ein Zeichen dafür, wie schlimm es wirklich um die Weltwirtschaft steht.

          Zugegebenermaßen haben der Dow und der Nikkei sich innerhalb der letzten vierzehn Monate schon zweimal aneinander angenähert, nämlich am 12. September 2001 und am 1. Februar 2002. Beide Male handelte es sich aber nur um eine kurze Ausnahmeerscheinung, der weder die Anleger noch die Medien viel Beachtung schenkten. Diesmal könnte der Nikkei jedoch deutlich unter den Dow fallen.

          Schlimme Befürchtungen in den Achzigerjahren

          Spielt das überhaupt eine Rolle? Die Annäherung der Indizes kann von verschiedenen Leuten ganz unterschiedlich interpretiert werden. Auf jeden Fall manifestiert sich in dieser Entwicklung aber der wirtschaftliche Aufstieg und Niedergang Japans. Wer in Asien hätte schließlich gedacht, dass die Wege des Dow und des Nikkei sich je wieder kreuzen würden? Als der Nikkei im Dezember 1989 seinen Höchststand von 38.915 Punkten erreichte, schwärmten Analysten schon vom Durchbrechen der 40.000er oder sogar der 50.000er-Marke.

          An diesem Tag notierte der Dow bei 2.753 Punkten. Es war eine Zeit, in der die Amerikaner fürchteten, Japan könne sich ihre Wirtschaft einverleiben und sie um ihren Lebensstil bringen. Die amerikanischen Autohersteller mussten sich mit den Brosamen vom Tisch der Japaner begnügen, während diese im Gegenzug Juwelen wie das Rockefeller Center, Universal Studios und den Golfplatz von Pebble Beach aufkauften.

          Schicksalswende in den Neunzigerjahren

          Japan eignete sich auch einen wachsenden Anteil am internationalen Kunstmarkt an. Wollte man in den Achtzigerjahren einige seiner Lieblingsbilder von Chagall, Van Gogh oder Picasso bewundern, so musste man nach Tokio oder Osaka reisen. Kommentatoren sahen darin die Entsprechung von Pearl Harbor auf wirtschaftlicher Ebene. Kongressmitglieder warnten, die USA liefen Gefahr, zu einer Kolonie Japans zu verkommen.

          Das alles änderte sich in den Neunzigerjahren, in denen das Blatt sich für Japan in dramatischer Weise wendete. Der Nikkei büßte über drei Viertel seines Wertes ein, während der Dow sich mehr als vervierfachte. Im Laufe des Jahrzehnts verwandelte Japan sich von einer wirtschaftlichen Supermacht in einen ziemlich hoffnungslosen Fall. Was die japanischen Unternehmen heute beschäftigt, ist nicht die Eroberung der Weltwirtschaft, sondern die Deflation.

          Die aktuelle Überschneidung der beiden Indizes ist eine Fortsetzung dieser Schicksalswende. Es stimmt zwar, dass die USA mit einigen großen Problemen zu kämpfen haben, allen voran die Bilanzfälschungsskandale sowie der allgemeine Vertrauensverlust in den Wirtschaftsguru der Nation, Alan Greenspan. Aber kaum jemand gibt sich der Illusion hin, dass es um die japanische Wirtschaft nicht noch viel schlechter bestellt ist.

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