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Gastkommentar : Die großen amerikanischen Einzelhandels-Aktien sind überbewertet

  • -Aktualisiert am

Die großen börsennotierten Einzelhändler in Amerika können zwar mit schönen Wachstumsraten aufwarten. John Dorfman, President von Dorfman Investments, sind deren Aktien trotzdem in den meisten Fällen zu teuer.

          3 Min.

          Die Anleger werden bald wissen, welcher amerikanische Einzelhändler dieses Jahr an Weihnachten Glück gehabt hat. Aber ein gutes oder schlechtes Weihnachtsgeschäft sollte nicht das einzige Kriterium für die Beurteilung einer Einzelhandels-Aktie sein. Wichtiger sind Punkte wie Profitabilität, Bewertung, langfristiges Wachstum und Verfassung der Bilanz.

          Darauf aufbauend komme ich zu dem Schluß, daß die meisten der zehn größten amerikanischen Einzelhändler überbewertet sind. Einige von ihnen würden mich aber interessieren, wenn ihre Kurse um rund 25 Prozent fallen würden.

          Wal-Mart, Home Depot und Target Corp. fallen ebenso durch das Sieb, ...

          So kommt der größte amerikanische Einzelhändler Wal-Mart Stores auf eine Marktkapitalisierung von 224 Milliarden Dollar und läßt damit alle Konkurrenten weit hinter sich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beläuft sich auf 23, was mir auch dann hoch erscheint, wenn die Prognosen der Analysten aufgehen sollten, die für die nächsten fünf Jahre mit einem jährlichen Plus beim Gewinn von 14 Prozent rechnen.

          Home Depot als Nummer zwei in der Branche hat einen Börsenwert von 93 Milliarden Dollar und das KGV beträgt 19. Nach einem Gewinnwachstum von 22 Prozent in den vergangenen fünf Jahren gehen Analysten für die nächsten fünf Jahre von einem jährlichen Gewinnplus von 13 Prozent aus. Auch die Bilanz sieht ganz gut aus. Die Schulden machen nur neun Prozent vom Eigenkapital aus und das Verhältnis der Vermögenswerte zu den Verbindlichkeiten beträgt 1,33. Auf dieser Basis streite ich mit nicht mit Anlegern, die zum aktuellen Preis von 42,52 Dollar einsteigen wollen. Aber als ein Geizhals, wie ich es bin, wäre mir ein Einstiegskurs von 33 Dollar lieber.

          Die Target Corp. als Nummer drei im Einzelhandels-Sektor hat sich in diesem Jahr mit Verkäufen wieder auf seine Ursprünge als Diskount-Einzelhändler konzentriert. Das KGV beträgt hier 23, was mir etwas merkwürdig erscheint, angesichts eines Umsatzwachstums, das sich in den vergangenen fünf Jahren zwischen neun und zehn Prozent bewegte. Und es ist schwer, ein schnelles Gewinnwachstum über einen langen Zeitraum durchzuhalten, ohne daß das Umsatzwachstum entsprechend hoch ist.

          ... wie Lowe´s Corp, Walgreen, Costco Wholesale Corp. und Best Buy Co.

          Lowe´s Cos. Inc. kommt als Nummer vier der Branche auf eine Marktkapitalisierung von 44 Milliarden Dollar und dieses Unternehmen hat seine Gewinne in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um 30 Prozent gesteigert und die Umsätze um 18 Prozent. Auch in Sachen Bilanz und Profitabilität sieht es hier gut aus. Dennoch ist der Titel mit einem KGV von 22 für mich außer Reichweite. Der Kurs notiert hier aktuell um 57 Dollar. Weckt mich wieder, wenn er bei 45 Dollar ist.

          Die Nummer fünf Walgreen ist schuldenfrei und bei einem Umsatzwachstum von 16 Prozent sind die Gewinne in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozent gestiegen. So weit, so gut. Doch dummerweise wird der Titel seit Jahren zu Preisen gehandelt, die ich als Value-Investor nicht gutheißen kann. Das KGV von aktuell rund 30 (Kurs: 38,95 Dollar) Dollar liegt zwar unter dem historischen KGV von 42, ist mir aber noch immer viel zu hoch. Alle KGV-Werte über 20 sind mir hier zu viel. Erst bei Kursen von 26 Dollar könnte ich wieder interessiert sein.

          Der Nischenanbieter Costco Wholesale Corp. würde mich interessieren, wenn ich ihn zu einem angemessenen Preis bekommen könnte. Das in den vergangenen fünf Jahren erzielte Gewinnwachstum von 17 Prozent kann sich zwar sehen lassen, aber dafür bin ich nicht bereit, ein KGV von 25 zahlen. Wenn ich die Aktie zu einem KGV von 19 angeboten bekäme, würde ich einsteigen. Mein Wunschpreis ist hier 36 Dollar, doch aktuell kostet der Titel fast 48 Dollar.

          Die Nummer sieben der Branche, Best Buy Co., habe ich 2000 zu einem Preis von 17 Dollar empfohlen. Heute kostet die Aktie fast 58 Dollar und ich bin weniger zuversichtlich als damals. Insider haben hier in den vergangenen 45 Jahren die rekordverdächtige Zahl von 45 Millionen Aktien verkauft.

          „Kaufen Sie besser die Waren der Einzelhändler und nicht deren Aktien“

          Eine Wette wert sein könnte auf Sicht von drei bis fünf Jahren die Aktie von Gap. Das Unternehmen hat zwar eingestanden, etwas das Gefühl für die Modetrends verloren zu haben, aber das Verhältnis der Vermögenswerte zu den Verbindlichkeiten beträgt 2,8, was für den Sektor sehr gut ist. Die Schulden machen 36 Prozent vom Eigenkapital aus, die Eigenkapitalrendite beträgt 24 Prozent, das KGV ist auf 16 zu veranschlagen und der Kurs-Umsatz-Verhältnis auf 1,1.

          CVS Corp. ist bei vergleichbaren Wachstumsraten ein direkter Konkurrent zu Walgreen. Bei einem KGV von 20 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,62 ist die Aktie aber günstiger zu haben als die von Walgreen. Mit jemanden, der den Titel kaufen will, würde ich mich nicht lange streiten. Aber Kurse um 35 Dollar, und damit zehn Dollar unter der aktuellen Notiz würden mir hier besser gefallen.

          Staples zu guter Letzt ist in diesem Jahr schon um 23 Prozent gestiegen und nähert sich mit einem Kurs von 33,53 Dollar seinem bisherigen Rekordhoch von 35,75 Dollar. In den vergangenen sechs Jahren wurde der Titel im Schnitt mit einem KGV von 33 gehandelt. Der richtige Kaufzeitpunkt war hier im Jahr 2000, als das KGV auf 15 gefallen war. Wer damals das richtige Timing hatte, hat seitdem sein Geld fast verdreifacht.

          Wenn Sie trotzdem auf Einkaufstour gehen wollen, dann lautet mein Rat: „Kaufen Sie besser die Waren der Einzelhändler und nicht deren Aktien.“

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