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Gastkommentar : Die GARP-Methode

  • -Aktualisiert am

Mit den GARP-Kriterien lassen sich aussichtsreiche Aktien herausfiltern. John Dorfman, Kolumnist bei Bloomberg, stellt drei Titel vor.

          Wissen Sie, was GARP ist? Nein, es ist kein Fisch, keine osteuropäische Kulturorganisation und auch kein neuer Bestseller von John Irving. GARP steht für eine Investmentstrategie, die „growth at a reasonable price“ (also Wachstum zu einem vernünftigen Preis) anstrebt. Damit ist GARP ein Mittelweg zwischen dem Value-Ansatz - dem eher knauserigen Anlagestil, zu dessen Anhängern ich gehöre - und dem Growth-Ansatz, der darauf aus ist, das nächste Microsoft zu finden.

          51 Wochen im Jahr vertrete ich standhaft den Value-Ansatz. Einmal im Jahr aber, um Thanksgiving herum, gebe ich meine Zurückhaltung auf und stelle eine Liste mit GARP-Empfehlungen zusammen. Bisher waren die Ergebnisse recht erfreulich. Die diesjährige GARP-Liste ist meine fünfte, und die Gesamtrenditen der bisherigen Listen für den Zwölfmonatszeitraum von November bis November reichten von Gewinnen von 62 Prozent und 21 Prozent für die Listen der Jahre 1998 und 1999 bis hin zu Verlusten von zwei Prozent und 8,5 Prozent in den Jahren 2000 und 2001.Die GARP-Aktien schnitten also um neun bis 40 Prozentpunkte besser ab als der Standard & Poor's 500 Index für den jeweiligen Vergleichszeitraum.

          Besser abzuschneiden als der Markt ist zwar gut für mein Ego - Ihnen hilft es aber überhaupt nichts, wenn Sie mit meinen Tipps Geld verlieren. Aber vielleicht können wir ja mit meiner diesjährigen GARP-Liste ein paar Gewinne einstreichen.

          Die diesjährige GARP-Liste

          Meine diesjährigen GARP-Aktien sind Renal Care Group, H&R Block sowie Oshkosh Truck. Alle drei Unternehmen verzeichneten in den letzten fünf Jahren ein jährliches Gewinnwachstum von mindestens 25 Prozent. Dennoch werden ihre Aktien mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 20 oder weniger gehandelt.

          Renal Care Group ist ein Spezialist für Nierendialysen und damit für integrierte Gesundheitsdienstleistungen, die in ambulanten Behandlungszentren und Krankenhäusern durchgeführt werden. Wegen der soliden Fundamentaldaten von Renal Care Group habe ich im Oktober empfohlen, im Fall eines Marktcrashs diese Aktie zu kaufen. In den letzten fünf Jahren erzielte Renal Care Group ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 42 Prozent und ein Gewinnwachstum von 48 Prozent. Zu der Attraktivität der Aktie trägt auch die verschwindend geringe Verschuldung von weniger als einem Prozent des Eigenkapitals bei.

          Diese Qualitäten machen Renal Care zu einer guten GARP-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18, einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 2,8 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 1,7. Meine üblichen Maßstäbe für Value-Investments sind übrigens ein KGV von 15 oder weniger, ein KBV von 2,0 oder weniger und ein KUV von 2,0 oder weniger.

          Vorbehalt bei Renal Care

          Einen Vorbehalt gibt es jedoch: Eine entscheidende Frage für Renal Care und andere privatwirtschaftliche Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen ist, ob sie die Patienten genauso gut versorgen wie gemeinnützige Einrichtungen. Eine Analyse von Wissenschaftlern der McMaster University in Ontario (Kanada), die diesen Monat im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, gibt Anlass zur Sorge.

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